Wirtschaft

Experten: „Stunden ist nicht Schenken“

19.01.2021 • 13:58 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Symbolbild Markus Traussnig

Mit Hilfszahlungen und Stundungen wurden Firmen unterstützt.

Mit den Worten „da brechen ja gerade Existenzen zusammen“, brachte ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian die Lage mancher Unternehmen und Arbeitnehmer auf den Punkt und forderte Maßnahmen, die „die Wirtschaft nicht ganz ruinieren“.

Der Ausfallsbonus in Höhe von bis zu 30 Prozent wird von Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer als „wichtiger und notwendige Schritt“ gesehen. Doch viele Branchen fordern weitere Hilfen und Kreditschützer warnen vor einer bevorstehenden Pleitewelle. Ein kritisches Datum: 31. März 2021.

Mit diesem Tag laufen die Stundungen von Finanzamt und Krankenkassen aus. 58.500 Firmen haben bei der ÖGK um Stundung angesucht. Insgesamt geht es um Rückstände in Höhe von 1,2 Milliarden Euro, die mit Ende März fällig werden. In der SVS wurden 167 Millionen Euro gestundet. Ab Mitte Februar werden die Betroffenen über den Zahlungsrückstand informiert. Auch wenn Ratenzahlungen bei ÖGK und SVS möglich sind, fordern die Neos nun eine Verlängerung der Maßnahme. Aus dem Finanzministerium heißt es; „Wir passen die Maßnahmen ständig an. Das betrifft auch die Stundungen. Gespräche sind derzeit am Laufen.“

Doppelbelastung droht

Kreditschützer sehen das allerdings zum Teil kritisch. „Ein Verlängern der Stundungen beseitigt die aktuellen Probleme nicht. Stunden bedeutet ja nicht Schenken“, erinnert Rene Jonke vom KSV1870. „Auch wenn ein Unternehmen die Rückstände in Raten abzahlt, müssen ja auch die aktuellen Beiträge bezahlt werden.“ Firmen in Notlagen würden dann ihre letzten Reserven verbrauchen, sodass im Insolvenzfall keine Mittel mehr für eine Sanierung übrig sind. „Dann bleibt nur die Schließung.“ Jonke sieht daher in einer Insolvenz mit Sanierung die bessere Lösung. Das könne das Unternehmen und auch Arbeitsplätze retten.

Denn der Verlust des Jobs kann auch Private in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Ein schneller Anstieg bei Privatpleiten sei aber unwahrscheinlich, sagt Jonke. Ähnlich sieht es Christof Lösch von der Schuldnerberatung. „Die Nachfrage nach Beratung ist derzeit in etwa so hoch wie vor einem Jahr – vor der Krise.“ Ein Grund: „Menschen, die privat überschuldet sind, tragen diese Probleme oft sehr lange mit sich her.“ Die größte Hürde sei, sich selbst einzugestehen, dass man ein Problem hat. Privatinsolvenzen, die ihre Wurzel in der Coronakrise haben, würden daher erst im Lauf der kommenden Jahre zunehmen.