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Oben die Busse, unten die Autos und Küsse

20.01.2022 • 01:02 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Investor und Bauherr Roland Pircher. <span class="copyright">hartinger</span>
Investor und Bauherr Roland Pircher. hartinger

Neues aus der BahnhofCity in Feldkirch: Ab heute ist die Tiefgarage mit direktem Zugang zu den Bahnsteigen in Betrieb.


Auf der Baustelle zur neuen BahnhofCity in Feldkirch geht es flott voran. Sämtliche Gebäude stehen, das Hotel ist bereits geöffnet, am Busterminal herrscht reger Betrieb. Und seit heute früh, 6 Uhr, steht der Öffentlichkeit auch die Tiefgarage zur Verfügung. D

ie Presse durfte schon am Mittwoch einen Blick hinein werfen. Inves­tor und Bauherr Roland Pircher von der Future Bauart Immobilien GmbH, der die Journalisten durch das zweigeschossige, 380 Parkplätze (100 davon sind öffentlich) umfassende Bauwerk führte, versuchte das Wort Tiefgarage zu vermeiden. Er spricht lieber von einer „unterirdischen Drehscheibe“ – und die Bezeichnung trifft es eigentlich ganz gut. Schließlich kann man hier – so wie es sich für einen modernen Bahnhof gehört – mehr als nur parken. So sind etwa „Haltestellen“ für all jene eingerichtet, die ihre Angehörigen mit dem Auto zum Bahnhof bringen. „Kiss and Ride“, heißt das im ÖBB-Sprech – also Stellen, wo Reisende sich von ihrer Begleitung mit inniger Zuneigung verabschieden können.

Busterminal. <span class="copyright">Hartinger</span>
Busterminal. Hartinger

Direkt zu den Bahnsteigen

Über einen Personentunnel, der bergmännisch errichtet wurde und unter der alten Bahnhofshalle durchführt, gelangen die Zugreisenden direkt, barrierefrei und trockenen Fußes zu den Bahnsteigen. Auch der Taxistand wurde unter die Erde verlegt, ebenso die Zu- und Abfahrt für den Autoreisezug. Das Hotel und die neu gebauten Wohn- und Geschäftshäuser sind ebenfalls über die Tiefgarage erschlossen. Weitum einzigartig dürfte das Angebot für Elektromobilisten sein. Laut Pircher kann jeder der 380 Parkplätze mit einer Wandladestation ausgestattet werden.

Von links nach rechts: Roland Pircher (GF Future Bauart) Bürgermeister Wolfgang Matt, Stadtrat Thomas Spalt, Andreas Schwaiger, Stefan Eigentler (beide GF Future Bauart). <span class="copyright">hartinger</span>
Von links nach rechts: Roland Pircher (GF Future Bauart) Bürgermeister Wolfgang Matt, Stadtrat Thomas Spalt, Andreas Schwaiger, Stefan Eigentler (beide GF Future Bauart). hartinger

Innerstädtische Tarife

Auch sonst entspricht der unterirdische Bau kaum dem gängigen Bild einer Tiefgarage. Die zwei Geschosse kommen hell, übersichtlich und freundlich daher – und wenn sich nichts bewegt, wird die Beleuchtung automatisch auf 20 Prozent heruntergedimmt, wodurch mitunter eine Menge Energie gespart werden kann. Eine weitere Besonderheit sind die innerstädtischen Parktarife. „Darauf sind wir besonders stolz“ sagt Standort-Bürgermeister Wolfgang Matt (ÖVP), „denn das ist in anderen Städten meist nicht der Fall“. Wer nur schnell stehen bleibt, um jemanden zum Zug zu bringen, zahlt nichts. Die ersten 14 Minuten sind kostenfrei. „Auch diesen Service bietet Feldkirch als einzige Stadt an“, betont Matt. Den Investoren und Bauherren zollt er großes Lob. Die Zusammenarbeit sei sehr gut gewesen und es habe kaum Beschwerden wegen der Bauarbeiten gegeben. Auch Stadtrat Thomas Spalt (FPÖ), zuständig für Stadt- und Verkehrsplanung, zeigt sich angetan. „Mit der Verlegung der Durchfahrtsstraße unter die Erde befinden wir uns aus Sicht der Verkehrsplanung auf einem internationalen urbanen Niveau. Der öffentliche Verkehr, Fahrräder und Fußgänger haben Priorität, auch ökologische Standards werden erfüllt.“

Tiefgarage BahnhofCity. <span class="copyright">Hartinger</span>
Tiefgarage BahnhofCity. Hartinger

„Vorreiterrolle“

Der Bahnhof Feldkirch gilt als größte Verkehrsdrehscheibe im Land. Rund 15.000 Menschen tummeln sich hier täglich. Mit dem gänzlich autofreien Vorplatz habe der Bahnhof eine Vorreiterrolle in Vorarlberg übernommen, so Pircher. Das Konzept sei auf die Bedürfnisse des jungen, urbanen, mobilen Menschen zugeschnitten. Die Dimensionen des 60-Millionen-Euro-Projekts sind beachtlich: Auf rund 56.000 Quadratmetern Fläche finden sich fünf neue Gebäude mit 140 Wohnungen, Büros, einem Hotel sowie Gastronomie- und Handelsflächen. Dabei wurde allerdings bei weitem nicht so viel gebaut wie laut Bebauungsplan der Stadt Feldkirch errichtet hätte werden dürfen. Die alte Bahnhofshalle wurde glücklicherweise als identitätsstiftendes Merkmal erhalten. Im seinerzeitigen Masterplan war noch vorgesehen, das architektonische Charakteristikum abzubrechen. Die Gesamtfertigstellung und Eröffnung der BahnhofCity ist im Frühsommer geplant.