Sport

Mader-Elf bereit für ein Spiel der Extreme

27.08.2022 • 12:53 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Gegen die Salzburger ist heute der Einsatz gefordert, den hier Stefano Surdanovic gegen den Hartberger Orkan Aydin zeigt.<span class="copyright"> GEPA/Lerch</span>
Gegen die Salzburger ist heute der Einsatz gefordert, den hier Stefano Surdanovic gegen den Hartberger Orkan Aydin zeigt. GEPA/Lerch

Austria Lustenau empfängt heute um 17 Uhr den Serienmeister FC Salzburg. Tabellarisch ist es ein Spitzenspiel, auf dem Papier ein Duell von David gegen Goliath und in der Wahrnehmung der Lustenauer ist es eine Chance, Mut zu beweisen.

Es heißt, einen Abgrund kann man nur mit einem Sprung überwinden. Was bedeuten soll, dass man nur eine Chance hat, eine Herausforderung mutig und entschlossen anzugehen. Misslingt der Versuch, stürzt man – um bei dem Bild zu bleiben – in den Abgrund. Markus Mader und seine Mannen stehen heute vor der größten Herausforderung, die der österreichische Fußball zu bieten hat: Austria Lustenau empfängt Serienmeister Salzburg.

Mader-Plan

Die Grün-Weißen könnten schon vor dem Spielbeginn kapitulieren und davon sprechen, dass man hofft, die Niederlage in Grenzen zu halten. Jeder hätte Verständnis dafür, wenn die Lustenauer heute als Aufsteiger eine Abwehrschlacht liefern würden. Doch Mader denkt gar nicht daran. Weil seine Mannschaft gut in Schuss ist, weil Euphorie herrscht und weil er für sich eine einfache Formel ausgemacht hat: Seine Mannschaft lernt nichts aus einem Aufeinandertreffen mit Salzburg, wenn man selbst nur reagiert, sich nur am Strafraum verbarrikadiert und plötzlich nicht mehr Austria Lustenau, sondern nur noch ein sportliches Opfer der Salzburger ist.

Nein, der 54-jährige Austria-Trainer hat sich sehr wohl was überlegt. Er will grundsätzlich schon auch ein offensives Spiel seiner Elf sehen. Immerhin trennen die drittplatzierten Austrianer und die zweitplatzierten Bullen nur zwei Punkte. Tabellarisch ist das heute also ein Spitzenspiel im Reichshofstadion, auch wenn die beiden Vereine natürlich Welten trennen. Aber das ist im Sport oft so. „Ich habe bei Salzburg das ein oder andere gesehen“, erklärt Mader und betont vielsagend: „Wir haben einen Plan.“ Dabei schwingt mit, dass er selbst gespannt ist, ob seine Mannschaft die Qualität und den Glauben hat, diesen Plan umzusetzen. Seine Grenzen lernt man eben nur kennen, wenn man bereit ist, sich auf Extreme einzulassen. Die Lustenauer haben Alt­ach mit einem hohen Pressing überrascht, jetzt will man die Salzburger zumindest fordern und dabei die Zuschauer mitnehmen: der Kartenvorverkauf für das heutige Spiel läuft gut.
Klar ist: Die Stärke der Lustenauer ist das Spiel nach vorne. Ihre neun erzielten Tore sind der dritthöchste Ligawert, nur der LASK und just Salzburg haben öfter getroffen. Die Grün-Weißen haben über außen viel Geschwindigkeit und sind mit sieben verschiedenen Torschützen so unausrechenbar wie kein anderes Bundesliga-Team; denn auf so viele unterschiedliche Torschützen wie die Grün-Weißen kommt kein anderes Team.

Die Erfolgsfrage

Austrias Unterschiedsspieler ist freilich Teixeira, der mit zwei Toren und fünf Vorlagen zusammen mit Marin Ljubicic die meisten Torbeteiligungen ligaweit hat. Aber Teixeira, der über links kommt, ist eben mehr der Vorbereiter denn der Vollstrecker, auch wenn der Brasilianer vor einer Woche beim Derby den Siegtreffer erzielt hat. Teixeira ist der Spielmacher auf dem Flügel, das macht ihn so wertvoll. Mit Rechtsaußen Anderson bildet Teixeira eine Flügelzange, die durchaus auch Salzburg vor Probleme stellen kann.

Denn so gut Mozartstädter auch sind, was sie in der Champions League bald gegen Chelsea, Milan und Zagreb unter Beweis stellen werden: Eine gewisse Chance hat man immer – und so überragend ist aktuell die Form der Bullen auch nicht. Bei den Heimsiegen gegen Klagenfurt (2:0) und Wolfsberg (2:1) sowie beim mühevollen 2:0-Auswärtssieg in Hartberg waren die Salzburger weit weniger dominant als gewohnt. Der Salzburger Formaufbau ist eben auf die Champions League ausgerichtet. Was zur Frage führt, was heute ein Erfolg für die Lustenauer wäre? Um gegen den Meister zu punkten, muss wirklich alles für die Grün-Weißen laufen. Ganz ausgeschlossen ist das nicht.

Ins Risiko gehen

Ja, ein Fingerzeig ist heute, wie Mader in der Offensive plant. Zuletzt war Offensivallrounder Lukas Fridrikas als Joker sehr wertvoll für die Austria, weil er neuen Schwung ins Spiel gebracht hat. Gegen Salzburg könnte es durchaus eine Option für Mader sein, den Spielwitz von Fridrikas von Anfang an in die Waagschale zu werfen, entweder hinter der Spitze oder sogar in vorderster Front, womöglich sogar neben Teixeira als Halbspitze über links.

Denn in der zweiten Halbzeit kann es für einen Umschwung schon viel zu spät sein, oder aber, das Spiel hat sich gut entwickelt und es braucht eher gegen den Ball eine Lösung. Anthony Schmid könnte bei einem für die Grün-Weißen erfreulichen Zwischenstand als hart arbeitender Stürmer in die Partie kommen. Aber das ist nur eine von mehreren Möglichkeiten. Mader kann aus dem Vollen schöpfen, das Selbstbewusstsein ist groß, Druck hat man ob der zehn Punkte und des Gegners sowieso keinen.

Und so können die Austrianer heute ins Risiko gehen. Wahrscheinlich endet das mit einer Niederlage. Vielleicht auch mit einer deutlichen. Aber wenn die Lustenauer Mut beweisen und ihre Momente gegen Salzburg haben, kann das durchaus auch ein Erfolg sein.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.