International

AstraZeneca versteckte 29 Millionen Dosen

24.03.2021 • 13:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
AstraZeneca versteckte 29 Millionen Dosen

Inspektoren fanden Dutzende Millionen in Versteck bei Rom.

Kurz vor dem Beschluss der Europäischen Kommission, die Ausfuhr von Covid-19-Impfstoffen an Länder mit höheren Impfquoten und an Länder, die selber nichts exportieren, zu untersagen, sorgt der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca für einen Knalleffekt: Unzählige Impfstoff-Dosen wurden demnach an einem Standort der Firma Catalent in der Kleinstadt Anagni 30 Kilometer südlich von Rom gefunden, wo sie vermutlich versteckt worden waren.

Staatliche italienische Inspektoren staunten nicht schlecht: Sie entdeckten 29 Millionen Impfdosen, die der Konzern bisher geheim gehalten hatte. Die Vakzine sollten offenbar illegal nach Großbritannien exportiert werden. Die Kontrollen wurden aufgrund einer Meldung der EU-Kommission in die Wege geleitet, wie die italienische Tageszeitung “La Stampa” (Mittwochausgabe) und zuvor der französische Radiosender “Europe 1” berichteten.

Catalent befüllt im Auftrag des britisch-schwedischen Impfstoffherstellers AstraZeneca Ampullen mit dem Anti-Covid-Impfstoff. Laut dem Blatt habe EU-Kommissar Thierry Breton die Durchsuchung angefordert, nachdem AstraZeneca der Lieferung der mit der EU vereinbarten Impfstoff-Mengen im ersten Quartal nicht nachgekommen war. Von 100 Millionen Impfdosen wurden bisher nur rund 30 Millionen an EU-Länder ausgeliefert. Die EU-Kommission fordert nun eine Erklärung von dem britisch-schwedischen Pharmakonzern. In Brüssel wurde der Zeitungsbericht bestätigt.

Anfang März hatte Rom eine Lieferung mit 250.000 Impfdosen des Herstellers AstraZeneca an Australien gestoppt, die in Italien produziert worden waren. Der italienische Regierungschef Mario Draghi hatte die EU-Kommission zu hartem Durchgreifen gegen Pharmakonzernen aufgerufen, die ihren Verpflichtungen mit der EU zur Lieferung von Vakzinen nicht nachkommen.

Die EU bringt indes einen Ausfuhrstopp der EU für den Corona-Impfstoff von AstraZeneca auf den Weg: “Wir werden handeln”, sagte die Generaldirektorin der Gesundheitsabteilung der EU-Kommission, Sandra Gallina, am Dienstag bei einer Anhörung im EU-Parlament. Das Unternehmen habe dem Ansehen der EU durch sein vertragswidriges Vorgehen “enorm” geschadet.