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Austrias Serie reißt gegen den Verfolger

07.03.2022 • 21:38 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Trotz des 22. Saisontreffers von Haris Tabakovic strauchelte die Austria gegen Marcel Monsberger, den FAC und Schiedsrichter Florian Jäger (v. l.). <span class="copyright">Gepa/Lerch</span>
Trotz des 22. Saisontreffers von Haris Tabakovic strauchelte die Austria gegen Marcel Monsberger, den FAC und Schiedsrichter Florian Jäger (v. l.). Gepa/Lerch

Austria Lustenau muss sich dem FAC Wien mit 1:2 geschlagen geben.

Ich habe selten so eine schwache Schiedsrichterleistung gesehen wie heute“, sagte ein enttäuschter Austria-Coach Markus Mader unmittelbar nach Schlusspfiff, „am Ende war ihr Matchplan bestehend aus langen Bällen und Standardsituationen besser als unserer.“ Mader hatte damit die beiden Hauptfaktoren für die dritte Saisonniederlage benannt. Erstens hatten die Gäs­te in Lustenau fortgesetzt, was sie schon die gesamte Saison ausgezeichnet hatte: aus einer starken Defensive auf hohe Bälle zu setzen und dem Gegner die Lust aufs Fußballspielen zu nehmen. Das gelang dem FAC in Lustenau speziell in der zweiten Hälfte. Und zweitens hatten sie in Schiedsrichter Florian Jäger einen Unparteiischen, der eine harte Gangart zuließ und in den strittigen Entscheidungen gegen die Hausherren entschied.

Haris Tabakovic traf zur frühen Führung für die Grün-Weißen. <span class="copyright">GEPA/lerch</span>
Haris Tabakovic traf zur frühen Führung für die Grün-Weißen. GEPA/lerch

Der perfekte Torjäger

Das Topduell zwischen dem Ersten und dem Vierten der 2. Liga hatte einen völlig anderen Charakter als jenes zehn Tage zuvor zwischen der Austria und dem ersten Verfolger Liefering. Der FAC stellte sich in die eigene Hälfte und wollte sich ansehen, was die spielstarke Austria im eigenen Stadion aufführt. Doch die Grün-Weißen taten sich in der ersten Minuten schwer ins Spiel zu finden, auch weil die Gäste viele Angriffe mit Härte unterbanden. Der erste kleine Aufreger ereignete sich deshalb vor dem Lustenauer Gehäuse, als Joao De Oliveira nach einem langen Ball vor Domenik Schierl auftauchte, doch bereits vor dem Abschluss ertönte der Abseitspfiff des Schiedsrichters (7.).
Die Lustenauer lauerten auf Räume, die – das wusste man schon vor dem Anpfiff – sehr rar sein würden. Doch in der 12. Minute war es so weit, von Torhüter Schierl und Rechtsverteidiger Anderson landete die Kugel bei Michael Cheukoua, der bis zum Strafraum dribbelte und dann perfekt den durchbrechenden Brandon Baiye bediente. Der Belgier spielte vor Gästekeeper Lukas Gütlbauer einen Querpass und dann macht Haris Tabakovic das, was er am besten kann. Obwohl der Schweizer massiv von FAC-Verteidiger Christian Bubalovic bedrängt wurde, stocherte er den Ball über die Linie.
Die Austria übernahm jetzt völlig das Kommando über das Spiel, immer wieder angeschoben von der starken rechten Seite mit Anderson und Cheukoua. Ein erster Nackenschlag war die Verletzung von Hakim Guenouche, der rüde von Martin Rasner gefoult wurde – das Vergehen wurde vom Schiedsrichter allerdings nicht geahndet (28.). Guenoche konnte nicht weitermachen und wurde von Tobias Berger ersetzt.
Kurz darauf hätte Pius Grabher auf 2:0 stellen müssen, doch der Austria-Sechser traf aus zehn Metern nur den linken Pfosten, die Vorarbeit hatte wieder Anderson geleistet (30.). Erst unmittelbar vor dem Pausenpfiff deuteten die Gäste ihre Gefährlichkeit an, und es war – wenig überraschend – eine Standardsituation, nach der Patrick Puchegger aus kurzer Distanz übers Tor schoss (45+1.).

Brandon Bajye war überall auf dem Platz zu finden, führte extrem viele Zweikämpfe gegen die robusten Wiener und kurbelte auch das Offensivspiel an. <span class="copyright">gepa/lerch</span>
Brandon Bajye war überall auf dem Platz zu finden, führte extrem viele Zweikämpfe gegen die robusten Wiener und kurbelte auch das Offensivspiel an. gepa/lerch

Elfmeter entscheidet

Nach der Pause folgte zunächst eine Druckphase der Austria, dieses Mal war es Brandon Baiye, der per Direktabnahme am gut reagierenden FAC-Keeper Lukas Gütlbauer scheiterte (47.). Und als die Austria anschließend zehn Minuten Dampf gemacht hatte, ohne einen weiteren zählbaren Erfolg einzufahren, kippte das Spiel mit einem FAC-Konter, der gar nicht erst passieren hätte dürfen. Denn Grabher wurde zunächst offensichtlich gefoult, ehe ein durchbrechender Wiener von Anderson gestoppt wurde. Hier entschied Schiedsrichter Jäger auf Freistoß für den FAC. Gäste-Trainer Aleksandar Gitsov wechselte vor der Ausführung und Joker Marcel Monsberger traf per Kopf zum Ausgleich – völlig unverdient zu diesem Moment (57.).
Doch mit dem Gegentreffer gab es einen Bruch im Spiel der Mader-Elf, plötzlich wollte der Offensive nicht mehr viel gelingen. Dafür häuften sich die Standardsituationen in der Lustenauer Hälfte; und sie waren meist gefährlich. In der 71. Minute wurden zwei aussichtsreiche Möglichkeiten der Gäste von der heimischen Defensive abgeblockt, doch kurze Zeit später ertönte wieder ein Pfiff des Referees. Bei einem langen Freistoß gingen sowohl Wallace als auch Gegenspieler Daniel Rechberger zum Ball, der Austria-Brasilianer spielte die Kugel weit aus dem Gefahrenbereich und traf dabei auch seinen Gegenspieler. Für Jäger war dieser Zweikampf ein Elfmeter, der von Ex-Austrianer Marco Krainz sicher verwandelt wurde (78.).

Am Ende brachten die Wiener den Tabellenführer aus dem Ländle zum Straucheln. <span class="copyright">GEPA/lerch</span>
Am Ende brachten die Wiener den Tabellenführer aus dem Ländle zum Straucheln. GEPA/lerch

Ein Zweikampf um den Aufstieg

Der FAC hatte nun das, was er wollte und spielte auf Zeit. Clever verteidigten die Wiener ihre Führung und ließen nur noch einen Abschluss von Muhammed Cham aus spitzem Winkel (82.) und in letzter Sekunde einen Kopfball von Jean Hugonet (94.) zu.
Damit rückt der FAC auf Rang zwei, sieben Punkte und ein Spiel weniger als die Austria. Die Wiener haben bekanntlich um die Bundesliga-Lizenz angesucht (sie würden im Ernst-Happel-Stadion spielen) und sind damit der erste und wahrscheinlich einzige Austria-Konkurrent im Kampf um den Aufstieg.

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