Österreich

Burnout-Risiko gestiegen

20.04.2021 • 11:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Burnout-Risiko gestiegen

Die Burnout-Gefährdung nimmt zu. Das liegt nur bedingt an Corona.

Er kann nicht mehr, sagte Rudolf Anschober und legte sein Amt als Gesundheitsminister zurück. Die Krise hinterlässt nach einem Jahr tiefe Spuren.

Aber wie belastet sind die Österreicher wirklich? Die arbeitspsychologische Unternehmensberatung „research team Graz“ hat im Februar mit 1600 Österreichern eine repräsentative Umfrage („Arbeitsweltbefragung 2021“) gemacht – allerdings ohne selbstständige Personen, die coronabedingt Geschäfte schließen mussten, oder jene, die ihren Job durch die Krise schon verloren haben. „Wir sind verblüfft, dass die Ergebnisse nicht schlimmer waren. Viele haben sich mit dem Homeoffice arrangiert und sich neue Strukturen geschaffen“, sagt Arbeitspsychologe Paul Jimenez von „research team“.

Beratungen zugenommen

Trotzdem ist die Situation ernst. So meint Margit Schuß von der Arbeiterkammer Steiermark: „Die psychosozialen Beratungen sind bei uns 2020 gestiegen wie noch nie.“ Laut der Befragung der Beratungsfirma ist auch die Burnout-Risikogruppe größer geworden: 2021 liegt sie bei acht Prozent, 2018 waren es noch 5,8 Prozent. „Die Pandemie spielt zwar eine Rolle, weil die Abgrenzung zu Hause schwerer fällt, aber vielmehr ist die Arbeitswelt insgesamt schnelllebiger und fordernder geworden“, erklärt Jimenez.

Burnout-Risiko gestiegen
Arbeitspsychologe Paul JimenezSonstiges

Burnout ist ein schleichender Prozess

Um präventiv gegenzuwirken, empfiehlt Erich Hotter von der Arge Burnout: „Achten Sie auf Ihr Innenleben und Ihre Selbstgespräche. Wir Menschen sind auf Schwierigkeiten gepolt und müssten öfter unseren Fokus hin zum Positiven ändern.“ Denn: Burnout kommt nicht über Nacht, es sei ein schleichender Prozess, der sich über Monate zieht. „Irgendwann hat man keine Energie mehr. Man will etwas ändern, aber es geht nicht. Man ist überfordert, frustriert, antriebslos und enttäuscht.“

Das kann ich tun:

Wichtig sei daher der Ausgleich: Sport machen, meditieren, eine distanzierte Sicht auf Dinge entwickeln. „Es ist eine schwere Zeit, das darf man nicht leugnen. Umso mehr müssen wir auf unser seelisches Wohlergehen achten“, so Hotter. Jimenez ergänzt: „Man muss sich selbst gegenüber sensibler sein und überlegen: Muss ich diese Aufgabe wirklich heute noch machen? Sind es zu viele Aufgaben? Wie kann man alles besser aufteilen? Und Abgrenzung ist wichtig.“ Burnout könne jeden treffen, Frauen sind laut dem Arbeitspsychologen aber gefährdeter für Perfektionismus: „Sie sind oft selbstkritischer. Wenn dann noch andere Faktoren hinzukommen, kann das sehr belastend sein.“ Insgesamt gilt in der Arbeitswelt immer: Mitarbeiter müssen sich geschätzt fühlen.

Die Rolle von Führungskräften

„Unsere Befragung zeigt, dass Führungskräfte in der Krise positiver wahrgenommen werden“, sagt Jimenez. Sie bemühen sich laut der Befragung stärker und nehmen ihre Aufgabe vermehrt wahr. Die Mitarbeiter erleben wiederum, dass die Führungskräfte wichtiger sind. „Das ist gut. Denn es braucht Unterstützung und Wertschätzung von oben. Nur Drohungen zu erleben, das kann niemand gut wegstecken“, so Jimenez.

Burnout

Es ist ein Zustand körperlicher und emotionaler Erschöpfung, ein „ausgebrannt sein“. Mögliche Folgen sind Panikattacken oder Depressionen. Die Ursachen können privat und/oder beruflich sein. Der Druck wird zu groß, Unterstützung fehlt, Leistungsanforderungen steigen ständig (von außen und an sich selbst), der Stress ist nicht mehr bewältigbar.

Experten raten: Abgrenzen lernen (z. B. keine Mails am Sonntag), Aufgaben abgeben, weniger harte Selbstkritik, Auszeiten nehmen. Für Führungskräfte gilt: Nachfragen, wenn die Qualität der Leistungen eines Mitarbeiters abnimmt, und Wertschätzung üben.