Sport

Bereit für das nächste Kapitel

14.02.2022 • 21:55 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Vollig entspannt: Johannes Strolz. <span class="copyright">Gepa</span>
Vollig entspannt: Johannes Strolz. Gepa

Für Johannes Strolz bietet sich in der Nacht auf Mittwoch im Spezialslalom die nächste Chance auf Edelmetall. Der Kombi-Sieger könnte es erneut seinem Vater Hubert nachmachen.

Von Anspannung keine Spur bei Johannes Strolz 48 Stunden vor dem Olympiaslalom in Yanqing. Der Warther präsentierte sich in bester Laune. Nach seiner Goldmedaille in der Kombination habe es zwar zahlreiche Gratulationen gegeben – „ich habe versucht alle zu beantworten, das ist mir noch nicht ganz gelungen“ –, aber die Aufregung habe ihn viel weniger erreicht als nach seinem Slalomsieg von Adelboden.
Verständlich, damals fuhr er noch am selben Nachmittag von der Schweiz nach Warth und bereits am nächsten Morgen weiter nach Tarvisio, um bei einer Europacupabfahrt zu starten. Dieses Mal war die einzige „Reise“ ins Olympische Dorf, wo er sich die Zeit mit dem Brettspiel „Risiko“ vertreibt.

Neues Hobby gesucht

Eine gute Vorbereitung auf den Slalom, denn dort wird es vor allem darum gehen, das Risiko richtig zu dosieren. Dass Strolz schnell ist, hat er nicht erst im Kombi­slalom gezeigt, seinem Teamkollegen Marco Schwarz nahm er zum ­Beispiel über 1,3 Sekunden ab. Neben seinem Weltcupsieg in Adelboden hat der 29-Jährige seine Klasse auch beim Ausfall in Madonna oder seinem fünften Rang in Kitzbühel unter Beweis gestellt.
Vor allem kann sich Strolz auf seinen Servicemann verlassen – der Kombi-Olympiasieger präpariert seine Skier bekanntermaßen selbst. Die Aufgabe im Skikeller ist für Strolz keine lästige Pflicht, sondern viel mehr willkommene Ablenkung vor dem Rennen. „Wenn ich kommende Saison wieder einen Servicemann habe, muss ich mir fast ein anderes handwerkliches Hobby suchen“, erzählte der Technikspezialist, der für den Slalom bereits drei paar Ski mit unterschiedlichen Kanten vorbereitet hat.

Kein Top-Favorit

Aufgrund der veränderten Bedingungen wird die passende Präparierung eine noch größere Herausforderung als vor der Kombination. Der (unerwartete) Neuschnee der vergangenen Tage hat bereits im Riesentorlauf für ein Rennergebnis gesorgt, dass – mit Ausnahme des Siegers Marco Odermatt – so nicht zu erwarten war. Zusätzlich fehlt im Slalom der absolute Top-Favorit, bei den sechs Saisonrennen gab es sechs verschiedene Sieger (siehe rechts). Auch Henrik Kristoffersen, Alexis Pinturault oder die beiden Österreicher Manuel Feller und Michael Matt darf man ob ihrer Routine nicht unterschätzen.

Strolz kennt den Slalomhang nach dem Kombi-Slalom. <span class="copyright">Gepa</span>
Strolz kennt den Slalomhang nach dem Kombi-Slalom. Gepa

Wie der Senior

Doch zurück zu Johannes Strolz, dessen Aufstieg vom „aus dem Kader Verstoßenen“ zum Olympiasieger die beste Geschichte der Spiele bleiben wird. Vor allem dank jenes Kapitels, in dem er als erster Einzelsportler bei Winterspielen in der gleichen Disziplin Gold gewinnt wie sein Vater Hubert Strolz. Der Senior holte seinen Olympiatitel in der Kombination am 17. Februar 1988. Acht Tage später legte Hubert Strolz die Silbermedaille im Riesentorlauf nach. Seit dem Olympiasieg von Johannes Strolz werden beim Start des Slaloms sechs Tage vergangen sein. „Genau wiederholen kann ich es ja nicht, im Riesen bin ich nicht gestartet. Aber eine Silbermedaille im Slalom wäre natürlich der Wahnsinn.“

Das Quintett neben Strolz

In sechs Weltcuprennen gab es neben Johannes Strolz in der Saison 2021/22 noch fünf weitere verschiedene Sieger.

Der schnelle Franzose

Clement Noel war zu Beginn der Saison der mit Abstand schnellste Slalomfahrer im Weltcup. Doch mit Ausnahme seines Sieges in Val d’Isere brachte er seinen Speed nicht ins Ziel.

Noel ist auf den Geschmack gekommen. <span class="copyright">AP</span>
Noel ist auf den Geschmack gekommen. AP

Konstanter Spätstarter

Mit 29 Jahren holte Sebastian Foss-Solevaag in Flachau in der Vorsaison seinen ersten Sieg. Es war der Durchbruch, heuer legte er in Madonna nach. Der Norweger besticht durch Konstanz, trotzdem kein Top-Favorit.

Sebastian Foss-Solevaag konnte in Madonna jubeln.
Sebastian Foss-Solevaag konnte in Madonna jubeln.

Die Insel-Sensation

Dave Ryding ist 35 Jahre alt, kommt aus Großbritannien und feierte am Ganslernhang in Kitzbühel seinen Premierensieg. Olympiagold wäre die zweitbeste Peking-2022-Geschichte nach jener von Johannes Strolz.

Wer in Kitzbühel gewinnt, kann auch bei Olympia siegen. <span class="copyright">Reuters</span>
Wer in Kitzbühel gewinnt, kann auch bei Olympia siegen. Reuters

Jung und unbekümmert

Lucas Braathen schaut Fußballstar Erling Haaland zum Verwechseln ähnlich. Außerdem tritt der Norweger ähnlich selbstbewusst und unbekümmert auf wie sein Landsmann.

Lucas Braathen hat die nötige Lockerheit. <span class="copyright">Gepa</span>
Lucas Braathen hat die nötige Lockerheit. Gepa

Nachfolger von Wasmeier?

Seit 28 Jahren und dem Doppelgold von Marcus Wasmeier wartet Deutschland auf eine alpine Olympiamedaille bei den Herren. Wer, wenn nicht Schladming-Sieger Linus Strasser könnte diese Serie beenden?

Linus Strasser hatte in Schladming gut lachen. <span class="copyright">Gepa</span>
Linus Strasser hatte in Schladming gut lachen. Gepa

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