Österreich

„Neuinfektionen müssen unter 2000“

10.12.2020 • 13:23 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Zur Lage auf Österreichs Intensivstationen
Zur Lage auf Österreichs Intensivstationen AFP

Anschober: Trend bei Zahlen und Sieben-Tage-Inzidenz stimmt.

Bei Reproduktionszahl und Sieben-Tage-Inzidenz, bei diesen Corona-Werten stimme der Trend. Diese Bilanz hat Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bei einer Pressekonferenz am Donnerstag gezogen. Aber beim wichtigsten Ziel, der Zahl der Intensivpatienten in Österreichs Krankenhäusern, bestehe „die Schwere und Intensität der Aufgabe“ weiterhin. 585 Intensivbetten sind aktuell belegt, in den kommenden „wichtigsten vier Wochen in der Pandemie“ sollen es unter 300 sein.

Ab Jänner könne es dann „schrittweise besser werden“, sagte der Minister unter Hinweis auf den baldigen Beginn der Impfungen gegen Corona. Am vierten Tag des gelockerten Lockdowns gab es in Österreich 2.686 Neuinfektionen bei 3.850 neugenesenen Infizierten, 107 weitere Tote und insgesamt 3.780 Hospitalisierungen. Mit einer aktuellen Reproduktionszahl von 0,82, also deutlich unter der kritischen Eins, wurde ein weiteres Ziel erreicht, so Anschober: „Die Siebentages-Inzidenz liegt bei 229, hat sich also deutlich halbiert“, aber liege ebenso deutlich über dem Wert von Deutschland: „Wir brauchen einen Einser vorne“, definierte der Minister daher ein weiteres Ziel.

Zahlen könnten wieder explodieren

Das Risiko, dass diese Zahlen „wieder explodieren“, besteht nach wie vor, warnte Anschober – eine solche Trendumkehr müsse verhindert werden, die Regierung würde in diesem Fall sofort eingreifen. Die absolute Katastrophe wäre eine harte Triage gewesen, sagte Klaus Markstaller, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (ÖGARI): „Wir haben befürchtet, dass so eine Situation auch in Österreich eintreten kann“, aktuell finde man bei abnehmenden Zahlen nun die allerschwersten Fälle. Das sind laut Markstaller Patienten, bei denen sich die Situation auch nach ein bis zwei Wochen Intensivbehandlung nicht verbessert. Im Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH) seien das jüngere Patienten: Bei einem Durchschnittsalter von 55 Jahren gebe es neben über 70-Jährigen auch Patienten in einem Alter von Ende 20 bis Anfang 30: „Menschen, die keine wesentlichen Vorerkrankungen hatten“, beschrieb der ÖGARI-Präsident deren Lage.

Dies Welle werde vorübergehen, doch das Gesundheitspersonal sei inzwischen tatsächlich schwer belastet, und dies werde so bleiben, etwa durch die verschobenen Operationen, die nachgeholt werden müssen – es sei eine Belastung, die noch Wochen und Monate anhalten wird. „Wir haben mehrere Impfungen in Aussicht, und das wird die Lösung sein“, glaubt Markstaller. Bis dahin bleibt auch die Lage in der Klinik für Lungenheilkunde am Kepler Universitätsklinikum Linz angespannt, informierte Vorstand Bernd Lamprecht per Videozuschaltung: Mitarbeiter gingen weiterhin an ihre Grenzen, „dieser Zustand kann nicht über viele Monate aufrechterhalten werden“, warnte Lamprecht. Die Überbrückung dieser Lage könne nur gelingen, wenn die Infektionszahlen moderat bleiben. Jeder Einzelne könne dafür einen persönlichen Beitrag leisten, neben dem Abstandhalten auch durch Schnelltests, so der Hinweis des Mediziners, an den laufenden Massentests teilzunehmen.

Eine weitere, dritte Welle wäre nicht zu verkraften, prognostizierte Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich (GÖG), „abgesehen von der personellen Belastung auch von den Kapazitäten her nicht“. Dies würde nicht nur eine „Konkurrenz“ zu den herkömmlichen Patienten, sondern auch mit jenen der zweiten Welle bedeuten. Länder, die nach Eindämmung der zweiten Welle wieder steigende Zahlen haben, gibt es: Ostermann nannte die Slowakei, die Schweiz und die Niederlande. Positiv ist jedoch seine Prognose für die kommenden Tage, was Österreich betrifft: Bis knapp vor Weihnachten, zum 22. Dezember hin, geht er von einer Anzahl der Intensivpatienten von unter 400 aus – bei einer Bandbreite von 300 bis 450. Die Prognose nimmt eine Entwicklung an, in der die täglichen Neuinfektionen auf 1.600 bis 1.700 Fälle sinken.

Zahl der Infektionen in Österreich sinkt weiter

Am vierten Tag nach der Lockerungen der strengen Corona-Maßnahmen in Österreich ist die Zahl der Neuinfektionen binnen 24 Stunden von 2.932 auf 2.686 weiter gesunken. Hospitalisiert waren mit stand 9.30 Uhr 3.780 Personen (minus 1,9 Prozent), davon 585 in Intensivpflege, was einem Rückgang von 4,1 Prozent entspricht.

107 Covid-Tote sind innerhalb von 24 Stunden bis Donnerstag (Stand 9.30 Uhr) gemeldet worden, das sind um zwei mehr als am Mittwoch. Damit starben in Österreich bisher 4.163 Personen an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus. Das geht aus den täglichen Zahlen von Innen- und Gesundheitsministerium hervor.

Bisher gab es in Österreich 313.688 positive Testergebnisse. 269.665 Menschen sind wieder genesen. Damit sind mit Stand Donnerstag 39.860 Personen diesen Angaben zufolge noch „aktive Fälle“. Die Neuinfektionen nach Bundesländern: Burgenland: 45, Kärnten: 207, Niederösterreich: 380, Oberösterreich: 445, Salzburg: 249, Steiermark: 322, Tirol: 225, Vorarlberg: 149 und Wien: 664.

Der Wochenschnitt liegt mit 2.894 Fällen erstmals unter der 3.000-Marke. Bei den Genesenen gab es innerhalb von 24 Stunden einen Anstieg von 3.850 Fällen. 27.915 Testergebnisse wurden in den vergangenen 24 Stunden eingemeldet.

Die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Toten beträgt derzeit 7,0 – das heißt, dass in der vergangenen Woche pro 100.000 Einwohner sieben Menschen an den Folgen einer Infektion gestorben sind. Deutlich am höchsten ist dieser Wert weiterhin in Kärnten, hier beträgt die Sieben-Tage-Inzidenz der Todesfälle 16,4. Österreichweit wurden in den vergangenen sieben Tagen in Summe 625 Tote gemeldet.

Die Sieben-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen sank weiter, sie betrug am Donnerstag 227,6. Das bedeutet, dass sich in der vergangenen Woche pro 100.000 Einwohner 227,6 Personen infiziert haben. Die 14-Tage-Inzidenz betrug 535,3.

Feiertage

Für kommende Woche kündigte der Gesundheitsminister neue „Rahmenbedingungen für die Feiertage“ an, die fixiert und per Verordnung verankert würden. Mit Deutschland, das sich mit einem Lockdown schützen will, sei Österreichs Situation jedenfalls nicht zu vergleichen.