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Das ist der neue Real-Shooting-Star

19.10.2022 • 09:55 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
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AFP / Thomas Coex

Er ist in Spanien in aller Munde: Federico Valverde. Erst am Wochenende schoss er seine Mannschaft im spanischen Klassiker zum Sieg. Auch bei der WM will er punkten.

Na, an wen denken Sie, wenn sie an die uruguayische Nationalmannschaft denken? Fällt Ihnen sofort ein Spieler ein? Federico Valverde könnte einer dieser Namen sein. Er ist der neue Shooting-Star von Real Madrid. Erst am Montag hat Toni Kroos, angeblich einstiges Vorbild von Fede Valverde, getwittert, er sei nun in den Top drei der besten Spieler der Welt – kein Wunder, nachdem der Uruguayer am vergangenen Wochenende schon wieder das Leder im Netz versenkt hat.


Es scheint als wäre er der Mann für die wichtigen Aktionen bei Real. Mit Siegtreffern bringt er regelmäßig seine Mannschaft zum Strahlen. Fede steht einfach da, wo ein Törjäger stehen muss, wenn es heiß hergeht im Strafraum. Eine Qualität, die den anderen Teams auch bei der WM gefährlich werden könnte, wenn er die richtigen Zuspiele bekommt.

Ein zartes Kind

„El Pajarito“ – der kleine Vogel – wurde Valverde früher und in manchen Zeitungen auch heute noch genannt. Der Name stammt aus seiner Jugendzeit bei Peñarol. Der ehemalige Trainer Uruguays, Óscar Washington Tabárez, erzählte in einem Interview, er habe Valverde als er 13 Jahre alt war auf dem Campus seines damaligen Klubs besucht.

„Er war extrem schüchtern (…), klein, mager“ – eben wie ein kleiner Vogel, der seine ersten Flugversuche macht. Das ist nun passé. Hätte man dem damals dreizehn Jahre alten Jungen gesagt, er würde einmal zur Schlüsselfigur bei Real Madrid werden – er hätte sicher nur davon zu träumen gewagt. Heute wird er statt „Pajarito“ immer wieder „Halcón“ genannt. Der kleine Vogel ist zu einem Falken gereift.

Standing im National-Team

Das ist der neue Real-Shooting-Star
Valverde ist mittlerweile Stammspieler Uruguays.AFP / Vladimir Simicek

Für den Trainer der Urus, Diego Alonso, ist Valverde ein unumstrittener Stammspieler. Sein Platz in der National-Elf ist ihm so sicher, wie der Pokal dem WM-Sieger. Er ist bekannt für seinen hammerharten Schuss. Erst vor kurzem traf er in einem Spiel mit Uruguay gegen den Iran aus 30 Metern Entfernung so hart die Latte, dass hinterher ganz Social Media über den 24-Jährigen sprach. Packt er so einen Kracher auch in den ­WM-Spielen aus, könnte das Netz der Gegner ordentlich wackeln.

Er will den Pokal

In der spanischen Liga wurde der Mittelfeldspieler als bester Spieler des Monats ausgezeichnet. Bei der Weltmeisterschaft möchte er nun auch nach ganz vorne blicken.

Mein Wunsch ist es, den goldenen Pokal nach Uruguay zu holen.

Federico Valverde im Interview mit einer Redaktion aus seiner Heimat Montevideo

Auch auf einer Pressekonferenz wiederholte er seine Vision:

Zusammen mit meinen Mannschaftskameraden und dem Trainerstab wollen wir es mehr als jeder andere. Ich habe die Champions League gewonnen, aber die Weltmeisterschaft ist mir wichtiger als alles andere. Es ist schwierig, dass eine andere Nationalmannschaft den gleichen Willen hat wie wir, unser Ziel zu erreichen, und hoffentlich wird die Weltmeisterschaft in PedidosYa [offizieller Ausstatter Uruguays, Anm. d. Red.] stattfinden.

Federico Valverde auf einer Pressekonferenz

Er ist fokussiert. Das merkt man sowohl in Aussagen wie diesen, als auch im Rückblick auf seine Karriere. Die zwei wichtigsten Säulen für seinen Erfolg sind für ihn eindeutig: Ernährung und Coaching. Er selbst sagt von sich, ein Spieler zu sein, der sich gerne selbst unter Druck setzt. Ohne die Hilfe seiner Coaches, die ihm halfen, den Druck zu kontrollieren, wäre er womöglich daran zerbrochen und kein Profi geworden. Das weiß und betont der Real-Spieler immer wieder.

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So schnell wie Sprinter bei Olympia

Valverde ist ein wahrer Athlet. Das bestätigt ein Blick ins UEFA Champions League Datencenter. Pro Spiel läuft er rund zehn Kilometer. Dabei erreicht er Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 36,3 Stundenkilometern. Zum Vergleich: Der Italiener Lamont Marcell Jacobs sprintete in 9,8 Sekunden über 100 Meter zu Olympia-Gold, das entspricht umgerechnet 36,7 Stundenkilometer. Klar: Valverde hält die Geschwindigkeit nicht über 100 Meter, seine Leistung ist im Fußball trotzdem überdurchschnittlich.

Doch das war nicht immer so. Klar, er hatte auch im Alter von 10 Jahren, als er von seinem Scout entdeckte wurde, schon eine gute Koordination, eine herausragende Technik, Spielintelligenz und alles, was es braucht um Spitzenfußballer zu werden.

Laufen war nicht immer seins

Nur eine Sache wollte der kleine Federico nicht: Laufen! Er wollte ein Spielmacher sein und gute Zuspiele liefern – nicht selbst die Tore schießen. Mit dieser Einstellung kam er nicht weit und musste seine Lektion auf die harte Tour lernen: Er flog aus dem Kader bei Peñarol. Zwei Spiele schmollte Valverde auf der Bank, wie sein damaliger Trainer Chueco Perdomo der FIFA erzählte. Dann entschloss sich „El Pájarito“ in den sauren Apfel zu beißen, ging zu Perdomo und sagte ihm, er habe seine Lektion gelernt.

Das ist der neue Real-Shooting-Star
In einem seiner ersten Länderspiele schoss er sofort ein Tor. Reuters / Mario Valdez

Seit diesem Tag verließ er seine Position im Zentrum nicht mehr. Im Alter von 15 Jahren war ein Wechsel in die Profi-Mannschaft dann unumgänglich – sein Potenzial: einfach zu groß.

Ab diesem Moment ging es im Raketenflug bergauf: Ein Jahr Profi-Fußball in Peñarol, Gewinner eines lokalen Titels, mit 16 der Wechsel zu Real Madrid, im Anschluss der Silberne Ball bei der U20-WM 2017, ein kurzes Gastspiel bei Deportivo La Coruña im Rahmen einer Ausleihe, Debüt im Nationalteam Uruguays, Rückkehr zu Real Madrid und fortan nicht mehr aus dem Kader der „Königlichen“ wegzudenken.

Sein Werdegang beschreibt ganz offensichtlich auch seine Mentalität: „Er will immer gewinnen“, meint Perdomo. Womöglich fasst die FIFA ganz ­richtig zusammen: „Er ist einer der wichtigsten Spieler der Celeste.“

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