Sport

Sehnsucht nach Message Control

26.11.2022 • 21:22 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Bei der Klose-Vorstellung kam dem SCRA die Medienberichterstattung sehr gelegen. <span class="copyright">Hartinger</span>
Bei der Klose-Vorstellung kam dem SCRA die Medienberichterstattung sehr gelegen. Hartinger

ESSAY. Die NEUE hat am Donnerstag ein Interview mit Altach-Trainer Miroslav Klose geführt, das heute erscheinen sollte. Auf Verlangen des Vereins legte die Redaktion nach wortgetreuer Gesprächsabschrift dem SCRA das Interview zur Freigabe vor. Die Altacher bewerteten die gestellten Fragen als zu kritisch und verweigerten die Freigabe des gesamten Interviews.

Hände falten, Goschen halten. Diese gehorsame Bittstellerrolle erträumt sich so mancher Entscheidungsträger für die Medienschaffenden. Denn wer die Medien kontrolliert, erlangt auch eine gewisse Kontrolle über die Öffentlichkeit. So lässt sich ausblenden, was nicht sein darf, so lässt sich Stimmung machen, so lässt sich das Bild einer heilen Welt erzeugen.

Umgemünzt auf den Sport heißt das: Die Medien haben über Aktionen und Events zu berichten, die Sponsoren ins rechte Licht zu rücken, die neuen Ticketaktionen zu kommunizieren und die großartigen sportlichen Leistungen zu würdigen. Wenn die Leistungen nicht so großartig sind und man das schon erwähnen muss, soll man dabei aber immer optimistisch bleiben, schließlich könnte sich das andernfalls auf die Stimmung im und um den Verein auswirken. Oft ertönt dann der Appell, dass man doch zusammenhalten müsse. Fruchtet der Appell nicht, wird das Klima eisig.


Es klingt immer so weit weg, wenn es heißt, dass Medienvertreter beeinflusst und unter Druck gesetzt werden. Wenn es schon nicht nur irgendwo in fremden Ländern passiert, dann aber zumindest nur im fernen Wien auf der politischen Bühne. Aber doch nicht in Vorarl-berg und schon gar nicht in der Sportszene, wo doch alles so sauber abläuft. Doch der Traum von Message Control ist weit verbreitet, wie das aktuelle Beispiel des von Cashpoint SCR Altach verweigerten Klose-Interviews aufzeigt. Ein völlig harmloses Interview eigentlich. Doch beim SCRA hätten es die Bosse lieber gesehen, wenn wir Klose Fragen über den neuen Sportdirektor gestellt hätten; und nicht darüber, ob sich Klose mehr Investitionen in den Kader wünschen würde. Und auch die leidigen Fragen zum verlorenen Derby passten nicht in die heile Altacher Welt.


An dieser Stelle sei erwähnt, dass die NEUE den Altachern angeboten hat, dass ihr neuer Sportchef Georg Festetics in einer Kolumne seine Vorstellungen erläutern kann. Schließlich durfte in der Vorwoche im Rahmen der Rückschau auf die Herbstrunde von Austria Lusten­au nicht nur Markus Mader im Interview seine Sichtweise darlegen. Mit Bernd Bösch bekam auch Austrias Vorstandssprecher die Möglichkeit, in einer Kolumne ein Update zum Stadionbau geben. Die Altacher lehnten das Kolumnenangebot ab.


Doch was hat es nun mit Interview-Freigaben auf sich, die, um beim Sport zu bleiben, manche Vereine oder Sportler vor der Veröffentlichung verlangen? Ein rechtlicher Anspruch hat der Interviewte auf Autorisierung nicht, dennoch kann es, je nach Interviewpartner, gängige Praxis sein, dass ein Interview zur Freigabe vorab übermittelt wird. Altach zum Beispiel verlangt jedes Interview zur Freigabe – als Bedingung für einen Gesprächstermin. Bei Autorisierungen läuft man als Redaktion Gefahr, dass es weitreichende Abänderungen zu den eigentlich getroffenen Aussagen gibt, deshalb sind solche Autorisierungswünsche der Interviewten nicht sonderlich beliebt in Redaktionen. Bei TV-Liveinterviews gibt es ja auch keinen Weg zurück mehr.


Der deutsche Journalistenverband empfiehlt den Redaktionen: Autorisierungen hätten „der sachlichen Korrektheit, der Sinnwahrung und sprachlichen Klarheit“ zu dienen. Und weiter: „Änderungen müssen sich darauf beschränken.“ Ein Interview zur Gänze zurückzuziehen, obwohl keine inkorrekte Wiedergabe der Aussagen vorliegt, ist eine massive Grenzüberschreitung und eine Beschneidung der Pressefreiheit. Altach hat zu keiner Zeit die korrekte Widergabe der Klose-Aussagen infrage gestellt. Wie auch, der SCRA-Pressesprecher war sogar während des Interviews anwesend.


Der SCRA hat der NEUE-Redaktion einen weiteren Interview-Termin mit Klose in Aussicht gestellt, sofern dann die Fragen positiver wären. Es wäre bequemer gewesen, das Angebot anzunehmen, als den transparenten Weg zu wählen, diese in ihrer Tendenz nicht neue Altacher Medienpolitik öffentlich zu machen. Aber dann wären wir Teil des Spiels geworden. Sollte es seitens der Altacher doch noch eine Freigabe des Interviews geben, ohne die Antworten sinnentfremdend zu verändern oder gar Fragen zu streichen, wird das Interview kommenden Sonntag sehr gerne veröffentlicht.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.