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Darum hat Austria Lustenau gewonnen…

25.07.2022 • 20:48 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Anthony Schmid mit einer perfekten Bundesligapremiere. <span class="copyright">Gepa/Lerch</span>
Anthony Schmid mit einer perfekten Bundesligapremiere. Gepa/Lerch

Austria Lustenau ist mit einem 2:1-Erfolg gegen die WSG Tirol in der Bundesliga angekommen. Eine Analyse.

Es war ein Fußballfest, das bei brütender Hitze am Sonntag in Lustenau angepfiffen wurde. Auf den Rängen erinnerte vieles an die alten Bundesligazeiten, als das Austria-Dorf vorarlbergweit als Party-Location bekannt war. Und auf dem Platz sorgten beide Teams von Anfang an für die knapp 4000 Fans, die in Lustenau zugelassen waren, für beste Unterhaltung. Dass die Lustenauer nach rund 100 Minuten Spielzeit (inklusive Nachspielzeit) das Feld als Gewinner verließen, hatte viel mit ihren eigenen Stärken, aber mindestens genauso viel mit der Abschlussschwäche der Tiroler zu tun.

Magisches Dreieck

Trainer Markus Mader hatte seine Elf erwartungsgemäß in jener Formation aufgestellt, die im Cupspiel erfolgreich in die zweite Halbzeit gestartet war. Zu Beginn taten sich die Grün-Weißen mit der Befreiung allerdings schwer, weil Ihre Flügelspieler Bryan Teixeira und Michael Cheukoua die aufbauenden Außenverteidigern zu wenig unterstützten.
Als sich Cheukoua einmal tiefer in die eigene Hälfte zurückfallen ließ, konnte er eine Kopfballabwehr von Pius Grabher direkt in einen Konter verwandeln. Dieser wurde von Stefano Surdanovic, Bryan Teixeira und Anthony Schmid mustergültig zu Ende gespielt. Es war die frühe Führung. Dieses Dreieck machte ohnehin Werbung in eigener Sache. Surdanovic hatte zwar viel Leerlauf, der 23-Jährige präsentierte sich aber von Anfang an als Leader, teilte seine Mitspieler ein und munterte sie auf.
Teixeira wird der Bundesliga-Fußball besser liegen als jener in der 2. Liga. Der Franzose braucht Räume, dann ist er kaum aufzuhalten – und diese wird er auf der linken Seite verstärkt bekommen. Wenn er über einen passablen Torabschluss verfügen würde, wäre er längst in der Ligue 1. Torschütze Schmid füllte die Rolle als Solospitze besser aus, als es ihm viele zugetraut hatten. Körperlich hielt der Neuzugang vom FAC gegen den Tiroler Abwehrchef Raffael Behounek clever dagegen, die beste Möglichkeit erarbeitete er sich durch einen gewonnenen Zweikampf in der zweiten Hälfte selbst, als er alleine an Ferdinand Oswald scheiterte.

Bryan Teixeira war offensiv der gefährlichste Austrianer. <span class="copyright">Gepa/Lerch</span>
Bryan Teixeira war offensiv der gefährlichste Austrianer. Gepa/Lerch

Zu tief positioniert

Doch bei starkem Sonnenschein gab es auch lange Schatten. In der Abwehr lag bei der Austria einiges im Argen. Mehrfach kam die WSG im Strafraum zum Abschluss, doch die Elf von Trainer Thomas Silberberger verfehlte meist aus eigenem Unvermögen das Tor. Kapitän Matthias Maak hatte sich einige Male zu tief im eigenen Strafraum positioniert und dadurch eine Abseitsstellung des Gegners aufgehoben. Ihm sei es in der ersten Hälfte ob der großen Hitze schwarz vor Augen geworden, sagte der Kapitän nach dem Spiel.

Tim Prica ärgerte sich über eine vergebene Chance.<span class="copyright"> Gepa/Lerch</span>
Tim Prica ärgerte sich über eine vergebene Chance. Gepa/Lerch

Kader muss sich verbreitern

Doch es traf nicht nur Maak, nach 70 Minuten war die gesamte Austria körperlich am Ende. Mehrfach mussten sich grün-weiße Akteure (sogar Torwart Domenik Schierl) aufgrund von Krämpfen behandeln lassen und von der Bank konnte Mader nur bedingt gleichwertig (Gmeiner, Rhein) nachlegen. Das laufintensive Spiel und die Hitze brachten die Austria an und über das Limit. Auf die Frage, ob seine Mannschaft überhaupt 32 solcher intensiven Spiele im Tank habe, antwortete Mader: „Es wird nicht 32 Mal so heiß sein.“ Doch es werden Gegner nach Lustenau kommen, die deutlich stärker als Tirol sind und der Austria noch mehr abverlangen. Deshalb braucht es weitere Verstärkungen, der Kader – aktuell ohne Verletzungen und Sperren – ist noch nicht groß genug für eine gesamte Bundesligasaison.
Was am Ende bleibt, ist dennoch ein perfekter Start in die zweite Bundesliga-Ära, denn mit drei Punkten und Tabellenplatz drei haben die Lustenauer bewiesen, dass sie aktuell in die Bundesliga gehören.