Sport

Enge Bande zum Angstgegner

30.07.2022 • 15:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
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Austria Lustenau spiet heute gegen den SV Ried. GEPA/Lerch

Im ersten Auswärtsspiel der Saison will Aufsteiger Austria Lustenau gegen die SV Ried dort weitermachen, wo er gegen Tirol aufgehört hat.

Die Euphorie bei Austria Lustenau war nach dem Auftakterfolg gegen die WSG Tirol riesengroß. Doch allmählich sickerte die Erkenntnis bei den Grün-Weißen ins Bewusstsein, dass eine Leistung wie gegen Tirol für einen Großteil der Bundesligakonkurrenten zu wenig sein könnte. „Nach genauer Betrachtung des Spiels haben wir ­festgestellt, dass es noch einige Baustellen gibt. Vor allem in der Defensive haben wir zu viele Torchancen zugelassen. Das muss besser werden. Ich bin aber optimistisch, dass die Mannschaft schnell dazulernt“, sagte Trainer Markus Mader.

Seine Erkenntnisse aus dem Videostudium lassen sich auch mit Zahlen belegen. Kein Team hat am ersten Spieltag mehr Schüsse abgegeben als Tirol (21), keines kam auch nur annähernd zu so vielen Abschlüssen im Strafraum des Gegners (19) und trotzdem flogen nur fünf – darunter der Elfmeter – auf den Lustenauer Kasten. Zum Vergleich; Salzburg hatte beim 3:0-Auftakterfolg insgesamt zwei Abschlüsse weniger als Tirol und verbuchte gleich fünf Versuchte weniger innerhalb des ­Strafraums als die Silberberger-Elf, die an ihrer eigenen Abschlussschwäche scheiterte. „Wenn man das Spiel realistisch betrachtet, dann weiß Lusten­au bis heute nicht, wie sie das Spiel gewonnen haben“, legte WSG-Abwehrchef Raffael Behounek gestern nach.

Neo-Austrianer Anthony Schmid (oberes Bild) und Ex-Lustenauer Julian Wießmeier treffen heute aufeinander.<span class="copyright"> HAUMER/APA</span>
Neo-Austrianer Anthony Schmid (oberes Bild) und Ex-Lustenauer Julian Wießmeier treffen heute aufeinander. HAUMER/APA

Chancen

Den Gegenpol bildete dagegen Austria Lustenau. Mit nur neun Schüssen in 90 Minuten hatten sie am ersten Spieltag die wenigsten Torversuche aller Bundesligateams, allerdings fanden gleich sechs den Weg aufs Tor und zwei landeten in den Maschen; was für eine Effizienz!
Ähnliche Probleme wie die Tiroler hatte zum Saisonauftakt auch die SV Ried. Beim Auswärtsspiel gegen Rapid Wien dominierten die Innviertler den Rekordmeister über weite Strecken, verpassten es allerdings, in Führung zu gehen und kassierte folgerichtig in der „Rapid-Viertelstunde“ den einzigen Treffer der Partie.

Im Probetraining. Die Grün-Schwarzen aus Oberöster­reich und die Grün-Weißen aus Lustenau verbinden zahlreiche Geschichten und Personalia. Die Kontrahenten trafen im Cupfinale 2011 aufeinander und spielten im Anschluss acht Mal in der 2. Liga gegeneinander. Kein einziges Mal hieß dabei der Sieger Austria Lustenau, der letzte Sieg der Lustenauer gegen Ried gelang im Jahr 2004. Allerdings gab es in den vergangenen Saisonen zahlreiche Wechsel zwischen den beiden Teams – vorwiegend von West nach Ost.
Aktuell stehen mit Julian Wießmeier und Seifedin Chabbi zwei Ex-Austrianer im Kader der Rieder, dazu hat Leo Mikic eine Vergangenheit beim FC Lustenau. Der Kroate absolvierte im Sommer 2019 außerdem ein Probetraining bei der Austria, sein Weg führte aber zunächst nach Kapfenberg.
Wießmeier spielt bereits seit vier Jahren bei den Riedern. Nach seiner erfolgreichen Zeit bei der Austria – 2016 wurde er als Torschützenkönig und bester Spieler der Liga ausgezeichnet – hat sich der Deutsche in Ried zum rechten Außenbahnspieler entwickelt.

Wer spielt rechts?

Den entgegengesetzten Weg schlug Anthony Schmid ein. Beim FAC hatte der in Frankreich aufgewachsene Österreicher noch alle offensiven Positionen eingenommen, aber nie als Solo­spitze begonnen. Bei der Austria ist genau dies seine Rolle. Und diese füllte er gegen Tirol fast perfekt aus. Körperlich setzte sich der 1,83 Meter große ­Schmid auch gegen deutlich stärkere Gegner durch, sein Zweikampfverhalten war sehr clever. „Es war unglaublich: erstes Spiel, erstes Tor und erster Sieg“, resümierte ­Schmid. Gegen Ried wird auf den 23-Jährigen eine ähnliche Aufgabe zukommen, immerhin kennt er die beiden Ried-Verteidiger Tin Plavotic und David Ungar noch gut aus der gemeinsamen Zeit beim FAC Wien.
In der Austria-Aufstellung wird sich nicht viel verändern. Alle Angeschlagenen haben sich fit gemeldet. Einzig auf der rechten Außenbahn könnte Michael Cheukoua – der gegen Tirol defensiv nachlässig agierte – wieder der defensiveren Lösung mit Fabian Gmeiner Platz machen.

Neuzugang Lukas Fridrikas wird aller Voraussicht nach in den Spieltagskader rutschen. Der Angreifer eröffnet Trainer Mader neue Möglichkeiten. Denn Fridrikas bringt ähnlich viel Schnelligkeit wie Jan Stefanon mit, technisch ist der ehemalige Dornbirn-Knipser allerdings deutlich stärker. „Er hat bewiesen, dass er die Qualität für die Bundesliga hat. Er ist eine super Ergänzung zu unserem bisherigen Kader“, ist sich Mader sicher.

2. Runde heute um 17 Uhr gegen SV Ried

Public Viewing im Reichshofstadion

Mit rund vier Stunden Fahrzeit zählt das Auswärtsspiel der Lustenauer in Ried zu den kürzeren Auswärtsfahrten. Die Mannschaft wird ohnehin zu fast allen Spielen per Bus anreisen, Flüge sind dem Verein zu teuer, außerdem wird der Flughafen Altenrhein am Wochenende nicht bedient. Der Umweg über Zürich oder Innsbruck brächte dadurch nicht genügend Zeitersparnis, dass sich die Mehrkosten rentieren.
Für die daheimgebliebenen Fans gibt es allerdings die Möglichkeit, das heutige Auswärtsspiel per Live­übertragung im Glashaus des Reichshofstadions mit Gleichgesinnten zu verfolgen.