Österreich

Millionenschäden nach Unwettern in Österreich

25.06.2021 • 13:23 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Millionenschäden nach Unwettern in Österreich

Erneut hat es in Österreich schwere Hagelunwetter gegeben.

Schwere Hagelunwetter haben am Donnerstag Millionenschäden in der heimischen Landwirtschaft verursacht. „Aktuell gehen wir aufgrund der heutigen Unwetter von einem Gesamtschaden an landwirtschaftlichen Kulturen in den Bundesländern Oberösterreich und Niederösterreich von 28 Millionen Euro aus“, teilte Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung, mit. In der Steiermark gab es Schäden in der Höhe von 600.000 Euro.

Von Westen her kommend zogen die Gewitterwolken Richtung Osten und entluden sich in den Abendstunden über weiten Teilen des Landes. Mit 19 Millionen Euro gab es den höchsten Schaden durch Hagelunwetter in Niederösterreich. Besonders betroffen waren die Bezirke Zwettl, Gmünd, Tulln, Hollabrunn und Mistelbach, Schäden gab es aber auch in den Bezirken Neunkirchen und Bruck an der Leitha. Am Abend wurde vor allem das Weinviertel zum Hotspot. Vielerorts – wie in Hollabrunn – gab es tennisballgroße Hagelkörner. „Vom Getreide bis zum Wein entstand auf einer Gesamtfläche von rund 26.000 Hektar ein Schaden. Oftmals ist die Ackerkultur gar nicht mehr erkennbar“, bilanzierte Josef Kaltenböck, Landesleiter Niederösterreich-Ost der Hagelversicherung.

In der Steiermark war eine Fläche von fast 9.000 Hektar betroffen

In Oberösterreich belief sich der Gesamtschaden auf neun Millionen Euro. „Betroffen sind alle landwirtschaftlichen Kulturen, Wintergerste ist die Hauptkultur – das Schadensausmaß reicht bis hin zu einem Totalausfall“, so der oberösterreichische Landesleiter der Hagelversicherung, Wolfgang Winkler. Laut Landesfeuerwehrkommando Oberösterreich war vor allem das Mühlviertel, konkret die Bezirke Rohrbach, Urfahr-Umgebung und Freistadt, von Unwettern betroffen. Erst am Dienstag gab es in der oberösterreichischen Landwirtschaft durch schwere Hagelunwetter einen landwirtschaftlichen Gesamtschaden von 22 Millionen Euro.

Josef Kurz, Landesleiter in der Steiermark, teilte mit, dass in der „Grünen Mark“ eine landwirtschaftliche Fläche von fast 9.000 Hektar betroffen war. Das Schadensausmaß beläuft sich auf 600.000 Euro. Im Bundesland Salzburg war die Lage im Gegensatz zu den vergangenen Tagen ruhig, so das Landesfeuerwehrkommando zur APA.

OBEROeSTERREICH: UNWETTER - SITUATION IM RAUM LINZ
APA

Feuerwehren im Großeinsatz

Insgesamt standen allein in Niederösterreich 1.600 Mitglieder von 110 Feuerwehren im Einsatz, berichtete das Landeskommando Freitagfrüh.

Franz Resperger vom Landesfeuerwehrkommando Niederösterreich sprach von mehr als 300 Hausdächern, die durch den Hagel zerstört worden seien. Starkregen setzte zahlreiche Objekte unter Wasser, orkanartige Böen entwurzelten dutzende Baume und rissen Telefon- und Stromleitungen zu Boden. In Wildendürnbach (Bezirk Mistelbach) ging gegen 0.30 Uhr durch Blitzschlag eine Scheune in Flammen auf.

Caritas startet Unwetterhilfe

„Die Caritas ist sofort nach Bekanntwerden der Katastrophe mit den Helferinnen und Helfern in Tschechien und Niederösterreich in Kontakt getreten. Wir haben auf schnellstem Weg eine Notruf-Hotline für Betroffene eingerichtet: 05 17 76 300. An diese können sich all jene wenden, die jetzt unserer Hilfe brauchen“, sagt Caritas-Präsident Michael Landau. Die Menschen in Niederösterreich und Tschechien brauchen jetzt akute und langfristige Unterstützung.

Spendenkonto:

Erste Bank
BIC: GIBAATWWXXX
IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560
Kennwort: Unwetterhilfe Österreich und Tschechien

Besonders wild ging es in den Bezirken Hollabrunn und Mistelbach zu. „Alt eingesessene Bewohner und erfahrene Feuerwehrleute erzählten, dass sie ein derartiges Unwetter noch nie erlebt hätten“, schilderte Resperger. Hausdächer seien vom Hagel „regelrecht durchlöchert“ worden. Heruntergefallene und kaputte Dachschindeln bereiteten Probleme auf den Straßen. Glashäuser und Fensterscheiben gingen zu Bruch, auch zahlreiche Autos wurden in Mitleidenschaft gezogen. Alleine im Bezirk Hollabrunn waren rund 800 Mitglieder von 50 Feuerwehren über mehrere Stunden hinweg gefordert. Dort führte nach Angaben des Bezirkskommandos auch die Pulkau Hochwasser.

In der mehr als 800 Einwohner zählenden Grenzgemeinde Schrattenberg bei Poysdorf (Bezirk Mistelbach) hat der Ausläufer des auf tschechischer Seite wütenden Tornados rund die Hälfte aller Hausdächer beschädigt bzw. abgedeckt. Noch in den Abendstunden wurden vom Landesfeuerwehrverband Abdeckplanen aus Tulln nach Schrattenberg transportiert. Mit diesen schützten die Helfer die kaputten Dächer vor weiteren Wassereinbrüchen.

„Das Ausmaß der gesamten Schäden wird man erst in den Früh- und Vormittagsstunden abschätzen können“, resümierte Resperger, der in Summe von „großflächigen Zerstörungen“ sprach. Verletzt wurde niemand.

Riesenschaden auch in Oberösterreich

Neuerliche schwere Unwetter mit teils golfballgroßen Hagelkörnern haben ab Donnerstagabend in Oberösterreich für 952 Einsätze der Feuerwehren gesorgt. Am schlimmsten traf es die Bezirke Grieskirchen, Urfahr-Umgebung, Rohrbach und Freistadt. 104 Feuerwehren mit rund 1.560 Helfern mussten zu Überflutungen, Sturm- und Hagelschäden ausrücken, u.a. zerstörte Dächer provisorisch eindecken und Straßen von umgestürzten Bäumen befreien, so das Landesfeuerwehrkommando Oberösterreich.

In Linz hat das Unwetter vor allem im Stadtteil Pichling schwere Schäden angerichtet. Laut Berufsfeuerwehr gab es dort bei mehreren Häusern Totalschäden an den Dächern, Glashäuser wurden zerstört und viele Autos schwer beschädigt, hieß es am Freitag.

OBEROeSTERREICH: UNWETTER - SITUATION IM RAUM LINZ
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Der ÖGB Oberösterreich wies daraufhin, dass Arbeitnehmer, die wegen Unwetters nicht oder nicht pünktlich zur Arbeit kommen können, keine arbeitsrechtlichen Konsequenzen zu fürchten hätten. „Es handelt sich um einen Verhinderungsgrund, der das Fernbleiben rechtfertigt“, stellte Landessekretär Stefan Guggenberger klar. Das Gleiche gelte auch, wenn Betreuungseinrichtungen geschlossen bleiben und Eltern die Kinderbetreuung zu übernehmen hätten. Man müsse jedoch „alles Zumutbare“ unternehmen, um zur Arbeit zu kommen und man habe den Arbeitgeber von der Verspätung bzw. der Verhinderung zu informieren, hieß es in einer Pressaussendung der Gewerkschaft.