Sport

Pioneers mit Schmerzen in die Saison

15.09.2023 • 05:50 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Auf David Madlener und Co. wartet ein schwieriger Saisonauftakt. <span class="copyright">GEPA</span>
Auf David Madlener und Co. wartet ein schwieriger Saisonauftakt. GEPA

Heute beginnt die neue Saison in der ICE Hockey League. Die Pioneers Vorarlberg gastieren ab 19.45 Uhr bei Pustertal.

Die Pioneers sind bereit, sich mit den besten Eishockeymannschaften Österreichs zu messen, wie die Feldkircher in ihrer Spielvorschau auf das heutige Auswärtsspiel in Südtirol beim HC Pustertal wissen lassen. Eine freilich etwas seltsame Formulierung, bei fünf nicht österreichischen Ligagegnern. Doch zumindest bezogen auf die heutige Partie könnte für diesen Fauxpas auch unterschwellig der Respekt vor dem Gegner eine Rolle gespielt haben: Ob die Pioneers schon bereit für so einen starken Gegner wie die Pustertaler sind, ist zweifelhaft. Denn während die Südtiroler im Sommer enorm aufgerüstet haben und für viele ein Kandidat für die Top Sechs sind, verlief auch die Vorbereitung auf die zweite ICE-Saison turbulent bei den Pioneers.

Turbulenzen

Am 15. Juni berichtete die NEUE exklusiv, dass der Eishockeystandort Feldkirch ins Visier der Steuerfahnder gerückt ist. Der dringende Tatverdacht: Bei der VEU Feldkirch soll es in den Spielzeiten 2019/20 und 2020/21 zu systematischen Abgabenhinterziehungen gekommen sein. Das Problem für die im Mai 2022 gegründeten Pioneers Vorarlberg ist dabei, dass die einstigen Drahtzieher bei der VEU auch die Macher bei den Pioneers sind: Christian Groß ist heute bei den Pioneers wie damals bei der VEU Geschäftsführer, Michael Lampert ist zwar nicht mehr Geschäftsführer wie zu VEU-Zeiten, jetzt aber Sportdirektor, und Pit Gleim ist auch bei den Pioneers der Präsident. Eine strikte Abgrenzung zu der VEU-Steuercausa, so wie sie es bei den Pioneers gerne hätten, ist auch deshalb nicht möglich, weil die Feldkircher die VEU Feldkirch Event GmbH vor einem Jahr einfach nur in Pioneers Betriebs GmbH umbe­nannt haben. Die Steueruntersuchungen jedenfalls sorgten im Sommer für massive Turbulenzen in Feldkirch, die im Herbst zur Wiedervorlage kommen dürften, wenn das Ergebnis der Untersuchungen bekannt wird.

Michael Lampert und Christian Groß haben bange Monate vor sich. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Michael Lampert und Christian Groß haben bange Monate vor sich. Klaus Hartinger

Arbeitsgenehmigungen
Eine andere Turbulenz aus dem Sommer fällt schon heute beim Spiel in Bruneck ins Gewicht: dass die Arbeitsgenehmigungen für die fünf Pioneers-Import-Spieler aus Übersee erst gegen Ende der Vorbereitung eintrafen. Die Kanadier Clayton Kirichenko, Cedric Lacroix und Steven Owre bekamen erst am 25. August und damit am Ende der dritten Trainingswoche die Arbeitserlaubnis. Bis dahin durfte das Trio – sagen wir mal, eigentlich – noch nicht mal mit der Mannschaft trainieren. Die Arbeitserlaubnisse für die russisch-stämmigen Amerikaner Michael und Nick Pastujov sind gar erst vor ein paar Tagen eingetroffen, wobei Michael Pastujov mit einer Verletzung in Feldkirch ankam und bis auf Weiteres ausfällt. Das heißt also: Die Pioneers gehen nicht eingespielt in die Saison. Nicht hilfreich war auch, dass Stammgoalie Alex Caffi praktisch die gesamte Vorbereitung verletzt ausfiel und erst seit einigen Tagen wieder voll belastbar ist. Caffi steht heute zwar im Kader, im Tor wird aber nahezu sicher David Madlener beginnen, hinter dem eine durchwachsene Vorbereitung liegt.

Pioneers-Stammgoalie Alex Caffi, hier neben Masseur Martin Resch, war fast während der gesamten Vorbereitung zum Zusehen verdammt. <span class="copyright">Steurer</span>
Pioneers-Stammgoalie Alex Caffi, hier neben Masseur Martin Resch, war fast während der gesamten Vorbereitung zum Zusehen verdammt. Steurer

Systemwechsel

Vier der sechs Vorbereitungsspiele haben die Pioneers verloren. Die Niederlagen an sich sind dabei eine Sache, dass man in den Testspielen zwei bis fünf allerdings 22 Gegentore schlucken musste, zeigt doch deutlich auf, wie wacklig die Mannschaft ist – zumal man diese 22 Tore gegen Zweitligisten aus Deutschland und der Schweiz kassierte. Die Gründe für diese Gegentorflut führen zur Spielphilosophie des Neo-Headcoach Dylan Stanley, der bis 2022 bei der VEU auf Torejagd war und in der Vorsaison bei den Pioneers Trainerfuchs Marc Habscheid assistierte: Stanley setzt auf Forechecking und auf ein deutlich offensiveres Hockey als Habscheid. Das verspricht ein ansehnlicheres Spiel als in der Vorsaison, als der ästhetische Wert der Pioneers-Spiele gegen null ging, weil Habscheid ob des nicht ligatauglichen Kaders keine Alternative zum destruktiven Hockey hatte. Mit der Defensivtaktik verlieh Habscheid den Pioneers eine Kompaktheit, die so manchen Spieler im Kollektiv gut aussehen ließ.

Pioneers-Headcoach Dylan Stanley muss sein Team in die Balance bringen. <span class="copyright">Steurer</span>
Pioneers-Headcoach Dylan Stanley muss sein Team in die Balance bringen. Steurer

Im Jänner ist es zu spät
Die spannende Frage ist daher, wie ein Christian Bull oder Ivan Korecky mit einer hohen Verteidigung zurechtkommen. Nach der 5:6-Testspielniederlage gegen Thurgau betonte Stanley: „Wir haben von Anfang an gesagt, dass ein langer und schmerzhafter Weg vor uns liegt. Mir ist es lieber, dass wir im September mit Frustration umgehen müssen, als im Jänner oder Februar.“ Das Problem dabei ist der Modus. Da es auch in dieser Saison keine Zwischenrunde mehr gibt, ist mit Ende des Grunddurchgangs für drei Teams die Spielzeit zu Ende. Das heißt, es bleibt keine Zeit, im Herbst eine Mannschaft zu entwickeln. Die Top Sechs qualifizieren sich direkt für die Play-offs, die Teams auf den Plätzen sieben bis zehn spielen im Best-of-Three-Modus die restlichen beiden Viertelfinalplätze aus. 2022/23 waren für Platz zehn 56 Punkte nötig. Ein Wert, der für eine kleine Organisation wie die Pioneers, die im Laufe einer Saison kaum nachlegen können, nur mit einem gelungenen Start möglich ist. Zumal es erfahrungsgemäß im September und Oktober einfacher ist, den Top-Teams Punkte abzuknöpfen, als nach der Länderspielpause im November, weil dann die Großen zumeist ins Rollen kommen. Die Punkte, die man in den ersten Wochen nicht holt, holt man als Underdog für gewöhnlich in der heißen Saisonphase mit dem hohen Spielrhythmus nicht mehr auf.

Während der Vorbereitung lief bei den Pioneers, hier im schwarz-roten Trikot, nur sehr wenig zusammen. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Während der Vorbereitung lief bei den Pioneers, hier im schwarz-roten Trikot, nur sehr wenig zusammen. Dietmar Stiplovsek

Außenseiter

Für heute heißt das alles, dass ein ganz schwieriger Auftakt auf die Pioneers wartet. Pustertal hat gleich fünf Verstärkungen aus der DEL an Land gezogen, mit Jason Akeson einen Flügelstürmer, der auf 47 Scorer bei 19 Toren und 28 Assists kam. Und auch der in Österreich bestens bekannte Rick Schofield kommt mit der Empfehlung von 13 Toren und 13 Assists zurück in die ICE-Liga. Alles andere als eine Pioneers-Niederlage nach 60 Minuten wäre eine Überraschung, nun gilt es für Macierzynski und Co., das Beste aus der Außenseiterrolle zu machen.