Sport

Eine Tabelle zum Ausschneiden

26.11.2021 • 22:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Muhammed Cham (l.) gegen Gerald Nutz in einem der zahlreichen Zweikämpfe im Mittelfeld.<span class="copyright">Gepa</span>
Muhammed Cham (l.) gegen Gerald Nutz in einem der zahlreichen Zweikämpfe im Mittelfeld.Gepa

Zum Abschluss muss sich Lustenau mit torlosem Remis begnügen.

0:0 klingt nach großer Langweile. Doch es war kein schlechtes Spiel in der Grazer Merkur-Arena zwischen dem GAK und Austria Lustenau – allerdings auch keines, das den Beteiligten länger in Erinnerung bleiben wird. Die Spielanlage der beiden Mannschaften bestätigte die Ausgangsposition. Der GAK sah sich selbst in der Außenseiterrolle und zwang die Austria in die Verantwortung, das Spiel machen zu müssen. Die Folge waren lange Ballbesitzphasen der Grün-Weißen und Hausherren, die lediglich auf Konter lauerten.
Beide Teams begannen trotzdem mit hoher Intensität, den ersten Warnschuss gab Muhammed Cham ab. Doch der Versuch des wahrscheinlich ligaweit besten Spielers der Herbstsaison war zu unplatziert und damit kein Problem für GAK-Keeper Jakob Meierhofer (5.). Auf der Gegenseite sorgte vor allem Pedro Felipe für Gefahr. Der schnelle Brasilianer startete ein Solo in der eigenen Hälfte, umkurvte Austria-Verteidiger Jean Hugonet und scheiterte alleine vor Domenik Schierl an einer Fußparade des Austria-Torhüters (7.). Nachdem Top-Torjäger Haris Tabakovic nach schöner Kombination geblockt wurde (11.), war der Anfangselan beider Klubs schon wieder erloschen, und sie begannen sich zu neutralisieren.

Flügellahm

Der GAK verteidig­te clever, vor allem Cham fand nicht zur Form seiner vorangegangenen Darbietungen. Auch die spielstarken Flügel Wallace und Bryan Texeira – der Franzose war für Cem Türkmen in die Startaufstellung gerückt – fanden keinen Weg durch das Rotjacken-Bollwerk.
Eine Chance ging sich aber vor der Pause doch noch aus, es war retrospektiv sogar die größte des gesamten Spiels. Tabakovic bekam den Ball im Strafraum serviert, schickte Gegenspieler Lukas Graf ins Leere und schoss den Ball aus 15 Metern am Grazer Gehäuse vorbei (30.).

Das Hoffen auf das „Nichts“.

Nach der Pause änderte sich am Charakter der Partie wenig, nur die Intensität nahm kontinuierlich ab. Die Elf von Trainer Markus Mader kombinierte sich in die Nähe des gegnerischen Strafraums, dort war aber meist Endstation, ein Treffer musste nun aus dem viel zitierten „Nichts“ fallen.
Diesem „Gegenteil des Seins“, wie es Sartre genannt hatte, näherte sich nun der GAK an. Denn David Peham, der 89 Minuten völlig abgetaucht war, zog in der 55. Minute unbedrängt von der Strafraumgrenze ab. Doch auch dieser abgefälschte Schuss verfehlte sein Ziel.
Damit blieb am Ende ein torloses Remis und die Erkenntnis, dass der Herbstmeister und Winterkönig mit einem beruhigenden Vorsprung in die lange Pause geht, aber auch im Frühjahr nicht unantastbar sein wird. Die Fans der Grün-Weißen dürfen sich die Tabelle ausschneiden, übers Bett hängen und jeden Tag mit einem Lächeln draufschauen – aber niemals zurückdenken an den Jahreswechsel 2012/13 als das Lächeln noch etwas breiter war und das Punktepolster noch etwas dicker gefüllt.