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„All-in-Modus” gegen junge Wilde

13.02.2022 • 08:11 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
In der Nacht auf Montag geht der 56. Super Bowl über die Bühne. <span class="copyright">apa</span>
In der Nacht auf Montag geht der 56. Super Bowl über die Bühne. apa

LA Rams treffen im Super Bowl (Montag 0.30 Uhr) auf Cincinnati Bengals.

Auf der einen Seite steht mit den Cincinnati Bengals eine riesige Überraschung im Super Bowl 56. Das Team aus Ohio hatte kaum ein Experte auf der Rechnung, gehörte die Franchise doch noch in den vergangenen beiden Jahren zu den schwächsten Teams der National Football League (NFL). Dem Gegenüber steht mit den Los Angeles Rams nicht nur das Heimteam, sondern auch eine Franchise, die den „All-in-Modus“ verkörpert wie sonst keine Organisation. Der Triumph wäre nun die Krönung dieser Strategie mit ihren zahlreichen Trades.

Matthew Stafford führt das Team der LA Rams an. <span class="copyright">apa</span>
Matthew Stafford führt das Team der LA Rams an. apa

Bester Passempfänger

Einen ersten Höhepunkt erfuhr diese Strategie mit dem Umzug der Rams von St. Louis nach LA zur Saison 2016. Als eine Art Willkommensgeschenk wurde an erster Position im Draft, wo die besten College-Spieler ausgewählt werden, Quarterback Jared Goff gepickt. Dafür wurden zukünftige Draft-Rechte abgeben. Diese Strategie haben die Kalifornier mittlerweile so verinnerlicht, dass seit diesem Pick kein Spieler mehr in der ersten Runde ausgewählt werden durfte und die Rams auf dieses Recht auch in den beiden kommenden Drafts verzichten. Stattdessen wurden immer wieder Stars in die zweitgrößte Metropole der USA gelotst.
Zuletzt ein Matthew Stafford, der anstelle von Goff, der die hohe Erwartungshaltung nicht erfüllen konnte, verpflichtet wurde. Der 34-Jährige kam von den Detroit Lions, wo er in zwölf Jahren nicht ein Play-off-Spiel gewinnen konnte und nun gleich im ersten Jahr bei den Rams im Endspiel steht. Mit 4886 erzielten Passyards während der Regular Season nimmt Stafford in dieser Statistik die dritte Position ein, womit er sein Team in der Offensive nochmals auf ein neues Level heben konnte.
Lieblingsanspielstation vom Spielmacher ist Passempfänger Cooper Kupp. Mit 145 gefangenen Pässen, 1947 Yards und 16 Touchdowns führte der 28-Jährige gleiche die drei wichtigsten Werte der Receiver in der Liga an, weshalb er auch als Offensivspieler des Jahres ausgezeichnet wurde.
Dank ihrer Strategie Draft-Rechte für Starspieler abzugeben, verfügen die Rams auch in der Defensive über hochkarätige Akteure. Aaron Donald ist eine der wenigen Ausnahmen, wurde er doch von der Franchise direkta aus dem College verpflichtet. Der 30-Jährige gilt seit Jahren als einer der besten Verteidiger, mit der Lieblingsbeschäftigung Jagd auf die gegnerischen Quarterbacks zu machen und wird dabei von Von Miller unterstützt, der während der Saison wechselte. Mit Jalen Ramsey steht zudem einer der besten Cornerbacks, also dem Gegenspieler der Passempfänger, in den eigenen Reihen.

Der Quarterback der Cincinnati Bengals Joe Burrow enteilt einem Defensiv-Spieler. <span class="copyright">usa today sports</span>
Der Quarterback der Cincinnati Bengals Joe Burrow enteilt einem Defensiv-Spieler. usa today sports

Bester Rookie in der Offensive

Eine ähnliche „Star-Power“ sucht man bei den Bengals vergebens. Die Anführer des Teams sind vielmehr junge Spieler. Nachdem die Franchise aus Ohio die Saison 2019 mit der schwächsten Bilanz abschloss, durfte im Draft 2020 als erstes aus den College-Spielern gewählt werden. Die Wahl fiel auf Quarterback Joe Burrow, der zuvor erst in seinem letzten Jahr an der Louisiana State University seinen richtig großen Durchbruch hatte. Mit den LSU Tigers gewann der mittlerweile 25-Jährige nämlich mit den College National Championships die wichtigste Trophäe im College-Football.
Seine Qualitäten übertrug der Spielmacher mit nur geringen Anlaufschwierigkeiten in die NFL. Seine Rookie-Saison (Neuling, Anm.) endete allerdings in Woche elf mit einem Kreuzbandriss. In seinem zweiten Jahr steigerte er seine persönlichen Statistiken nochmals deutlich nach oben und führte die Franchise damit erstmals seit der Saison 2015 wieder in die Play-offs. Im Super Bowl standen die Bengals ohnehin erst zweimal, beide Duelle in den 80er Jahren wurden allerdings verloren.
Im diesjährigen Draft verpflichteten die Bengals mit Ja‘Marr Chase einen alten Bekannten von Burrow. Das Duo hatte schon im College bei LSU für Furore gesorgt und schloss damit in der NFL nahtlos an. Der 21-jährige Receiver erzielte 1455 Yards nach Passfängen und steuerte 13 Touchdowns bei. Ohne große Überraschung erhielt er dadurch die Auszeichnung als „Offensive Rookie“ des Jahres.
In der Verteidigung sticht Neuzugang Trey Hendrickson heraus. Für ihn mussten die Bengals allerdings keine Rechte im Draft abgeben, da sein Kontrakt bei den New Orleans Saints ausgelaufen war. Mit 14 Sacks, wenn der gegnerische Quarterback zu Boden gebracht wird, nimmt der 27-Jährige die fünfte Position in der Liga ein und steht damit noch vor Donald.

Das Sofi-Stadium in Los Angeles wird zur Heimstätte des Super Bowls. <span class="copyright">ap</span>
Das Sofi-Stadium in Los Angeles wird zur Heimstätte des Super Bowls. ap

Ringe warten

Auch aufgrund ihrer Unerfahrenheit rechnete fast niemand mit den Bengals. Mit den Kansas City Chiefs eliminierten die Bengals allerdings einen der Topfavoriten für den Super Bowl. Die Rams gehörten schon eher zum Favoritenkreis und stehen nach 2019 wieder im Endspiel um die Ringe, die es als Belohnung für jeden Spieler gibt. Vor drei Jahren blieb die Krönung allerdings aus, nun stehen nur mehr die jungen Wilden der Bengals im Weg um die Meisterschaft.

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