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Amoklauf in Vorarlberg geplant

05.01.2022 • 19:22 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Symbolbild Mathis

Bekannter des Wiener Attentäters versuchte, Mithäftlinge zu gewinnen.

Ein nunmehr angeklagter Mann wollte nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Feldkirch einen Terroranschlag in Vorarlberg verüben.

Demnach soll der im Unterland lebende Tschetschene einen Amoklauf im Raum Dornbirn geplant haben. Das gehe aus der Anklageschrift hervor, teilte Norbert Stütler als Sprecher des Landesgerichts Feldkirch am Mittwoch auf NEUE-Anfrage mit. Der Häftling der Justizanstalt Feldkirch versuchte nach Darstellung der Anklagebehörde vergeblich, für sein terroristisches Vorhaben zwei Mithäftlinge als Mittäter zu gewinnen. Zudem, so ein weiterer Anklagevorwurf, betrieb der Haftinsasse im Gefängnis unter Mithäftlingen Propaganda für die radikalislamische Terrororganisation Islamischer Staat (IS). Und er bohrte laut Anklage im Vorjahr ein 90 Zentimeter großes Loch in seine Feldkircher Haftzelle und unternahm damit einen vergeblichen Fluchtversuch.

Wegen mehrerer Vorwürfen angeklagt

Für all das muss sich der 22-Jährige am 13. Jänner am Landesgericht Feldkirch in einem Schöffenprozess unter dem Vorsitz von Richterin Sabrina Tagwercher verantworten. Angeklagt wurde der mehrfach Vorbestrafte zum angeblichen Terrorplan wegen versuchten verbrecherischen Komplotts, zur mutmaßlichen IS-Propaganda wegen versuchter Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und versuchter Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation sowie zum Loch in der Gefängnismauer wegen schwerer Sachbeschädigung. Für den Fall eines Schuldspruchs im Sinne der Anklage beträgt der Strafrahmen ein bis zehn Jahre Gefängnis. Für den Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

Tatort Gefängnis

Tatort für alle angeklagten Taten war seit 2018 das Feldkircher Gefängnis. Dort soll der muslimische Insasse unter Mithäftlingen für den IS geworben und erfolglos Komplizen für einen Amoklauf gesucht haben. Der Angeklagte soll dabei in der Justizanstalt davon gesprochen haben, er wolle nach seiner bevorstehenden Abschiebung nach Tschetschenien nach Österreich zurückkehren und in Vorarlberg vor seinem 25. Lebensjahr bei einem Attentat in einer Diskothek möglichst viele Menschen erschießen. Er wolle so lange schießen, bis er selbst erschossen werde, entnimmt Stütler der Anklageschrift.

Dazu wird vor Gericht als Belastungszeuge ein 17-jähriger Syrer aussagen, den der Angeklagte für das behauptete Attentat angeblich als Komplizen anwerben wollte. Am 14. Jänner wird der inhaftierte Syrer aus dem Gefängnis im Osten Österreichs entlassen. Der Feldkircher Schöffenprozess wurde auf 13. Jänner angesetzt, um die Zeugenaussage des 17-Jährigen sicherzustellen.

Habe Wiener Attentäter Waffen besorgt

In Anlehnung an das Wiener Attentat vom November 2020 habe der Angeklagte den Vorarl­berger Terroranschlag geplant, so Stütler mit Verweis auf die Anklageschrift. Der angeklagte Tschetschene war ein Bekannter des Wiener Attentäters. Sie haben sich im Gefängnis kennengelernt. Der Angeklagte behauptete, er habe dem Wiener Attentäter Waffen besorgt. Dem sei aber nicht so gewesen, der Tschetschene habe sich mit fremden Federn geschmückt, fanden Ermittler heraus.

War auch das geplante Attentat in Vorarlberg nur hohles Gerede eines Wichtigtuers? Staatsanwalt Manfred Bolter beschäftigt sich in seiner Anklageschrift auch mit dieser Frage. Der stellvertretende Leiter der Staatsanwaltschaft Feldkirch verweist in seiner Anklage darauf, dass der Angeklagte bislang wegen mehrerer Fälle von Straßenraub, Einbruchsdiebstählen und Drogenhandels verurteilt wurde. Schusswaffen habe der 22-Jährige bei keine seiner Taten verwendet. Seit seinem 14. Lebensjahr habe der junge Mann die meiste Zeit im Gefängnis verbracht. Seit seiner ­Strafmündigkeit habe er nur rund 600 Tage in Freiheit genießen dürfen.