Politik

Impfungen: Jeder kann, (fast) keiner muss

26.11.2020 • 09:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Mit den Älteren beginnt es, im Mai sollen mehr als 50 Prozent der Bevölkerung geimpft sein
Mit den Älteren beginnt es, im Mai sollen mehr als 50 Prozent der Bevölkerung geimpft sein APA/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Regierung verspricht, dass es ausreichend Impfstoff für alle gibt.

Impfstoffe sind im Moment die Hoffnungsträger in der Pandemie. Viel schneller als das selbst die Optimisten unter den Experten erwartet haben, kommen gleich mehrere Impfstoffe auf den Markt. Im Ministerrat beschließt die Regierung heute ihre Impfstrategie. Bis zum Sommer sollen alle geimpft werden, die es wollen.

Die drängendsten Fragen und Antworten vorab:

1. Ab wann wird ein Impfstoff zur Verfügung stehen?

Möglicherweise wird der erste Impfstoff noch vor Weihnachten zugelassen, eher aber kurz danach. Aus heutiger Sicht geht man davon aus, dass es mit den Impfungen im Jänner losgehen kann.

2. Wer wird als erstes geimpft werden?

In den Alten- und Pflegeheimen wird begonnen, weil es hier die meisten Toten gab. Menschen ab 65 und das Pflegepersonal wird als erstes geimpft. Gleichzeitig kommen Hochrisikogruppen mit definierten Vorerkrankungen dran, sowie das Pflege- und Gesundheitspersonal in den Spitälern. Auch auf Ordinationen, Rettungsorganisationen und soziale Dienste geht man gleich in dieser ersten Phase, im Jänner und im Februar, zu.

3. Warum können sich nicht gleich alle, die das möchten, impfen lassen?

Zum einen, weil man die besonders gefährdeten Personen als erstes immunisieren möchte, und nicht gleich alle Impfdosen auf einmal zur Verfügung stehen werden. Zum anderen deshalb, weil der erste Impfstoff, der vermutlich zur Verfügung steht, der RNA-Impfstoff von Biontech, bei minus 80 Grad gelagert werden muss. Der Pharmagroßhandel, auf den man dabei angewiesen ist, kann das nur an acht zentralen Standorten gewährleisten.

4. Kann dieser Impfstoff dann überhaupt transportiert werden?

Nur eingeschränkt.

5. Wer kommt nach den Älteren und dem Pflegepersonal dran?

In Phase 2, ab März, wird auch von den niedergelassenen Ärzten geimpft werden. Hier wird man wiederum einen Schwerpunkt auf Ältere, insbesondere auf Personen, die gepflegt werden müssen, sowie auf die Personen, die sie betreuen, legen, außerdem auf Personen mit „Systemrisiko“, also Beschäftigte in Polizei Justiz, Bildungswesen und Kindergärten.

6. Und wann gibt es dann die Impfung für jedermann?

Ab Phase 3, im April. Im Mai könnten alle durchgeimpft sein, die das wollen, man hofft auf eine Rate von mehr als 50 Prozent.

7. Wird es eine Impfpflicht geben?

Die Politik sagt Nein. Möglicherweise entsteht aber ein Druck dadurch, dass bestimmte Aktivitäten Menschen vorbehalten sind, die sich impfen haben lassen. Die europäischen Fluglinien stellen solche Absichten noch in Abrede, aber die australische Quantas hat bereits angekündigt, dass sie auf Interkontinentalflügen nur noch geimpfte Personen befördern will, sobald ein Impfstoff zur Verfügung steht. China schlug beim G20-Gipfel vor, global QR-Codes einzuführen, über die Gesundheitszertifikate schnell abgefragt werden können, um „den geordneten Personenverkehr zu erleichtern“.

8. Kann mich mein Arbeitgeber zu einer Impfung verpflichten?

Grundsätzlich nein. Bei einem Bewerbungsgespräch kann Sie der Arbeitgeber in einem sensiblen Bereich allerdings fragen, ob Sie geimpft sind, etwa wenn es ein Spitalserhalter ist. Und wenn Sie schon in diesem Spital arbeiten und die Impfung verweigern, können Sie versetzt werden.

9. Werden alle mit dem gleichen Impfstoff geimpft werden?

Nein. Es werden unterschiedliche Produkte zur Anwendung kommen. Die Verteilung wird europaweit organisiert, einer der zwei Chefs der Steuerungskommission ist ein Österreicher, Clemens Auer, Sonderbeauftragter des Gesundheitsministeriums.