Kultur

Dietmar Fends „pure Malerei“ spricht für sich selbst

18.01.2022 • 19:27 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dietmar Fend in seinem Atelier.<span class="copyright"> Wolfgang Ölz</span>
Dietmar Fend in seinem Atelier. Wolfgang Ölz

Atelierbesuch bei Dietmar Fend: Der Hohenemser Künstler im Gespräch.

ietmar Fend hat in seinem Künstlerleben an die 15 Ausstellungen in der Galerie Schiestl, der Galerie Kurzemann und auch in der Galerie Arthouse in Bregenz realisiert, und zuletzt war er an zwei Gruppenschauen beteiligt. Einerseits bei der kürzlichen Weihnachtsausstellung im milK-Ressort bei Harald Gfader und auch in der Reihe „Auf Einladung“ bei Erhard Witzel, die Doris Fend kuratiert hat.

Das Schöne

Die Berufung zum Künstler geht bei dem 1949 in Hohenems geborenen Fend in die früheste Kindheit zurück. Er war noch nicht drei Jahre alt, da bestimmte er, nicht mehr auszumalen, sondern selbst Umrisse zu zeichnen. Die Mutter schenkte dem kleinen Buben einen Zeichenblock und Farbstifte, die er jeden Abend in einem Nylonsack versiegelt mit ins Bett nahm. Das Schöne ist für Dietmar Fend immer wichtig gewesen und mit Verweis auf Stefan Sagmeisters Ausstellung zur Schönheit, die demnächst im vorarlberg museum zu sehen sein wird, wieder stark im Kommen, wobei es eigentlich nie weg gewesen sei. Schön sei etwa auch eine Holzarchitektur, bei der die Proportionen und das Material stimmig sind und Stärke und Rhythmik das Empfinden des Schönen aufkommen lassen.

Dietmar Fends „pure Malerei“ spricht für sich selbst
Werk von Dietmar Fend. Wolfgang Ölz

Später besuchte Fend mit 15 Jahren Paris, wo er die großen amerikanischen Maler wie Robert Rauschenberg, aber auch den Blaumaler Yves Klein oder den frühen Verpackungskünstler Christo sah. Eine kunstspezifische Initialzündung für den Jugendlichen! In der Realschule lernte er dann die Technik des Druckens bei Gerhard Winkler und 1970 bis 1975 studierte er an der Universität für Angewandte Kunst in Wien.

Dietmar Fend bei der Lektüre. <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Dietmar Fend bei der Lektüre. Wolfgang Ölz

Die Professoren dort zeigten ihm aber eher wie man es nicht macht. Er ging in der Wiener Zeit viel in die Albertina, die damals noch ein rein grafisches Kabinett war, das zu dieser Zeit von der Legende Walter Koschatzky geleitet wurde. Ein weiterer Weg führte ihn ins Kunsthistorische Museum, wo er eineinhalb Jahre die Alten Meister kopierte. Zuletzt so gut, dass seine Kopie für das durchschnittliche Kunstpublikum durchaus für das Original gehalten werden hätte können.

Subtilität der Zeichnung

Der Künstler Fend hat immer unter der ideologischen Maxime vom Ende der Malerei in den 1970er-Jahren gelitten. Die Ideologie hätte vorgegeben, was gemacht werden konnte und was nicht. Um diese Tabus habe er sich nie geschert. Er war selbst orientierungslos, wollte kein Epigone vergangener Größen werden und fand dann den Weg in die „pure Malerei“. Nicht abbildend, nicht symbolisch, die Zeichnung sollte für sich selbst sprechen. Dabei sind die Begriffe Sensibilität und Expressivität für Fend zentral. Die Strukturen seiner Arbeiten hat er in Steinbrüchen in Südfrankreich in der Natur vorgefunden. Die Struktur wird dabei sehr feinsinnig, weil große Kontraste bewusst vermieden werden.

Sensibilität

Sensibilität in der Kunst bedeutet, den Mensch durch das Werk hindurch zu spüren. Fend hat von einer starken Farbempfindung in der Malerei zur Subtilität der Zeichnung gefunden. In seinem Spätwerk hat er nun bereits an die 300 Tuschestiftzeichnungen geschaffen, die so etwas wie die Ultima Ratio aus einem ganzen Künstlerleben sind. Die Verbindung zur Op-Art, zur optischen Kunst, weist er zwar von der Hand, ist aber nicht ganz unrichtig. Bis zur Finanzkrise 2008 konnte Fend von seiner Kunst leben, seit damals muss er aber auch in kunstfremden Arbeiten sein Auslangen finden.

Wolfgang Ölz