Kommentar

Neuer Anlauf der VEU

17.01.2022 • 20:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die VEU Feldkirch will ganz nach oben.<span class="copyright"> Alexandra Serra</span>
Die VEU Feldkirch will ganz nach oben. Alexandra Serra

Die VEU Feldkirch bewirbt sich wieder für die Aufnahme in die ICE Hockey League. Das war zu erwarten, man hat die Bewerbung nach der Abstimmungsniederlage im Vorjahr nicht zurückgezogen. Damals stimmten vier ICE-Klubs für eine Aufnahme der VEU, sechs Stimmen wären notwendig gewesen. Inzwischen hat der Verein strukturell einiges vorangebracht, auch die Vorarlberghalle wird die Mindestkriterien für eine Liga-Aufnahme erfüllen. Wichtig ist nun, wie es die Feldkircher bei ihrer Bewerbung angehen. Dafür ist eine klügere Außendarstellung notwendig. Die Feldkircher helfen sich und ihrer Sache nicht, wenn sie die ICE-Vereine mit forschen Aussagen vor den Kopf stoßen, wie das in den vergangenen Jahren immer wieder der Fall war.
Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler. So ist zum Beispiel offen, wie sehr Feldkirchs Auftreten nach der verweigerten Liga-Aufnahme im Vorjahr nachwirkt. Die VEU-Verantwortlichen ließen sich damals aus einer verständlichen Enttäuschung heraus zu sehr emotionalen Aussagen hinreißen, sprachen nach der demokratischen Abstimmung von einem Skandal, machten Druck über den ÖEHV und prüften rechtliche Möglichkeiten. Das kam zwar sehr gut bei den eigenen Fans an. Doch letztendlich rennen die Feldkircher mit einem solchen Verhalten nur gegen die Wand an. Mit der Kunst der Diplomatie wird die VEU deutlich weiterkommen, es gilt, auf der Sachebene zu überzeugen und Sympathie zu gewinnen. Weil eben die ICE-Vereine als Eigentümer der Liga darüber entscheiden, wer in die Liga aufgenommen wird. Über Sinn und Unsinn dieser Struktur lässt sich grundsätzlich zwar streiten, aber diese Diskussion bringt der VEU nichts.

Wie stehen also die Chancen der VEU? Nach der Liga-Aufstockung im Frühjahr auf 14 Vereine ist eine abermalige Aufstockung auf 15 Klubs praktisch ausgeschlossen, weil ansonsten für ein Drittel der Liga die Saison nach dem Grunddurchgang schon zu Ende wäre – und weil ein Grunddurchgang mit 56 Runden in Zeiten von Corona ohnehin nicht umsetzbar ist. Viel hängt also davon ab, ob Bratislava wieder an der ICE-Liga teilnehmen will. Die Slowaken haben, anders als Znoj­mo bei deren Ligapause 2020/21, alle anfallenden Gebühren für die Saison 2021/22 entrichtet, offiziell hat sich Bratislava nach den tragischen Ereignissen im Herbst auch nicht aus der Liga zurückgezogen, sondern lediglich den Spielbetrieb eingestellt. Für den gar nicht unwahrscheinlichen Fall, dass Bratislava nicht zurückkommt, verbessern sich Feldkirchs Perspektiven.
Sportlich hat Feldkirch als Nachzügler in der Alps Hockey League keine Argumente, wobei das kein K.o.-Kriterium ist, zumal sie bei der VEU nun den löblichen Weg der Nachwuchsförderung eingeschlagen haben. Die Frage ist, wie bereit Feldkirchs junge Österreicher schon für die ICE wären, bis vor kurzem setzte es noch Niederlage um Niederlage in der Alps. Letztlich wird das Stimmverhalten der österreichischen ICE-Vereine stark von dieser Thematik abhängen, also, ob sie die VEU als Bereicherung für den österreichischen Spielermarkt ansehen oder als eine weitere Verknappung. Das größte Kriterium bei einem freien 14. Platz wäre aber wohl, wie die ICE-Klubs die neue 14er-Liga bewerten. Da und dort wird die Aufstockung bereut. Mittelfristig sollte es für die VEU mit einem ICE-Einstieg gut aussehen, aktuell ist die Stimmung gespalten.