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„Liebe Nadine, so nicht!“

19.01.2022 • 17:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Andreas Gapp, Obmann der Fachgruppe der Seilbahnen, richtete Politikerin Nadine Kasper einiges per Pressekonferenz aus. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Andreas Gapp, Obmann der Fachgruppe der Seilbahnen, richtete Politikerin Nadine Kasper einiges per Pressekonferenz aus. Stiplovsek

Seilbahner verärgert über Anfrage, die Grünen-Politikerin Nadine Kasper gestellt hat.

s scheint: Den Akteuren der Fachgruppe der Vorarlberger Seilbahnen ist wegen der Grünen nun der Kragen geplatzt. Deren Tourismussprecherin Nadine Kasper hatte Anfang Jänner eine Anfrage an Tourismuslandesrat Chris­tian Gantner (ÖVP) gestellt mit dem Titel „Wie klimafit sind die Skigebiete?“. Die Antwort der Seilbahnen kam gestern öffentlich bei einer Pressekonferenz. „Liebe Nadine, es ist Zeit, mit alten Rollen- und Feindbildern aufzuräumen. Liebe Nadine, es ist Zeit konstruktiv miteinander zu sprechen“, richtete Fachgruppenobmann Andreas Gapp der Politikerin aus.
Was war passiert? Wenn ein Landtagsabgeordneter eine Anfrage an ein Regierungsmitglied stellt, benötigt der Landesrat oder die Landesrätin oft die Expertise von Experten, damit er die Fragen beantworten kann. Im Fall der Anfrage von Nadine Kasper sind dies genau die Fachleute, die die gestrige Pressekonferenz hielten: Fachgruppenobmann Andreas Gapp und Fachgruppengeschäftsführer Michael Tagwerker.

Sehr überrascht

Die beiden sagten gestern, sie seien sehr überrascht über die Anfrage gewesen. Kasper habe vorab nämlich keinen Kontakt mit ihnen aufgenommen. Sehr wohl aber habe sie zeitgleich mit dem Versenden der Anfrage alles auf Facebook gepostet und damit öffentlich gemacht. „Ich habe über Facebook von der Anfrage erfahren. Um Zukunft zu gestalten, muss man doch miteinander reden statt übereinander“, so Gapp. Verärgert waren die Seilbahner auch über den ungünstigen Zeitpunkt der Anfrage, da man gerade mit der Omikron-Welle und dem Fachkräftemangel kämpfe.

 Michael Tagwerker und Andreas Gapp bei der Pressekonferenz. <span class="copyright">stiplovsek </span>
Michael Tagwerker und Andreas Gapp bei der Pressekonferenz. stiplovsek

Aus Unverständnis über das Vorgehen der Grün-Politikerin habe man beschlossen, „eingetretene Pfade zu verlassen und mit den Antworten an die Öffentlichkeit zu gehen, statt sie dem Regierungsmitglied zu übergeben“, sagte Fachgruppengeschäftsführer Michael Tagwerker zu Beginn der Pressekonferenz. In den Unterlagen, die die Medienvertreter bekommen hatten, waren die Antworten alle aufgelistet und sie sind auch auf der Homepage der Wirtschaftskammer veröffentlich.

„Kennen jeden Stein“

Gapp, der nach der kurzen Einführung von Tagwerker das Wort übernahm, verdeutlichte zuerst den Bezug der Seilbahner und Mitarbeiter zur Natur und zu den Bergen. „Wir leben in den Tourismusgemeinden und sind alle heimatverbunden. Unsere Mitarbeiter kennen im Gelände jeden Stein, im Zweifel mit Vor- und Nachname. Die Berge und die Natur sind nicht nur unsere Geschäfts-, sondern auch unsere Lebensgrundlage.“ Sie seien sich sehr wohl der Verantwortung bewusst, die Natur zu schützen. Und: „Ich habe selbst drei Kinder. Wenn wir möchten, dass sie im Tal bleiben werden, brauchen sie Jobs“, sagte Gapp.
Von den Themen, die Politikerin Kasper in ihrer Anfrage an Landesrat Gantner behandelt, pickte Gapp eines heraus: die Herstellung von Kunstschnee. „Schnee ist das zentrale Motiv, weshalb Gäste im Winter nach Vorarlberg kommen, egal ob sie dann skifahren, rodeln oder langlaufen. Dass sich die Erde erwärmt, leugnet ja keiner. Gleichzeitig sehen wir, dass die höher gelegenen Skigebiete in 30 bis 50 Jahren auch noch Schnee haben werden. Die künstliche Beschneiung hilft dabei und vor allem: Sie gibt uns Planungssicherheit“, erläuterte Seilbahner Gapp.

Ich bin keinesfalls für die Abschaffung des Skisports, aber ich poche auf nachhaltigen Tourismus.

Nadine Kasper, Tourismussprecherin der Grünen

Einladung ins Kleinwalsertal

Dann ging der Seilbahner auf einen Fauxpas von Kasper bei der Anfrage ein: In einer Aufzählung der Vorarlberger Skigebiete in der Anfrage hatte sie just das Kleine Walsertal vergessen. Gapp arbeitet dort. „Liebe Nadine, das Kleinwalsertal gehört auch zu Vorarlberg. Ich lade dich herzlich ein, ins Kleinwalsertal zu kommen. Dann können wir gemeinsam über die Zukunft der Bergbahnen – über unsere Verantwortung, Chancen und Möglichkeiten – sprechen.“

Damit endete der Redeteil der Referenten. Er hatte nur rund zehn Minuten gedauert. Bei der anschließenden Fragerunde strichen die Seilbahner heraus, was konkret sie für den Umweltschutz tun. Zum Beispiel gebe es eine Kooperation mit dem Vorarlberger Verkehrsverbund, durch den Skifahrer, die mit den Öffis anreisen, reduzierte Tageskarten erhalten. Der Großteil des Kraftstoffes, den die Skigebiete brauchen, sei CO2-neutral. Man habe Aufforstungs- sowie Renaturierungsprojekte und man beschäftige sich mit der Frage, wie Müll vermieden werden kann.

„Seilbahnen verschnupft“

Die in der Kritik stehende Politikerin Nadine Kasper. <span class="copyright">Lässer</span>
Die in der Kritik stehende Politikerin Nadine Kasper. Lässer

Nach der Pressekonferenz kontaktierte die NEUE Grünen-Politikerin Kasper und bat um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen, die die Seilbahner ihr ausgerichtet hatten.
Kasper: „Jedes Mal, wenn wir kritische Fragen zu dem Thema stellen, reagieren die Seilbahnen verschnupft.“ Die Seilbahner behandelten die Erderwärmung, als ob es noch 30 bis 50 Jahre daure, bis die Auswirkungen spürbar seien, dabei seien sie jetzt schon da, sagte Kasper und verwies auf kleine Skigebiete, die wegen Schneemangels bereits zusperren mussten. Sie glaube den Seilbahnern, dass ihnen der Naturschutz wichtig sei, aber es gebe bei ihren Bemühungen „noch viel Luft nach oben“.
„Ich möchte betonen“, so die Montafonerin abschließend, „ich bin keinesfalls dafür, den Skisport abzuschaffen. Aber ich poche auf einen nachhaltigen Tourismus.“

Seilbahnen vorarlberg

Die Fachgruppe der Seilbahnen Vorarlberg vertritt die Interessen von 71 Mitgliedern und 32 Skigebieten. Vorarlbergweit sind 299 Bahnen und Lifte in Betrieb, die insgesamt rund 1000 Pistenkilometer bedienen. Durchschnittlich sind über 1000 Mitarbeitende und 20 Lehrlinge bei den Vorarlberger Seilbahnbetrieben beschäftigt. Jährlich erwirtschaften die Vorarlberger Seilbahnen einen Nettoumsatz aus Personenbeförderung von rund 150 Millionen Euro und reinvestieren im Schnitt 50 Millionen Euro.