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Aller guten Dinge sind drei für “Izzi”

09.12.2021 • 23:26 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Alessandro Hämmerle behielt auch bei dichtem Schneefall den Durchblick. <span class="copyright">GEPA</span>
Alessandro Hämmerle behielt auch bei dichtem Schneefall den Durchblick. GEPA

SBX-Dominator Alessandro „Izzi“ Hämmerle peilt heute am Hochjoch seinen dritten Heimsieg an.

So gnadenlos wie gestern am Hochjoch verlief die Qualifikation im Snowboardcross schon lange nicht mehr. Weltmeister Lucas Eguibar hat bei schwierigen Bedingungen das heutige Finale ebenso verpasst wie Hagen Kearney, Montafon-Sieger des Jahres 2016. Nicht ins Finale schafften es zudem auch Alex Deibold, Olympia-Dritter bei den Spielen in Sotchi, und Adam Lambert, der beim Saisonauftakt in China noch Fünfter wurde.


Lokalmatador Alessandro „Izzi“ Hämmerle erreichte als Vierter dagegen locker das Finale. „Die Bedingungen waren brutal“, betont der dreifache SBX-Weltcupsieger und aktuell schon wieder Führende im Weltcup. „Ich war sehr froh, dass ich mich schon nach dem ersten Lauf qualifiziert hatte, im zweiten Lauf schlug das Wetter um, da hätte es auch mich erwischen können.“ Zu Beginn des zweiten Qualilaufs, in den wie immer alle Boarder mussten, die es im ersten Lauf nicht in die Top 16 schafften, herrschte noch dichter Schneefall. Die höheren Startnummern konnten bei deutlich besserer Sicht auf die exakt 1157 Meter lange Strecke.

Gegenspieler Visintin

Ganz zufrieden war „Izzi“ mit seinem Lauf trotzdem nicht. Ein Champion ist eben nur zufrieden, wenn die Eins aufleuchtet. „Wir haben uns etwas beim Material vertan“, gesteht Hämmerle mit Verweis auf die Italiener und Kanadier, die je drei Läufer unter die Top 10 brachten. Die Bestzeit sicherte sich Montafon-Spezialist Omar Visintin. Der Südtiroler, der 2012 Markus Schairer den Heimsieg wegschnappte und es am Hochjoch schon vier Mal aufs Podium schaffte, legte die Strecke in 58,42 Sekunden zurück bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 71,30 Stundenkilometer, womit er 0,99 km/h schneller war als Hämmerle. Visintin wird sicherlich der große Gegenspieler von „Izzi“ heute im Kampf um den Sieg. Die beiden werden im oberen Ast des Ras­ters wohl schon im Halbfinale ein erstes Mal aufeinandertreffen, da aber in jedem Heat die zwei schnellsten aufsteigen, können es trotzdem beide ins große Finale schaffen.

Aller guten Dinge sind drei für "Izzi"
Omar Visintin hat ein schnelles Bret. GEPA

Azzurri
Den zweiten Quali-Platz schnappte sich der Kanadier Eliot Grondin, der im Vorwinter Hämmerle im Kampf um die Weltcupkugel bis zum Saisonfinale in Veysonnaz forderte. Grondin hatte mit einer Fahrzeit von 58,42 Sekunden einen Rückstand von 0,07 Sekunden auf Visintin, Dritter wurde der Italiener Lorenzo Sommariva mit einer Zeit von 58,71. Sommariva ist ebenso im unteren Raster-Ast wie Grondin, was sicherlich kein Nachteil für „Izzi“ Hämmerle ist. Denn die Italiener sind bekannt für ihre Teamtaktiken mit kompromisslosen Linienwahlen und riskanten Manövern, bei denen die Azzurri bis an die Grenzen des Erlaubten gehen – und nicht selten darüber hinaus. In einem großen Finale sind solche Teamtaktiken eher nicht umsetzbar, da alle Finalisten auf Sieg fahren.

Kurve drei und vier

Hämmerle hat als Qualifikations-Vierter einen Rückstand von 0,82 Sekunden auf Visintin, was doch schon recht viel ist. Beunruhigt ist der 28-jährige Montafoner deswegen trotzdem nicht. „Wir haben unsere Lehren gezogen, das Problem ist schon gelöst. Außerdem ist es besser, in der Qualifikation ein kleines Materialproblem zu haben als im Rennen. Das ist uns nicht das erste Mal und sicher auch nicht das letzte Mal passiert. Ich bin mir sehr sicher, dass ich mit einem perfekten Material ins Finale gehe.“
Mut macht „Izzi“ nicht zuletzt seine Trainingsleistungen vom Mittwoch, als er zwei Trainingsfahrten absolvierte und mit seinen Zeiten die Plätze eins und drei belegte. Seine Taktik für das heutige Rennen ist klar: „Ich will wieder vorneweg fahren und von der Spitze das Feld kontrollieren.“ Die Startsektion bietet zwar keine großen Herausforderungen, Hämmerle ist sich aber dennoch sicher, dass er sich gleich auf den ersten Metern absetzen kann. „Weil ich meine Linie gefunden habe“, betont der zweifache Montafon-Sieger lachend.

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Hämmerle will seinen dritten Heimsieg nach 2015 und 2019 bejubeln. GEPA/Lerch

Raketenmann
Hämmerle gilt als bester Starter im Feld, nicht zuletzt hat ihm die NEUE den Beinamen „Raketenmann“ verpasst. Kann sich Hämmerle gleich absetzen, würde ihm das die kritischen Positionskämpfe im Pulk ersparen, bei denen immer alles passieren kann. Zumal der Kurs kein ganz großes Kriterium beinhaltet.
„Der Kurs ist nicht schwierig, aber es ist einfach, Fehler zu machen“, kommentiert Hämmerle fast schon philosophisch die Strecke, die fünf Kurven zu bieten hat. Die erste Kurve macht zu, entscheidenden Charakter hat wohl, was zwischen der dritten und vierten Kurve passiert. Hier könnte nämlich der Windschatten greifen. „Nach der dritten Kurve folgt eine längere Gerade, auf der man viel arbeiten muss und insbesondere zu Beginn viel Tempo holen kann“, erklärt Hämmerle. Kommt „Izzi“ als Führender aus der vierten Kurve, dürfte ihm der Laufsieg kaum mehr zu nehmen sein. Zumindest ist die Zielgerade zu kurz, als dass der Windschatten zum Faktor werden könnte. Das Ziel des Montafoners ist klar: „Izzi“ will ins große Finale der besten Vier, und wer Hämmerle kennt, weiß, dass er für gewöhnlich schon mit einem zweiten Platz nicht restlos zufrieden ist. Champions sind eben immer nur dann zufrieden, wenn die Eins aufleuchtet.

Fünf Österreicher

Neben Hämmerle haben sich vier weitere Österreicher für das Finale qualifiziert: Wahl-Vorarlberger Julian Lüftner (1:00,33/12.), der Niederösterreicher Jakob Dusek (1:00,53/15.), der Wiener Lukas Pachner, er lieferte im zweiten Qualifikationslauf mit 58,25 Sekunden die Tagesbestzeit und schaffte es so auf Platz 17. Komplettiert wird das ÖSV-Quintett vom Burgenländer Sebastian Jud als 30. Eine unliebsame Überraschung gab es dagegen bei den Damen für Pia Zerkhold: Die Niederösterreicherin verpasste als 34. deutlich das Finale der 16 schnellsten Damen, das ohne ÖSV-Beteiligung stattfindet.

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