Sport

Kein„Amateurfußball plus“ mehr in Dornbirn

12.06.2022 • 11:14 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Eric Orie ist als Sportdirektor für die sportlichen Geschicke des FC Dornbirns verantworltich. <span class="copyright">Hartinger</span>
Eric Orie ist als Sportdirektor für die sportlichen Geschicke des FC Dornbirns verantworltich. Hartinger

Eric Orie ist als Sportdirektor zurück beim FC Dornbirn.

In Ihrer neuen Rolle als Sportdirektor des FC Dornbirn müssen Sie eine komplett neue Mannschaft zusammenstellen. Macht das Ihre Aufgabe leichter?
Eric Orie:
Es ist reizvoll und spannend, zugleich aber auch schwierig, weil wir das kleinste Budget der Liga haben und die vergangene Saison noch mitschleppen, in der wir in allen Bereichen desolat waren.

Vor einem Jahr sind Sie noch als Trainer des FC Dornbirn in die Saison gestartet, jetzt sind Sie Sportdirektor. Wie sehr hat sich dadurch Ihre Sommerpause verändert?
Orie:
Sehr. Ich habe das beim FC Lustenau schon einmal gemacht, aber das war noch eine komplett andere Zeit. Damals war vieles schon vorgegeben, in Dornbirn ist aktuell alles neu. Wir wollen neue Wege gehen. Im Vergleich zum Trainerdasein ist es eine komplett andere – ich finde sogar schwierigere – Aufgabe, weil ich mit vielen Dingen konfrontiert bin, die ich nicht kontrollieren kann. Als Coach kann man zumindest im Training einen Plan umsetzen, als Sportdirektor hat man mit Spielern und Beratern zu tun, die eigene Pläne haben.

Dornbirn braucht aktuell zahlreiche Neuzugänge. Wie gehen Sie bei der Spielersuche vor?
Orie:
Wir haben zuerst geschaut, welche Spieler im eigenen Klub das Potenzial für die 2. Liga mitbringen. Dann schauen wir, wer in Dornbirn den Sprung schaffen könnte, dann scouten wir in Vorarlberg und anschließend in Österreich. Ausländische Spieler kommen erst danach in unseren Fokus. Die andere Hürde sind die Finanzen. Österreicher sind oft teurer als Ausländer. Nicht-EU-Ausländer sind allerdings aufgrund der gesetzlichen Vorgaben noch teurer. Unser Budget ist beschränkt, deshalb müssen wir kreativ sein. Das ist schwierig, denn unser Anspruch lautet, in der Liga zu bleiben. Im Vorjahr sind wir daran kläglich gescheitert, jetzt müssen wir es besser machen.

Welche Argumente sprechen in Verhandlungen für Dornbirn?
Orie:
Unser Enthusiasmus und der Fakt, dass Thomas Janeschitz unserer Geschichte und unserer Vision geglaubt hat. Dafür bin ich sehr dankbar und froh. Ich wollte schon im Vorjahr als Trainer junge Spieler begeistern und weiterbringen. Damals war der Verein noch nicht bereit zur Veränderung. Jetzt kann ich daran arbeiten. Erfolgsgarantie gibt es keine, aber wir werden auf jeden Fall ein komplett anderes Bild abgeben. Das ist fix. Wir werden rennen und kämpfen – auch Fehler machen, aber mit Begeisterung.

Die Philosophie fußt also auf jungen Spielern?
Orie:
Ja, das habe ich immer schon spannend gefunden, schon während meiner Zeit beim FC Lustenau. Ich habe damals Philipp Netzer und Dario Baldauf geholt und auf Harun Erbek, Kevin Dold oder den jungen Sidinei de Oliveira gesetzt. Die haben ihren Weg gemacht.

Eric Orie 2007 beim FC Lustenau. <span class="copyright">Archiv/Riethbaum</span>
Eric Orie 2007 beim FC Lustenau. Archiv/Riethbaum

Warum ist Thomas Janeschitz der richtige Trainer für Dornbirn?
Orie:
Als Hubert Domig im Mai auf mich zugekommen ist und gesagt hat, dass er gerne ein sportliches Konzept hätte, habe ich begonnen, mir Gedanken zu machen, was für ein Trainer hier funktionieren könnte. Es musste jemand sein, der mit jungen Spielern arbeiten kann und will, aber schon Erfahrung hat und Deutsch spricht. Das trifft alles auf Thomas Janeschitz zu. Und es sollte jemand sein, der das richtige Auftreten hat und kommunikationsstark ist. Denn wir müssen zur Ruhe kommen, Dornbirn kommt aus einer turbulenten Phase. Thomas kann mit meiner Unterstützung diese Ruhe hineinbringen, er hat die Stronach-Akademie geleitet, die Austria-Amateure trainiert, war Co-Trainer unter Peter Stöger und beim Nationalteam sowie beim FC Basel unter Marcel Koller. Das sind alles Argumente, die für ihn sprechen.

Eric Orie mit Neo-Trainer Thomas Janeschitz. <span class="copyright">Verein</span>
Eric Orie mit Neo-Trainer Thomas Janeschitz. Verein

Zuletzt wurde mit Björn Gasser und Markus Müller ein neues Trainerteam verpflichtet?
Orie:
Wir haben beschlossen, dass wir spezifischer arbeiten wollen, in Nürnberg hatten wir zum Beispiel sieben Trainer mit unterschiedlichen Aufgaben. Thomas hat sich mit Björn Gasser jemanden gewünscht, der stark in der Analyse ist. Und Markus Müller ist sensationell, er bringt zahlreiche neue Ansätze mit.

Ihre Rolle beim Verein ist speziell, waren Sie doch bis November Trainer. Anschließend folgte ein Abgang mit einigen Nebengeräuschen, von einer Spielerrevolte war die Rede. Beeinträchtigt die Vergangenheit Ihre jetzige Arbeit?
Orie:
Es war eine schwierige Zeit. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich gelitten habe. Es hat mich unerwartet getroffen, auch wenn wir sportlich zu wenige Punkte geholt hatten. Das war aber nicht das Thema. Es gab andere Sachen, die hervorgeholt wurden, die ich immer noch nicht nachvollziehen kann. Es war sehr enttäuschend für mich, vielleicht auch für andere. Ich habe aber inzwischen akzeptiert, was passiert ist, und gehe professionell damit um. Mit Spielern, die heute noch da sind, habe ich ein normales Verhältnis. Denn alle, die jetzt noch da sind, haben ihre Begeisterung für das neue Projekt verkündet.

Es haben auch viele Akteure den Verein verlassen. War das eine Bedingung für Ihr Engagement?
Orie:
Nein, überhaupt nicht. Viele haben ihren Abschied bereits verkündet, bevor ich dazugekommen bin. Im Verein gab es eine Struktur, die in der Vergangenheit sehr erfolgreich war, das ist unbestritten. Aber es gibt immer Phasen der Entwicklung, und solch eine Phase war in Dornbirn zu Ende. Das Modell mit einigen Halb- und einigen Jungprofis gab es bereits vor mir, ich musste mich damit arrangieren. Aber dieser „Amateurfußball plus“ hat nicht mehr funktioniert. Deshalb brauchte es eine Veränderung. Sportlich war es weder unter Stocker noch unter Akagündüz besser als unter meiner Ägide als Coach. Wir müssen jetzt moderner agieren. Ein Spieler muss bei uns aus der Komfortzone herauskommen, er darf nicht das Ziel haben, fünf Jahre in Dornbirn zu bleiben. Sollte dieser neue Weg erneut nicht funktionieren, muss sich der Klub überlegen, ob die 2. Liga die richtige für ihn ist.

Im Herbst war Orie als Trainer beim FC Dornbirn gescheitert.<span class="copyright"> Gepa/Lerch</span>
Im Herbst war Orie als Trainer beim FC Dornbirn gescheitert. Gepa/Lerch

Bei der außerordentlichen Generalversammlung im April gab es große Unzufriedenheit.
Orie:
Ich war damals noch nicht eingebunden, bin erst nach der letzten Runde dazugekommen. Jetzt merke ich nichts mehr davon. Der Rest ist Sache des Präsidiums, ich konzentriere mich voll auf das Sportliche. Auch dort gibt es genügend Kritiker, die ich überzeugen will.

Wie lauten die Ziele für die kommende Saison?
Orie:
Wir sind die einzigen in der Liga, die einen kompletten Reset durchgeführt haben. Deshalb wird es darauf ankommen, wie schnell wir ein Team werden. Das ist uns im Vorjahr nicht gelungen. Zusätzlich wird entscheidend, wie schnell sich die jungen Spieler in der 2. Liga akklimatisieren. Wir müssen uns das Vertrauen des Publikums und des Umfelds wieder erarbeiten.

In der Vergangenheit gab es eine Kooperation mit dem SCR Altach. Wie könnte eine neue Zusammenarbeit aussehen?
Orie:
Es ist noch offen, es kann ein Spieler sein, aber auch fünf. Wir könnten ein gutes Sprungbrett für einige Spieler in Altach darstellen, die Kadersituation ist ja bekannt. Es muss eine Win-win-Situation entstehen, Spieler sollen uns weiterhelfen und sich in der 2. Liga präsentieren. Ich kenne die Altacher Protagonisten schon lange, da kann man über vieles reden.

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