Sport

„Ich versuche, einen anderen Weg zu gehen“

20.11.2021 • 23:30 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
„Ich versuche, einen anderen Weg zu gehen“
Alessandro “Izzi” Hämmerle und Elisabeth Kappaurer. GEPA (2)

Alessandro Hämmerle und Elisabeth Kappaurer mit Saisonausblick.

Wie hat Euch die Gesprächsrunde beim Wintersport-Talk gefallen?
Elisabeth Kappaurer: Ich habe mich sehr wohl gefühlt. Es war ein spannendes Gespräch, der Vergleich der Gegensätze zwischen mir und „Izzi“ war sehr interessant. Das war mal ganz was anderes.

Alessandro Hämmerle: Da kann ich mich nur anschließen. Ich fand die Sendung gut gemacht, mit einer interessanten Themenwahl. Wer die Sendung verpasst hat, sollte sie sich nachschauen.

Der Snowboardcross-Weltcup geht kommendes Wochenende in China los. Mit welchen Gefühlen reisen Sie ab?
Hämmerle: Ich bin sehr hungrig auf das erste Rennen, das ist ein gutes Zeichen. Ich fühle mich gut vorbereitet und denke auch, dass der Druck auf mich in China gar nicht so groß ist, obwohl ich wieder als Titelverteidiger in die Weltcupsaison gehe. Das Rennen wird experimentell, weil es im Zeichen der Olympia-Vorbereitung steht, auf dem Hang findet im Februar der olympische Bewerb statt. Am Saisonanfang kann sowieso alles passieren. Wobei es schon eigenartig ist, während eines Lockdowns nach China zu reisen.

Und wann steht für Elisabeth Kappaurer nach den ausgeheilten Schien- und Wadenbeinbrüchen der erste Renneinsatz an, nach zwei Jahren Verletzungspause und dreieinhalb Jahren Rennpause?
Kappaurer: Ich bin skifahrerisch schon wieder auf einem guten Niveau, das ist sehr erfreulich, aber im Moment gibt einfach noch das Bein das Tempo vor. Und das sagt, dass es im Moment noch etwas zu früh ist, um auf Rennniveau zu fahren. Damit war nach meiner so langen Pause jedoch zu rechnen. Wichtig ist jetzt erst mal, dass es im Training gut läuft. Deshalb bin ich sehr zufrieden. Ich denke, ich werde im Jänner mein erstes Rennen bestreiten, vielleicht beginne ich im Europacup. Wenn ich dann wieder im Weltcup starte, werde ich eine relativ gute Nummer haben, weil ich dank meines Verletzten-Status immer noch recht gute FIS-Punkte habe.

Hämmerle: Ich finde es bewundernswert, dass Elisabeth nach all den schweren Verletzungen die Stärke hatte, weiterzumachen und nicht aufzugeben.

Muss man, um die Stärke für das Weitermachen zu entwickeln, von einem Sensations-Comeback träumen und sich zum Beispiel ausmalen, dass man es nach der Rückkehr auf Anhieb zu Olympia schafft?
Kappaurer: Interessanterweise vermisst man während einer Verletzungspause ganz andere Dinge. Da vermisst man wieder die kleinen Dinge, die als fitter Sportler selbstverständlich für einen sind. Wie am Morgen sehr zeitig aufzustehen und auf die Piste gehen zu können. Klar, als Kind träumst du davon, Welt­meis­ter zu werden, bei Olympischen Spielen dabei zu sein, und ja, natürlich treibt mich das auch heute noch an. Natürlich denkt man sich manchmal, dass im Skisport alles möglich ist. Aber jetzt muss ich erst mal wieder rennfit werden, und dann schauen wir mal, wie es sich entwickelt. Ich konzentriere mich in dieser Saison auf den Riesentorlauf. Wenn ich es schaffe, mein ursprüngliches Können wieder abzurufen, ist sicher einiges möglich. Im Vordergrund steht für mich aber der Spaß am Skifahren.

„Ich versuche, einen anderen Weg zu gehen“
Elisabeth Kappaurer und Alessandro “Izzi” Hämmerle kurz vor Beginn des Wintersport-Talks. Links: Moderator und NEUE-Sportchef Hannes Mayer. Klaus Hartinger


Hämmerle: Der Spaß ist so wichtig. Ich finde ja, dass man gerade im Sommer auch mal abschalten darf. Natürlich hat man große Ziele, gerade vor einer Olympia­saison, aber man ist ja nicht nur Athlet, man ist auch Mensch mit einem Privatleben. Wie man das handhabt, muss jeder Profisportler mit sich selber vereinbaren. Ich versuche, da einen etwas anderen Weg zu gehen als die allermeisten Athleten, und lasse den Profisport einfach mal los.

Fühlen Sie sich eigentlich als Star?
Hämmerle: Nein, ich bin immer noch ich, der Außenblick ist da immer anders. Trotzdem ist es so, dass ich mir langsam Gedanken darüber mache, ob ich ab kommender Saison mit einer Beratungsagentur zusammenarbeite. Je größer die Erfolge sind, desto mehr kommt auf einen Sportler zu, und man muss sich fragen, ob man das alles alleine schafft. Ich bin aber noch am Überlegen.

Kappaurer: Von Izzi können wir so viel lernen. Bei uns Skifahrern gibt es im Training immer nur Vollgas, es ist nie genug, es muss immer noch mehr gemacht werden. Vielleicht kommen auch daher die vielen Verletzungen im Skisport. Izzi hat eine Gelassenheit entwickelt, die beeindruckend ist.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.

Der Tod des Eishockeyspielers Boris Sádecký hat die Relationen im Leben aufgezeigt.
Kappaurer: Am Ende ist der Sport ein Spiel, ein Wettstreit, und wir sind privilegiert, dass wir dem Sport, gerade in Zeiten wie diesen, nachgehen dürfen. Wie es Izzi zu Beginn gesagt hat: Die Menschen in Österreich sind ab Montag im Lockdown, und die Boardercrosser fliegen nach China. Das ist schon seltsam.

Hämmerle: Jeder, dem ich davon erzähle, schaut entgeistert.

Kappaurer: Der Tod des Eishockeyspielers hat mich tief berührt. Es ist nicht in Worte zu fassen, was da passiert ist.

Es heißt, Sádecký habe sich seit Längerem unwohl gefühlt, aber er wurde zum Spielen gedrängt.
Hämmerle: Mich regt es so auf, dass ein Mensch so sinnlos gestorben ist. Ich verstehe nicht, wie das passieren konnte. Das ist so ein Drama.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.