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Ex-Weltmeister-Kandidat zerstört Karriere

28.02.2022 • 15:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Sergej Karjakin und der russische Verteidigungsminister Sergei Kuschugetowitsch Schoigu 2019 in St. Petersburg
Sergej Karjakin und der russische Verteidigungsminister Sergei Kuschugetowitsch Schoigu 2019 in St. Petersburg (c) imago/ITAR-TASS (Vadim Savitsky)

32-Jähriger Sergej Karjakin galt immer schon als Putin-treu.

Sergej Karjakin ist ganz ohne Zweifel einer der besten Schachspieler der Welt. 2016 war der Russe, der bis 2009 für die Ukraine spielte, auch der Herausforderer von Magnus Carlsen um den Weltmeistertitel. Und im Sommer sollte der 32-Jährige beim Kandidatenturnier in Madrid wieder um die Möglichkeit kämpfen, Carlsen herauszufordern.

Sollte – denn ob Karjakin zum Kandidatenturnier eingeladen wird, ist mehr als nur zweifelhaft. In einem Brief an den russischen Präsidenten Wladimir Putin hat Karjakin seine Unterstützung zugesagt. Und auch andere Tweets sorgen nicht nur in der Schachszene für Stirnrunzeln.

Brief von Karjakin an Putin

„Sehr geehrter Herr Präsident, Vladimir Vladimirovitsch,
Ich wende mich an Sie in dieser schwierigen Zeit, wenn das ganze Land, angeführt von Ihnen, für die Sicherheit der friedlichen russischen Bevölkerung von Donbass und der Lugansker Volksrepublik kämpft. Es kämpft für die Demilitarisierung und Denazifizierung der Ukraine mit ihrem regierenden Regime, welches die Sicherheit von ganz Europa und die unseres Landes gefährdet, um seine politischen Ziele zu erreichen.
Ich verfolge aufmerksam die Operation, die auf den Gebieten, wo ich meine Kindheit verbrachte, wo ich das Schachspielen lernte und wo immer noch meine Verwandten leben, durchgeführt wird. Acht lange Jahre warteten wir hoffnungsvoll auf Rettung von den unzähligen Beschüssen, die Menschenleben kosteten und dem nicht aufhören wollenden Genozid seitens des noch aktuellen Kiewer Regimes.
Ich drücke Ihnen, unserem Hauptbefehlshaber, meine volle Unterstützung bei der Verteidigung der Interessen von Russland und seinem multinationalem Volk, der Beseitigung von Drohungen und der Etablierung des Friedens aus!
Ich wünsche unserer tapferen Armee eine möglichst rasche Lösung aller ihr zugetragenen Aufgaben.
 
Respektvoll,
 
Sergey Karjakin.“

Neben dem Brief an den russischen Präsidenten gibt es noch zahlreiche Tweets des Schachspielers, die seine Gedanken offenlegen. Manche Tweets sind bereits wieder gelöscht – ein Taxifahrer aus Dubai, wo sich Karjakin mit seiner Familie aktuell aufhält, soll etwa zu ihm gesagt haben: “Russland ist gut. In ein paar Jahren werden wir enge Freunde sein. Wir sind nicht so blöd wie die Ukraine.”

Außerdem postete Karjakin Bilder, die offenbar militante ukrainische Soldaten zeigen, die mit einem Foto von Adolf Hitler posieren. Seine Worte dazu: “Seid ihr sicher, dass ihr die ukrainische Armee unterstützen wollt?”

Damit aber nicht genug, verhöhnt er all die Opfer, die der Krieg bereits hervorgebracht hat.

Nicht nur vom deutschen Großmeister Georg Meier hagelt es Kritik. Weltmeister Magnus Carlsen hat sich klar gegen den Krieg positioniert – was Karjakin nicht unkommentiert ließ.

Auch Hikaru Nakamura, der sich nach einer Auszeit vom klassischen Schach mit einem Grand-Prix-Sieg in Berlin zurückgemeldet hat, bezieht Stellung:

Karjakin und Sergey Shipov, ein zweiter russischer Schachspieler, müssen sich jetzt vor der Ethik- und Disziplinarkommission der FIDE, dem Welt-Schachverband, erklären.

Nigel Short, Vizepräsident der FIDE stellt via Twitter schon klar, dass es für Karjakin – und andere – schwierig werden könnte, an internationalen Turnieren teilzunehmen.

Ian Nepomniaschtschi, jüngster Carlsen-Gegner, ist auf Twitter anderer Meinung als Karjakin. Seine Tweets sind stets mit dem Hashtag #saynotowar versehen.

Und auch bei Schach-Legende Garri Kasparov überrascht es nicht, dass er sich klar und deutlich gegen Putin positioniert. Schon vor Jahren erklärte Kasparov, dass “Putin eine größere Gefahr ist als der Islamische Staat”. Und erklärte in seinem Buch “Winter Is Coming – Warum wir Wladimir Putin stoppen müssen” seine Sicht der Dinge.

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