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Für Feldkirch bleibt wohl nur die Warterolle

22.01.2022 • 23:37 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Michael Lampert und Christian Groß haben in Feldkirch viel auf den Weg gebracht, der Verein bleibt aber von Unwägbarkeiten abhängig. <span class="copyright">Hartinger</span>
Michael Lampert und Christian Groß haben in Feldkirch viel auf den Weg gebracht, der Verein bleibt aber von Unwägbarkeiten abhängig. Hartinger

In der ICE-Liga bahnt sich eine Revolution und Bratislavas Rückkehr an. Für die VEU bleibt es schwierig.

In der ICE Hockey League wirft die neue Saison bereits ihre Schatten voraus. Wie berichtet, wird die Kader-Punkteregelung abgeschafft. Nach NEUE-Informationen dürfen die Vereine ab der kommenden Saison ohne Einschränkung Legionäre verpflichten, allerdings dürfen nur zehn Legionäre auf den Spielberichtsbogen, zudem sind zwölf österreichische Spieler im Spieltagskader vorgeschrieben, zwei von ihnen müssen jünger als 24 sein. Bis zur Saison 2026/27 folgt eine weitere Reduzierung auf acht eingesetzte Legionäre pro Spiel. Der ÖEHV als lizenzgebender Verband muss die Regelung allerdings noch absegnen.

Abstimmungsmodus
Im Laufe der kommenden Wochen steht dann die diesjährige Generalversammlung an, bei der das Teilnehmerfeld für die Saison 2022/23 fixiert wird. Bratislava arbeitet mit Hochdruck an der Saisonplanung. Wenn die Slowaken zurückwollen, ist ihre Rückkehr nach Ansicht vieler Klubs eine Formalität, da sie alle Gebühren für die Saison 2021/22 entrichtet haben – und nur aufgrund der Todesfälle ihren Spielbetrieb im November eingestellt haben.
Nach dieser Auffassung hätte Bratislava die Liga nicht verlassen und ist weiterhin ein ordentliches Mitglied. Falls sich Bratislava bei der Generalversammlung dennoch einer Wahl zu stellen hat, wird der Antrag der Slowaken so behandelt werden müssen wie der Wiederaufnahme-Antrag von Znojmo im Frühjahr 2021. Die Ligaregularien besagen nämlich, dass im Falle von mehreren Bewerbungen zunächst über jene Vereine abzustimmen ist, die als Wiedereinsteiger gelten. Bevor die Ligavertreter also bei der kommenden Generalversammlung über die Aufnahme von möglichen Neueinsteigern wie der VEU Feldkirch abstimmen, wird über eine Wiederaufnahme von Bratislava votiert. In diesem Fall wäre Bratislava eine deutliche Mehrheit sicher, das hat ein aktueller Stimmungscheck der NEUE ergeben.
Die Slowaken sind sehr gut vernetzt in der Liga, der Standort Bratislava als Hauptstadt eines EU-Mitgliedsstaates gilt als hochattraktiv; daran ändert auch nichts, dass sich bislang nur einige hundert Zuschauer zu den Heimspielen der Capitals verirren. Die Slowaken stehen bei fast allen in der Liga hoch im Kurs.

Für Feldkirch bleibt wohl nur die Warterolle
In Bratislava hat Peter Draisaitl die Klubführung übernommen, die Slowaken arbeiten mit Hochdruck an der Planung der kommenden Saison. GEPA

VEU-Dilemma

Für die Bewerbung der VEU Feldkirch bedeutet das alles nichts Gutes. Was bitter ist, denn die Montfortstädter haben in den vergangenen Monaten infrastrukturell einiges auf die Beine gestellt, auch die Vorarlberghalle würde die Ligavorgaben erfüllen. Doch die ICE-Vereine haben im Vorjahr die Ligagröße auf maximal 14 Klubs begrenzt. Das heißt, es müsste ein Antrag auf eine weitere Aufstockung eingebracht werden. Und da nicht nur die VEU in die ICE-Liga einsteigen möchte, sondern ein südkoreanischer Klub einen osteuropäischen Satellitenverein ins Rennen schickt und es weitere Interessenten gibt, käme wohl ein Antrag auf Aufstockung auf maximal 16 Vereine zur Abstimmung. Dieser Antrag wird bei weitem keine Mehrheit bekommen. Eine weitere Aufstockung ist nicht gewollt.
Die Stimmung zur VEU an sich ist in der Liga gespalten. Die Feldkircher haben sehr wohl Befürworter, so ist es nicht. In Villach machen sie sich für eine VEU-Aufnahme stark. Andere Vereine dagegen schließen eine Zustimmung für die VEU kategorisch aus. Dass die Feldkircher vor einem Jahr das Abstimmungsergebnis nicht akzeptierten und über den in der Sache weisungslosen ÖEHV eine Liga-Aufnahme erwirken wollten, kam gar nicht gut an.
Völlig verhärtet sind die Fronten aber deshalb, weil die Feldkircher scheinbar sehr aggressiv am Nachwuchsspielermarkt auftreten und offenbar immer wieder versuchen, Spieler abzuwerben. Schon vor einem Jahr kursierten diese Vorwürfe, damals bezog VEU-Geschäftsführer Christian Groß im NEUE-Interview wie folgt Stellung: „Wir wollen eine Plattform für die Spieler sein, was doch kein Abwerben ist. Sondern der ganz normale offene Arbeitsmarkt.“

Teufelskreis

Die Feldkircher, so viel ist klar, sind in einer Zwickmühle. Einerseits wollen und sollen sie eine junge österreichische Mannschaft aufbauen, andererseits sollen sie keine Talente abwerben. Auf Sicht kann die Lösung für die Feldkircher nur lauten, ihre Nachwuchsarbeit auszubauen. Wobei, und das ist der Teufelskreis, sie wohl viele Talente wieder verlieren, solange sie nur die Alps Hockey League als Perspektive bieten können. Rückblickend wären 2019 und 2020 die Chancen der VEU auf eine Liga-Aufnahme deutlich besser gewesen – damals konnten die Feldkircher allerdings die Liga-Auflagen nicht erfüllen.
Der ÖEHV wird auch weiterhin keinen Einfluss auf das Aufnahmeverfahren der VEU und das Abstimmungsverhalten der rot-weiß-roten ICE-Klubs haben. Obwohl der Verband den Lizenzvertrag für die kommende ICE-Spielzeit noch nicht abgesegnet hat. Die Liga braucht diese Lizenz, um vom Weltverband als offizielle Liga anerkannt zu werden. Nur so können die ICE-Klubs an der Champions Hockey League teilnehmen und erhalten Transferkarten. Nur so kann die ICE-Liga ÖEHV-Schiedsrichter einsetzen. Aber den ICE-Vereinen liegen von Verbänden aus dem benachbarten Ausland mehrere Angebote vor, in Zukunft der Lizenzgeber für die ICE-Liga zu sein.

Für Feldkirch bleibt wohl nur die Warterolle
ÖEHV-Präsident Klaus Hartmann und der österreichische Eishockeyverband haben keine Handhabe auf das Liga-Aufnahmeverfahren der VEU Feldkirch. APA


Noch kann viel passieren bis zur Generalversammlung, die wohl im März stattfinden wird. Aber aufgrund der Regularien und dem aktuellen Stimmungsbild deutet vieles darauf hin, dass Bratislava – ob mit oder ohne vorherige Abstimmung – wieder an der Liga teilnimmt und die VEU Feldkirch weiter auf ihre Chance warten muss.

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