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Impfgegner schreiben Kindergärtnerinnen an

15.01.2022 • 21:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Anfang dieser Woche bekamen Kindergärtnerinnen unwerwartet Post. <span class="copyright">Symbolfoto Stiplovsek</span>
Anfang dieser Woche bekamen Kindergärtnerinnen unwerwartet Post. Symbolfoto Stiplovsek

Minigruppe ruft zu Streiks und koordinierter Kündigung auf.


Anfang dieser Woche haben hunderte Kindergärtnerinnen in Vorarlberg unerwartet Post bekommen. Die persönlich adressierten Briefe lagen vor den jeweiligen Einrichtungen. Der Inhalt sorgte kurzfristig für Unruhe, vor allem bei den zuständigen Abteilungen in den Städten und Gemeinden. Die Absender des mit „Aktion Schule und Elementarpädagogik für Impffreiheit“ betitelten Briefes bleiben freilich anonym. Wir, so schreiben die Verfasser eingangs, „sind ein Team von 7 Pädagogen (Elementarpädagogen, Lehrer) aus Vorarlberg und Salzburg“. Unterstützt wird die Gruppe laut eigenem Bekunden von der der impfkritischen Kleinpartei „Menschen – Freiheit – Grundrechte“ (MFG), die hauptsächlich in Oberösterreich aktiv ist und dort 2021 in den Landtag einzog, sowie von deren Arbeitnehmervertretung FAN (Freie Arbeitnehmer Österreich).

Koordinierte Kündigung

Die Gruppe ruft die Kindergartenpädagoginnen sinngemäß dazu auf, zu streiken bzw. letztlich auch koordiniert zu kündigen, um die Regierung in Sachen Impfpflicht unter Zugzwang zu bringen. Die Verfasser des Schreibens bringen gezielt Falschinformationen in Umlauf und schüren Ängste. Wörtlich heißt es: „Es geht scheinbar darum, alle Menschen zu zwingen, sich dieser experimentellen Gentherapie zu unterziehen. Und das, sooft es von der Regierung vorgeschrieben wird, also alle paar Monate. Es liegt die Einschätzung nahe, dass hier versucht wird, über das Coronavirus, ein politisches Kontrollsystem zu installieren und uns zu rechtslosen Bürgern zu dekretieren, die dem Befehl des Staates unmittelbar Folge zu leisten haben.“ E könnte sein, so heißt es weiter, dass Arbeitgeber angehalten werden, ungeimpftes Personal nicht weiter zu beschäftigen. Das Schreiben beinhaltet zudem einen Link zu einem Online-Fragebogen. Die Organisatoren wollen erheben, wie viele Pädagoginnen bereit wären bis zum Äußersten zu gehen, sprich zu streiken oder gar zu kündigen. Zudem wird darum gebeten, das Dokument an Kollegen weiterzuleiten.

Ulrike Porod, Abteilungsleiterin im Amt der Stadt Feldkirch.
Ulrike Porod, Abteilungsleiterin im Amt der Stadt Feldkirch.

Konsequenzen

Impfgegner schreiben Kindergärtnerinnen an
Auszug aus dem Schreiben der Impfpflichtgegner.

In Feldkirch hat sich die Sache am Dienstag schnell herumgesprochen, „Wir hatten an dem Tag, als die Briefe deponiert wurden, zufällig eine Sitzung mit allen Kindergartenleiterinnen. Wir haben das Thema diskutiert und es wurde darauf hingewiesen, dass es dienstrechtliche Konsequenzen geben könnte, wenn man sich allfälligen Streiks anschließt“, berichtet Ulrike Porod, Leiterin der Abteilung Sport Schulen und Kindergärten. Elementarpädagogische Auch in Bregenz, Dornbirn und Bludenz wurden die Kindergärten mit dem Schreiben überschwemmt.

Impfgegner schreiben Kindergärtnerinnen an
Auszug aus der Entgegnung des Landes.

Reaktion des Landes

Das Land hat bereits reagiert. In einer Gegendarstellung der Abteilung „IIa Elementarpädagogik, Schule und Gesellschaft“ heißt es: „Um der Verbreitung von unrichtigen Informationen entgegenzuwirken, wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei der allgemeinen Impfpflicht nicht um eine Berufsgruppenimpfung handelt und die Impfpflicht nach aktuellem Stand keine direkten Auswirkungen auf die Ausübung des Berufs haben wird.“ Abschließend bittet das Land die Träger der Einrichtungen, die Mitarbeitenden in dieser Hinsicht zu sensibilisieren, und appelliert an das noch nicht geimpfte Personal, sich impfen zu lassen.

Die Durchimpfungsrate im elementarpädagogischen Bereich hat das Land im November im Rahmen einer Umfrage erhoben. Von jenen, die sich zurückgemeldet haben, waren 70 Prozent geimpft.