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Nach Gold nun Silber: Strolz, der Superstar

16.02.2022 • 19:36 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Johannes Strolz schreit seine Freude hinaus. <span class="copyright">Gepa</span>
Johannes Strolz schreit seine Freude hinaus. Gepa

Johannes Strolz schreibt mit Silber das nächste Kapitel seiner Erfolgsgeschichte. Im Slalom ist nur Clement Noel schneller als der Warther.

Jawooooohl“, hallte es durch den Zielraum der Alpinbewerbe in Yanqing. Johannes Strolz hat es schon wieder getan. Der 29-Jährige hat bei den Olympischen Spielen in Peking seine zweite Medaille gewonnen, nach Gold in der Kombination legte Strolz im Slalom die Silbermedaille nach. Damit ist Strolz einer der absoluten Superstars der Spiele. Seine außergewöhnliche Vorgeschichte – in den vergangenen Wochen schon zigfach zitiert und nacherzählt – macht die Erfolge so einzigartig. Zur Erinnerung: Es gibt den Handlungsstrang „From Zero to Hero“, vom seit Frühjahr 2020 kaderlosen Johannes Strolz, der im Herbst zunächst seine letzte Chance auf eine Weltcupteilnahme nutzte, anschließend im Jänner aus dem Nichts den ersten Weltcupsieg in Adelboden feierte und kurz darauf für die Teilnahme an der Kombination die letztmögliche Europacup­abfahrt bestritt – um dann bei Olympia Gold zu gewinnen.

Eine weitere Medaillenchance

Und dann gibt es die Parallelen zwischen Vater Hubert Strolz und Sohn Johannes Strolz. Beide holten einen Monat vor den jeweiligen Olympischen Spielen ihren ersten Weltcupsieg, beide gewannen Gold in der Kombination und gestern hat der Junior auch in Sachen Silbermedaille mit dem Senior gleichgezogen. Hubert Strolz war dieses Kunststück 1988 in Calgary acht Tage nach dem Olympiasieg im Riesentorlauf gelungen, Johannes verkürzte den Abstand zwischen den Medaillen auf sechs Tage und die Distanz zwischen den Toren vom Riesen- auf den Spezialslalom. Doch Strolz junior ist noch nicht fertig mit diesen Olympischen Spielen. Der Warther wird nach seinen Erfolgen auch Teil der österreichischen Formation im Teambewerb am Samstag sein – die Chancen auf ein weiteres Edelmetall stehen somit nicht schlecht.

Johannes Strolz mit der Medaille. <span class="copyright">Apa/Groder</span>
Johannes Strolz mit der Medaille. Apa/Groder

Laufbestzeit

Doch zurück zum Slalom und dem „Schrei“ von Johannes Strolz bei der Siegerehrung. Das „Jawohl“ war Freude, Genugtuung und Erleichterung zugleich. Der 29-Jährige hat mit der Silbermedaille seine derzeitige sportliche Ausnahmeposition bestätigt. Er war weder beim Sieg in Adelboden eine „Eintagsfliege“ noch beim Olympiagold ein „One-Hit-Wonder“. Strolz hat – aus verschiedenen Gründen – lange gebraucht, um an die Spitze zu kommen. Dort fühlt er sich aber jetzt umso wohler und es gibt kein Anzeichen, dass er diese exponierte Position bald wieder verlassen könnte.
Bestes Beispiel war der erste Durchgang des Olympiatorlaufs. Mit Nummer 19 musste Strolz ins Rennen gehen – zu diesem Zeitpunkt führte die Nummer drei Henrik Kristoffersen vor der Nummer zwei Sebastian Foss-Solevaag. Doch Servicemann Johannes Strolz hatte eine Waffe „gewachselt“ und Slalomfahrer Johannes Strolz wusste sie einzusetzen. Laufbestzeit und Halbzeitführung waren der Lohn der ersten 53,92 Sekunden Arbeit.
Einem, der noch nie im Weltcup nach dem ersten Durchgang geführt hat, müssten spätestens jetzt die Nerven einen Streich spielen. Doch Strolz blieb cool: „Ich habe mich einfach auf meine Sachen konzentriert. Ich war überraschend wenig nervös, weil ich zur Zeit sehr viel Freude am Skifahren habe.“
Für zwei der vier Österreicher, Manuel Feller (ausgeschieden) und Marco Schwarz (25. mit 2,34 Sekunden Rückstand), war der Slalom zu diesem Zeitpunkt bereits gelaufen. Michael Matt befand sich als Siebter in Reichweite der Medaillen. Doch der Tiroler scheiterte bereits nach wenigen Toren des zweiten Durchgangs. Damit lag die gesamte Last des österreichischen Slalomteams auf den Schultern von Strolz.

Clement Noel gewann nach Rang vier in Pyeongchang in Peking Gold. <span class="copyright">Gepa</span>
Clement Noel gewann nach Rang vier in Pyeongchang in Peking Gold. Gepa

Von Rot zu Silber

Direkt nach dem Ausfall von Matt gelang Clement Noel ein ausgezeichneter Lauf und die überlegene Bestzeit, an der die kommenden vier Athleten scheitern sollten.
Es fehlte nur noch Strolz mit einem Polster von 0,38 Sekunden. Bei der ersten Zwischenzeit hatte er seinen Vorsprung sogar ausgebaut, doch dann kam jener Teil, in dem Noel brilliert hatte, und in dem auch Strolz Zeit auf den Franzosen verlor. Als der Warther die Ziellinie überquerte, leuchtete die Anzeigetafel rot auf, bei zweiten Blick auf die Zeit blitzte es Silber in den Augen von Johannes Strolz, der zunächst recht verhalten jubelte. Doch die Freude über das Erreichte wurde von Minute zu Minute größer und Strolz realisierte allmählich, was er geschafft hatte. „Jawohl.“

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