Sport

Diplomatie in Formel 1 wurde zu Grabe getragen

15.11.2021 • 17:01 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Zweikampf wird härter und härter
Der Zweikampf wird härter und härter (c) imago images/Motorsport Images (Jerry Andre via www.imago-images.de)

Die Attacken auf und abseits der Strecke.

Lewis Hamilton hatte es am Brasilien-Wochenende wirklich nicht leicht. Weil ein Heckflügel nicht den Regeln entsprach, musste er das Sprintrennen für die Startaufstellung des GP in Sao Paulo vom letzten Platz in Angriff nehmen. Er fuhr auf Rang fünf vor. Weil aber der Motor am Mercedes getauscht wurde, musste der Brite dann im Rennen am Sonntag vom 10. Startplatz aus seine Aufholjagd starten.

Die zweifelsohne zu den spektakulärsten in der Formel-1-Geschichte anzusiedeln ist. Denn die grandiose Fahrt des siebenfachen Weltmeister endete mit einem Sieg und damit mit einer Verkürzung des Punkterückstandes gegenüber Max Verstappen von 14 Zählern.

Soweit so gut. Soweit die angenehme Facette des Sports. Die Attacken, zumeist verbaler Natur, wurden zum Teil dann schon aus den untersten Schubladen gezogen. Mit grimmigen Blick saß Mercedes-Teamchef Toto Wolff in der Box, wütend und bereit, allen Gegnern, sei es die FIA, sei es Red Bull Racing, den Krieg zu erklären. Was der Wiener später auch in einer virtuellen Pressekonferenz bestätigte: “Ich bin grundsätzlich ein sehr diplomatischer Mensch, aber die Diplomatie wurde in Brasilien ein für allemal beendet.”

Formula 1 2021: Brazilian GP AUToDROMO JOS� CARLOS PACE, BRAZIL - NOVEMBER 14: Sergio Perez, Red Bull Racing RB16B Sir L
Formula 1 2021: Brazilian GP AUToDROMO JOS� CARLOS PACE, BRAZIL – NOVEMBER 14: Sergio Perez, Red Bull Racing RB16B Sir LImago

Auf der Strecke schenkten sich Verstappen und Hamilton auch nichts. Als der Brite zum Überholen ansetzte, machte sich der Niederländer extrabreit (was erlaubt ist), fuhr mehrmals zick-zack (was nicht erlaubt) ist und drängte seinen Gegner ins Aus (geht eigentlich auch nicht, die Rennleitung schritt nicht ein). Als Hamilton dann endlich an Verstappen vorbei war, zog er, turbogeladen vom neuen Wundertriebwerk (ein Plus von 20 PS), auf und davon. “Da ist Mercedes aber ein Kunstwerk gelungen”, sagte sogar Helmut Marko. Zwischen den Zeilen durfte man freilich schon wieder einen Hauch von in Frage gestellter Legalität erahnen.

Toto Wolff reagierte in einer für ihn doch eher ungewöhnlichen Art, mit tiefer Grimasse und erhobenen Zeigefinger blickte er in die TV-Kameras des Weltsignals. Die von ihm bekannte Noblesse ließ er doch etwas vermissen.

Am Ende zeigte er sich aber doch zuversichtlich, was den WM-Ausgang betrifft. “Katar ist schwierig einzuschätzen, das könnte ein offenes Rennen werden, Saudi Arabien mit der langen Geraden spricht eher für uns. Ebenso Abu Dhabi, mit neuen Geraden und andere Kurvenführung. Aber so ganz weiß ich es auch nicht, das schwingt von Woche zu Woche immer hin und her.”

Auch wenn das Momentum dank des neuen Motors nun bei Hamilton und Mercedes zu liegen scheint, kann es am Wochenende in Katar (Sonntag, 15 Uhr) schon wieder anders aussehen. Die Fans jubeln.

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