Wirtschaft

„Land darf nicht wieder zum Stillstand kommen“

23.10.2020 • 11:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wolfgang Eder passierte so wie alle 150 Teilnehmer der Millstätter Wirtschaftsgespräche einen Corona-Schnelltest negativ
Wolfgang Eder passierte so wie alle 150 Teilnehmer der Millstätter Wirtschaftsgespräche einen Corona-Schnelltest negativ Markus Traussnig

Wolfgang Eder warnt vor einem zweiten generellen Lockdown.

Europa macht in der Corona-Bewältigung kein einiges Bild. Ihre Zustandsanalyse?
WOLFGANG EDER: Die Coronakrise ist eine enorme Belastung, emotional wie wirtschaftlich. Wenn wir in der Wirtschaft nicht bald Licht am Ende des Tunnels sehen, dann werden sich die sozialen Konflikte häufen.

Bei einem zweiten Lockdown würde es statt Kurzarbeit wohl nur Kündigungen geben?
Eder: Daran will ich gar nicht denken, wie eine Situation mit doppelt so viel Arbeitslosen aussehen kann. Ein genereller Lockdown muss jedenfalls verhindert werden. Möglicherweise wird es so, wie es in Kuchl geschieht, lokal nicht anders gehen. Aber auf keinen Fall darf das ganze Land wieder zum Stillstand kommen.

Die EU hat enorme Hilfen aufgestellt, die aber von Ländern noch zu wenig abgerufen sind.
Eder: Da geht es um Dimensionen, die noch nie jemand erlebt hat, und es gibt bei der Administration des Themas in Europa und auch in Österreich regional unterschiedliche Geschwindigkeiten.

Sehen Sie in Österreich die anfängliche Stimmung, man habe es relativ gut bewältigt, kippen?
Eder: Niemand hat das jemals üben können, alles in allem hat es die Regierung nicht schlecht gemacht. Allerdings hätte man hin und wieder die Menschen weniger dramatisch aufrütteln sollen. Da können die Menschen zu zweifeln beginnen.

Wie kann Europa nach Corona im Rennen mit USA und China als Wissenskontinent in Forschung und Innovation bestehen?
Eder: Europa hat einen Aufholprozess gestartet. Im Bloomberg- Forschungsindex war die letzten Jahre Südkorea an der Spitze, im Vorjahr war es erstmals ein europäisches Land, nämlich Deutschland. Die Frage ist, ob es gelingt, den Rückstand zu Silicon Valley, Singapur und Katar aufzuholen.

Muss Europa einen politischen Führungsanspruch nicht auch stärker stellen?
Eder: Das ist das Grunddilemma Europas. Die Väter der EU wollten ein Friedensprojekt mit stärkerer wirtschaftlicher Integration. Das haben wir geschafft, aber es traut sich niemand den nächsten Schritt zu tun, die politische Integration. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat gesagt, Europa muss Macht noch lernen, ich hoffe, sie lebt das auch.