Vorarlberg

NS-Wiederbetätigung mit 14 Jahren

23.06.2021 • 19:50 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Geldstrafe für Jugendlichen, der per Whatsapp 53 Sticker mit NS-Inhalten verschickt hat.

Der damalige Gymnasiast aus dem Bezirk Bludenz war erst 14 Jahre alt, als er nach den gerichtlichen Feststellungen zwischen 2019 und 2020 nicht weniger als 112 Verbrechen nach dem Verbotsgesetz begangen hat. Denn der nunmehrige Lehrling hat nach Ansicht aller acht Geschworenen mit dem angeklagten 112-fachen Weiterversenden von 53 Stickern mit geschmacklosen Anspielungen auf das Dritte Reich per Whatsapp nationalsozialistische Wiederbetätigung begangen.

Dafür wurde der nun 16 Jahre alte Angeklagte am Mittwoch in einem Geschworenenprozess am Landesgericht Feldkirch zu einer Zusatzstrafe von 1200 Euro (300 Tagessätze zu je 4 Euro) verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Die mögliche Höchststrafe für den Jugendlichen wäre fünf Jahre Gefängnis gewesen. Die Geldstrafe entspricht fünf Monaten Haft. Die Richter hatten bei der Strafbemessung darauf Rücksicht zu nehmen, dass über den Angeklagten am Landesgericht schon wegen Einbruchsdiebstahls und schwerer Sachbeschädigung eine Geldstrafe verhängt worden ist.

Nicht mehr lustig

Er finde die verschickten Bildchen inzwischen nicht mehr lustig, sagte der 16-Jährige vor Gericht. Er distanziere sich von den Gräueltaten des Nationalsozialismus, die darin verharmlost wurden. Ihm sei nicht bewusst gewesen, dass damit NS-Opfer lächerlich gemacht wurden. Zudem habe er nicht gewusst, dass er mit dem Versenden der Bilder und Texte auf Whatsapp gegen das Verbotsgesetz verstoßen habe. Verteidigerin Andrea Concin wies darauf hin, dass ihr Mandant schon mit 13 derartige Bilder zugeschickt bekommen habe. Damals habe er in der Schule noch nichts über den Zweiten Weltkrieg erfahren.
Nicht verhandelt wurde am Mittwoch über den zusätzlichen Anklagevorwurf, dass der Minderjährige verbotene Pornofotos mit Jugendlichen und Kindern besessen und verschickt haben soll.