Sport

Serena Williams oder das unvollendete Meisterwerk

26.06.2022 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Serena Williams betritt den "Heiligen Rasen". Sieben Mal konnte sie im Tennis-Mekka gewinnen
Serena Williams betritt den “Heiligen Rasen”. Sieben Mal konnte sie im Tennis-Mekka gewinnen APA/AFP/POOL/AELTC/JED LEICESTER

Kaum eine Sportlerin polarisiert so wie die mittlerweile 40-Jährige.

War Serena Williams Herrn und Frau Österreicher höchstens als gute Tennisspielerin ein Begriff, so “erarbeitete” sich die Amerikanerin am 1. Juni 2019 ein nicht gerade vorteilhaftes Image in der Wahrnehmung der “Alpenrepublikaner”. Passiert ist es bei den French Open, wo der Superstar nach einer überraschenden Niederlage mit Unterstützung der ITF den großen Interviewraum, wo gerade Dominic Thiem eine Pressekonferenz gab, räumen ließ, um rasch ihre Abschiedsworte kundzutun. Eine Aktion, die sogar den ansonsten eher zurückhaltenden Österreicher, der wenige Tage später das Finale erreichen sollte, aus der Fasson brachte und ihn zu einem erbosten “Das ist ein Witz. Ich bin ja kein Junior mehr” hinriss.

Es ist das zweite, nicht immer so schöne Gesicht des Superstars, das hin und wieder durchblitzt. So wie etwa beim US-Open-Finale 2018, als sie dem regelkonform handelnden Schiedsrichter Sexismus vorwarf und als Dieb bezeichnete und nach der Niederlage gegen Naomi Osaka eine saftige Geldstrafe kassierte. Oder wie etwa an selber Stelle im Halbfinale 2009, als sie einer Linienrichterin nach einem “Fußfehler”-Ruf androhte, ihr “die verdammten Bälle in den Hals zu schieben”. Williams wurde disqualifiziert und Kim Clijsters zur Siegerin erklärt.

Dem gegenüber steht aber auch eine Serena Williams, die sich zeit ihrer nun bereits 27 Profijahre andauernden Karriere stets für Frauenrechte und Gleichberechtigung eingesetzt hat. Und die mit ihren sportlichen Erfolgen im Damentennis quasi alles überstrahlt. Mit einer Ausnahme: der Australierin Margaret Court, die bei 24 Grand-Slam-Trophäen und damit einer mehr als Williams hält. Titel Nummer 23 eroberte die Afroamerikanerin bereits bei den Australian Open 2017, seitdem läuft die mittlerweile 40-Jährige vergebens der 24 hinterher.

Vier weitere Male stand die 73-fache Turniersiegerin in einem Grand-Slam-Endspiel, viermal scheiterte sie. Zudem bremsten die Tennismutter (Tochter Alexis Olympia Ohanian jr. kam am 1. September 2017 zur Welt) immer wieder Erkrankungen und Verletzungen aus. So auch vergangenes Jahr in Wimbledon, als Williams in der ersten Runde aufgrund einer Oberschenkelverletzung aufgeben musste. Seitdem war der Superstar von der Bildfläche verschwunden. Viele glaubten bereits an ein Karriereende, ehe sich die mehrfache Weltsportlerin des Jahres nun rechtzeitig im Doppel-Bewerb von Eastbourne auf der Tennisbühne zurückgemeldet hat und ihr Antreten in Wimbledon (ab 27. Juni) bekannt gab.

Hatte Williams insgesamt 319 Wochen die Nummer-eins-Position inne, so ist die siebenfache Triumphatorin im Rasenmekka von London heute nur noch auf Platz 1204 zu finden. “Ich habe mir mit meiner Oberschenkelverletzung wirklich Zeit gelassen, jetzt nehme ich buchstäblich einen Tag nach dem anderen. Und ja, ich habe selbst an meiner Rückkehr gezweifelt”, diktierte das Tennisass den Journalisten in Eastbourne in ihre Aufnahmegeräte. Ob sie sich als konkurrenzfähig sehe? “Ich habe viel trainiert, und es fühlt sich definitiv gut an.”

Ob das reicht, um als erste ungesetzte Spielerin das älteste Tennisturnier der Welt gewinnen zu können, bleibt abzuwarten. Wenn es aber jemand schaffen kann, dann Powerfrau Serena Williams.

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