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Welche Länder Corona besonders im Griff hat

22.09.2020 • 10:49 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Angst vor einem erneuten Lockdown geht um
Die Angst vor einem erneuten Lockdown geht um AP

Steigende Infektionszahlen bringen striktere Maßnahmen.

„Alarmierend!“ So bezeichnete die WHO die jüngst stark angestiegenen Infektionszahlen. Mehrere europäische Länder, darunter Österreich, verschärften deswegen ihre Regeln zur Eindämmung der Pandemie. In Israel, Teilen von Asien, den USA, Südamerika oder Australien wurden bereits partielle Quarantänemaßnahmen verhängt. In Europa versucht man diese noch weitgehend zu vermeiden. Ein Überblick, welche Länder Corona besonders im Griff hat.

Spanien

In Teilen der spanischen Hauptstadt Madrid sind am Montag neue strenge Corona-Beschränkungen in Kraft getreten. Die Maßnahmen gelten für zwei Wochen und betreffen rund 850.000 Menschen in überwiegend ärmeren Stadtteilen. Die Einwohner dürfen die Bezirke nicht mehr verlassen. Ausnahmen gelten nur für den Weg zur Arbeit, zum Arzt und um Kinder zur Schule zu bringen. Da die Maßnahmen vor allem dicht besiedelte und einkommensschwache Viertel betreffen, war zu heftigen Protesten gekommen.

Großbritannien

Bereits jetzt zählt Großbritannien mit 41.777 Verstorbenen die meisten Corona-Todesfälle in Europa und die fünftmeisten weltweit. Täglich kommen mindestens 6000 hinzu, wie aus Daten hervorgeht. Die Krankenhauseinweisungen verdoppeln sich alle acht Tage. Nun droht nach Einschätzung von Experten ein rapider Anstieg der Corona-Todeszahlen, wenn das Land nicht umgehend gegensteuert. Für mehrere Gegenden wurden bereits striktere Maßnahmen angeordnet. Etwa für Wales, wo heute knapp ein Drittel der Bevölkerung sich nur noch eingeschränkt bewegen darf. Auch die schottische Regierung stimmte ihre Landsleute bereits auf Einschränkungen ein. Am Dienstag will sich Premierminister Boris Johnson an die Briten wenden. Die Regierung erwägt striktere Vorkehrungen, ein Lockdown soll vermieden werden.

Israel

In Israel gilt seit Freitagnachmittag ein dreiwöchiger Lockdown. Die Bevölkerung muss sich unter anderem mit geschlossenen Schulen und Kindergärten sowie mit Einschränkungen der Bewegungsfreiheit arrangieren. Die Menschen dürfen sich nur in Ausnahmefällen weiter als 1000 Meter von ihrem Zuhause entfernen. Die israelische Polizei hat in den ersten Lockdown-Tagen Tausende Verstöße gegen die neuen Corona-Restriktionen geahndet.

Tschechien

Ein politisches Beben lösten die stark steigenden Zahlen in Tschechien aus. Der tschechische Gesundheitsminister Adam Vojtech hat wegen den dramatisch steigenden Corona-Neuinfektionen am Montag seinen Rücktritt angekündigt. Zuvor wurde er für sein Krisenmanagement immer wieder kritisiert. Laut EU-Gesundheitsagentur ECDC liegt Tschechien innerhalb der EU bei der Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner im 14 Tage-Schnitt an zweiter Stelle hinter Spanien. Auch Regierungschef Andrej Babis gerät dadurch zunehmend unter Druck.

Italien und Neuseeland: Gegen den Trend

Während große Teile der Welt die Maßnahmen verschärfen, hebt Neuseeland seine weitgehend auf. Einschränkungen gelten seit gestern nur noch in der größten Stadt Auckland, wie Premierministerin Jacinda Ardern ankündigte. In allen anderen Landesteilen gilt ab sofort wieder die niedrigste Stufe 1 des vierstufigen Corona-Notfallplans. Großveranstaltungen können wieder stattfinden, wie etwa ein Rugby-Spiel gegen Australien im Oktober. Die Grenzen bleiben aber geschlossen. Neuseeland hatte die Pandemie zunächst gut unter Kontrolle bekommen und nach einem strikten Lockdown von Ende bis Mitte Mai mehr als hundert Tage lang keine Neuinfektionen mehr registriert. Mitte August trat dann plötzlich ein neuer Infektionsherd in Auckland auf.

Auch in Italien sinkt seit Tagen die Zahl der Neuinfizierten. Die italienischen Gesundheitsbehörden haben auch gestern eine sinkende Zahl von Coronavirus-Ansteckungen verzeichnet. 1350 neue Fälle wurden bei über 55.000 Tests in 24 Stunden von Sonntag auf Montag registriert, am Vortag waren es 1587 gewesen.

Eine Öffnung gibt es auch in Irland: Nach mehr als sechsmonatiger Schließung wegen der Corona-Pandemie sind die meisten Pubs seit gestern nun wieder geöffnet.

In Schweden ist die Zahl der wöchentlichen Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner seit Sommerbeginn rückläufig.