Kultur

Festspiele hoffen auf volle Tribüne

28.04.2021 • 21:34 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Regisseur Philipp Stölzl bei der Programmpräsentation. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Regisseur Philipp Stölzl bei der Programmpräsentation. Dietmar Stiplovsek

Das Programm der Saison 2021 wurde präsentiert.

So ganz vor den Vorhang traut sich der „Rigoletto“-Kopf noch nicht, doch schaut das Clowngesicht bereits neugierig dahinter hervor: Mit diesem Sujet wurden am Mittwoch Medienvertreter auf der Werkstattbühne begrüßt, wo das Programm der diesjährigen Bregenzer Festspiele Thema war – aber auch Fragen zur Durchführung und zu den Präventionsmaßnahmen aufkamen. Der „Rigoletto“-Kopf tut auch gut daran Vorsicht walten zu lassen, sind doch die Festspiele noch nicht zu 100 Prozent in trockenen Tüchern. Trotz Zuversicht und Optimismus warten die Verantwortlichen noch die nächste Verkündung der Corona-Maßnahmen für den Sommer ab. Mitte Mai sollte der Bund über die kommenden Verordnungen informieren, meinte Michael Diem, der kaufmännische Direktor der Festspiele. Die Hoffnung auf weitere Öffnungsschritte ist groß.

Getestet, geimpft, genesen

Derzeit dürfen im Außenbereich bis zu 3000 Personen einer Veranstaltung beiwohnen – bei der rund 7000 Plätze fassenden See-Tribüne ist das weniger als die halbe Kapazität. Sollte es auch im Sommer bei dieser Beschränkung bleiben, werde aber dennoch „Rigoletto“ gespielt, wie Diem auf Nachfrage versicherte. Die Verantwortlichen hoffen naturgemäß auf eine Erhöhung der maximalen Besucherzahl, im besten Fall werde vor vollen Tribünen gespielt. Zuversichtlich stimmt unter anderem der Fortschritt beim Impfen der Bevölkerung, sowie die Tendenz in Richtung Reisefreiheit innerhalb Europas. Kernstück des Festspiel-Sicherheitskonzepts ist, dass ausschließlich Getesteten, Geimpften oder Genesenen der Eintritt zu den Festspielen gewährt wird. In Kombination mit den Sicherheitsmaßnahmen wie Abstand und FFP2-Maske sei dies mit Blick auf wissenschaftliche Studien ein äußerst sicheres Konzept, hieß es. Was den „Grünen Pass“ betrifft, so richte man sich nach den kommenden Regelungen.

Optimistisch: Elisabeth Sobotka. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Optimistisch: Elisabeth Sobotka. Dietmar Stiplovsek

Der Kartenverkauf zeigt, dass auch die Zuschauer optimistisch sind: Von den 225.000 aufgelegten Tickets sind bereits 170.000 gebucht, 110.000 davon sind verkauft. Sollten etwaige Beschränkungen eine Neuauflage erzwingen, würden Partner und Frühbucher zuerst zum Zug kommen, so der kaufmännische Direktor. Was die finanzielle Situation der Festspiele betrifft, so sei man „mit einem blauen Auge“ davongekommen, meinte Festspiel-Präsident Hans-Peter Metzler. Neben Kurzarbeit, Förderungen und der Unterstützung von Partnern und Publikum habe auch die weitgehende Verschiebung des Programms geholfen durch die ­Corona-Krise zu kommen, erklärte Diem.

Michael Diem. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Michael Diem. Dietmar Stiplovsek

Intendantin Elisabeth Sobotka berichtete über das Programm und die Herausforderungen aus künstlerischer Sicht. So wurde gerade das „Rigoletto“-Bühnenbild aus dem Winterschlaf geholt, auch der Fesselballon sei schon getes­tet worden. Große Änderungen an der Inszenierung werde es keine geben, wie Regisseur Philipp Stölzl meinte. Vielmehr gehe es darum, einige Stellen noch zu „schleifen“. Die teilweise Neubesetzung werde aber schon die eine oder andere Rolle in einem neuen Licht zeigen, so ist heuer etwa Stacey Alleaume die Erstbesetzung der Gilda. „Jeder Sänger wird sein Eigenleben mitbringen“, sagte Sobotka – und so wird es auch bei der neuen musikalischen Leiterin auf dem See, Julia Jones, sein. Sehr glücklich sei die Intendantin darüber, dass sich die Britin auf die speziellen Bedingungen auf der Seebühne einlassen würde.

Neue Zusammenhänge

Dass durch historische Stoffe heutige Themen in neue Zusammenhänge gestellt werden können, sei eine der großen Leistungen der Kunst, meint Sobotka. Auch die Oper „Nero“ besitze diese Eigenschaft. Viele Themen, wie die Frage von Religion und Macht, sowie die Selbstinszenierung als Künstler habe Arrigo Boito in das Libretto gepackt. Dem Regisseur Olivier Tambosi würde der Stoff bereits „unter den Nägeln brennen“, so die Intendantin. Neben den Jubiläums-Programmpunkten (siehe links) wartet auf das Publikum unter anderem die Uraufführung von „Upload“ von Michel van der Aa, der in dieser interdisziplinären Filmoper der Frage des Menschseins in einer digitalen Form nachgeht.

Derzeit ist die Tribüne noch leer. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Derzeit ist die Tribüne noch leer. Dietmar Stiplovsek

Mit einer weiteren Uraufführung wird „Wind“ von Alexander Moosbrugger Premiere feiern – den nächsten Einblick ins Opernatelier gibt es am 3. Mai im Kunsthaus Bregenz. Im Opernstudio wird sich Regisseurin Brigitte Fassbaender Rossinis „Italienerin in Algier“ widmen. Und im Rahmen der Orchesterkonzerte stellt sich SOV-Dirigent Leo McFall dem Festspielpublikum vor – mit der neuesten, dritten Symphonie von Thomas Larcher.

Besonderes zum 75-Jahr-Jubiläum

Im Sommer 1946 fanden die ersten damaligen „Bregenzer Festwochen“ statt. Gegründet wurden sie von einer Bürgerschaft, die in schwierigen Zeiten „nach vorne Blicken wollte“, sagte gestern Festspiel-Präsident Hans-Peter Metzler. Ein roter Faden bis heute stelle das Streben nach hoher Qualität dar. Treue Begleiter von Beginn an sind die Wiener Symphoniker. Zum Jubiläum gibt es zwei Konzerte mit dem Orchester. In einer halbszenischen Fassung kommt am 1. August Wagners „Rheingold“ zur Aufführung, das auch auf den Bodensee verweist. Der neue Symphoniker-Chefdirigent Andrés Orozco-Estrada wird zudem am 26. Juli Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ dirigieren, das mit dem Bregenzer Festspielchor, dem Kornmarktchor und weiteren Sängern aus der Region zur Aufführung gebracht wird. Der israelische Dirigent Omer Meir Wellber wiederum präsentiert zum Jubiläum zwei Werke, die im Gründungsjahr uraufgeführt wurden: Charles Ives’ Miniatur „The Unanswered Question“ sowie Richard Strauss’ Konzert für Oboe und Orchester.

Andrés Orozco-Estrada. <span class="copyright">APA</span>
Andrés Orozco-Estrada. APA

Wer genau ins Programmheft blickt, werde weitere Besonderheiten entdecken, meinte Intendantin Elisabeth Sobotka. So gibt es etwa erstmals eine Zusammenarbeit mit dem Theater Kosmos, zu sehen ist Bernhard Studlars Stück „Lohn der Nacht“.

Bregenzer Festspiele

Bregenzer Festspiele. 21. Juli bis 22. August. Termine, Karten und Infos gibt es unter www.bregenzerfestspiele.com.

Restkarten für den Einblick ins Opernatelier am Montag, den 3. Mai um 18 Uhr gibt es beim Kunsthaus Bregenz unter Tel. 05574/4076.