Österreich

Jetzt wird auch der Zement langsam knapp

17.07.2021 • 12:13 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Nachfrage nach Zement übersteigt derzeit die Produktionskapazitäten
Die Nachfrage nach Zement übersteigt derzeit die Produktionskapazitäten Gubisch

Hohe Nachfrage nach Zement übersteigt Produktionskapazitäten.

In Österreich werden Baustoffe knapp. Holz, Stahl, aber auch Dämmstoffe haben zum Teil lange Lieferzeiten. Oft sind es einzelne Teile, die einfach nicht zu bekommen sind. In der Bauindustrie und bei den Handwerksbetrieben kommt es deshalb seit Monaten zu Engpässen und Verzögerungen. Und wenn ein Gut knapp ist, steigen die Preise. Die erhöhten Kosten werden von den Unternehmen zumindest anteilig an die Kunden weitergegeben. Wer derzeit ein Haus baut, muss deshalb vor allem eines haben: Geduld und die Akzeptanz, dass es deutlich teurer wird, als geplant. Alleine im Juni sind laut Statistik Austria die Baukosten deutlich weiter gestiegen. Konkret sind sie um 12,4 Prozent höher, als noch vor einem Jahr.

Ein Baustoff, der bisher in ausreichender Menge vorhanden war, ist Zement. Aber das ändert sich gerade. „Es ist erfreulich, dass nach der Corona-Krise die Bauwirtschaft eine positive Entwicklung zeigt. Dennoch stellt uns die seit März 2021 anhaltend hohe Nachfrage nach Zement momentan vor große Herausforderungen„, erklärt Bernhard Auer, Geschäftsführer von Alpacem, der Dachgesellschaft des Geschäftsfeldes Zement & Beton der Wietersdorfer Gruppe, die ihren Hauptsitz in Klagenfurt hat. Die Standorte in Österreich, an welchen den Kunden Zement zur Verfügung gestellt wird, befinden sich mit der w&p Zement GmbH in Wietersdorf in Kärnten und in Peggau in der Steiermark. Weitere fünf Standorte finden sich in Slowenien und Italien.

Die Firma Alpacem

Geschäftsfeld. Die Dachmarke Alpacem umfasst das Geschäftsfeld Zement & Beton und ist damit eines von insgesamt fünf Geschäftsfeldern der Wietersdorfer Gruppe. Alle Aktivitäten rund um Entwicklung, Produktion, Weiterverarbeitung und Vertrieb von Zement und Beton finden hier ihren Platz.

Unternehmen. Die insgesamt sechs regionalen Unternehmen in Österreich, Slowenien und Oberitalien beschäftigen an ihren 21 Standorten über 640 Mitarbeiter.

Umsatz. Bei einem Umsatz von 177 Millionen Euro (2020) liegen die jährlichen Kapazitäten bei mehr als zwei Millionen Tonnen Zement & Bindemittel bzw. über 350.000 Kubikmeter Transportbeton. 

 

 

Preissteigerungen als Folge

Die Nachfrage nach Zement, so Auer, übersteige derzeit die Produktionskapazitäten, wodurch sich die Lagerbestände, die üblicherweise in den Saisonmonaten benötigt würden, deutlich reduziert hätten. “ Zudem müssen wir mit Lieferschwierigkeiten unserer Rohstofflieferanten umgehen.“ Auch Peter Scherer von der Bundesinnung Bau bestätigt, dass es „bei Zement enger werden könnte“, wenn es mit der Bauentwicklung so weitergehe. Die Folge wären wie bei allen anderen Baustoffen auch Preissteigerungen.

Jetzt wird auch der Zement langsam knapp
Bernhard Auer ist Geschäftsführer der Dachmarke Alpacem für die Bereiche Vertrieb, Marketing und GeschäftsentwicklungKleine Zeitung

Standorte in Slowenien und Italien helfen aus

Der Zementhersteller Alpacem beliefert ausschließlich Unternehmen wie beispielsweise Transportbetonwerke oder Baustoffhändler, aber keine Privatkunden. Insofern habe man die erhöhte Nachfrage bisher durch zusätzliche Lieferungen aus den Alpacem-Standorten in Italien und Slowenien bedienen können, so der Firmenchef. „Das war unter großen Anstrengungen, vor allem im Bereich der Logistik, möglich, da sich die Zementmengen am dortigen Markt zu Beginn des Jahres nur verhalten entwickelt haben und deshalb Kapazitäten frei waren.“

Zementlieferungen an Kunden reduziert

Im Juni sei es dann aber auch auf den Nachbarmärkten zu einem Anstieg der Nachfrage gekommen, sowie parallel dazu zu einem weiteren Anstieg in Österreich gegenüber den Vormonaten. „Daher mussten wir die täglichen Zementlieferungen zu unseren Kunden vorübergehend reduzieren, was dazu führt, dass auch unsere Kunden ihre Lieferungen an Beton und Baustoffen an ihre Kunden priorisieren müssen“, erklärt Auer. Er geht von Wartezeiten auf Baustellen und Verschiebungen von Baumaßnahmen aus, „solange die Nachfrage auf dem derzeitigen Niveau bleibt“.

Beim Anstieg der Nachfrage handelt es sich um eine Ausnahmesituation, für die es in den letzten dreißig Jahren kein vergleichbares Ereignis gab“, sagt Auer.