Kultur

Das Opernatelier wirft die ersten Tentakel aus

26.01.2022 • 20:16 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
V.l.: Olaf Schmitt, David Pountney, Hugo Canoilas und Éna Brennan. <span class="copyright">Bregenzer Festspiele/Anja Köhler</span>
V.l.: Olaf Schmitt, David Pountney, Hugo Canoilas und Éna Brennan. Bregenzer Festspiele/Anja Köhler

Das dritte Opernatelier startete am Dienstagabend mit einem ersten Einblick im KUB.

Noch ist die imaginäre Leinwand weiß, die große Werkstattbühne leer, vielleicht wird ein Oktopus vorbeischwimmen, vielleicht wird das Publikum spielerisch mit einbezogen – wer weiß? Zur „Geburtsstunde“, so Festspielintendantin Elisabeth Sobotka, des dritten Opernateliers trafen sich David Pountney, der die szenische Aktion finden wird, die irische Musikerin Éna Brennan, die mit Stimme, Geige, Elektronik und Video arbeitet, und der portugiesische Künstler Hugo Canoilas, der als Bühnenbildner und Maler den Raum gestalten wird.

Éna Brennan gab einen Einblick in ihr Schaffen.  <span class="copyright">Bregenzer Festspiele/Anja Köhler</span>
Éna Brennan gab einen Einblick in ihr Schaffen. Bregenzer Festspiele/Anja Köhler

Waren im ersten Atelier Virginia Woolfs „To the Lighthouse“ und der griechische Komponist Zesses Seglias, im zweiten der Komponist Alexander Moosbrugger, eine Orgel als Rauminstallation und eine rätselhafte Traumerzählung aus der italienischen Renaissancezeit im Mittelpunkt für „Wind“ gestanden, so scheinen jetzt noch „alle Fragen offen“ zu sein.

Abtasten

Brennan, Pountney und Canoilas hatten sich am Vortag des ersten Einblicks im Kunsthaus Bregenz zum ersten Mal von Angesicht zu Angesicht getroffen, die nächsten Monate kann man sich als großes Brainstorming, Abtasten, Improvisieren vorstellen, bis im Sommer 2024 die Werkstattbühne zum Schauplatz eines neuen Musiktheaters wird. Festspieldramaturg Olaf Schmitt vermittelte an diesem ersten Abend im Kunsthaus sprachgewandt zwischen der Irin Brennan, dem Portugiesen Canoilas, der in Wien lebt und international ausstellt, und dem britischen Sir David Pountney, der natürlich fließend Deutsch spricht. „Es gibt keinen, der sich so dafür einsetzt, dass die Oper weiterlebt“, hatte Sobotka den langjährigen Bregenzer Festspielintendanten begrüßt.

Startschuss für das Opernatelier.<span class="copyright"> Bregenzer Festspiele/Anja Köhler</span>
Startschuss für das Opernatelier. Bregenzer Festspiele/Anja Köhler

Pountney hat die Corona-Zeit unter anderem damit verbracht, Libretti für zwölf Mitglieder eines Opernstudios zu schreiben, zwölf „Sterbe-Arien“ nach einem Fragment von Puschkin. Er freut sich darauf, die große Werkstattbühne zu bespielen, sich von Musik und bildender Kunst inspirieren zu lassen. Von Brennan sah man zu Beginn eine Mini-Oper, ein „Corona-Auftragswerk“ für die irische Staatsoper: „Rupture“ (Riss) lagert zwei Stimmen, eine Frau und ihr Gewissen, übereinander, das Video spielt ebenfalls mit Überlagerungen oder Verzerrungen eines Gesichts, die Musik trägt die Stimmen auf einem opern- oder musicalnahen Klangteppich. Später zeigte die Musikerin, wie sie mit Geige, Stimme und Elektronik mit sich selbst in Dialog tritt, wie Loops die Klänge vervielfältigen und ein vielstimmiges, meditativ wirkendes Geflecht entsteht. Grenzen zwischen E(rnst) und U(nterhaltung) oder anderen Kategorien in der Musik sollen verschwinden. Besonders innovativ klang das bisher Gehörte allerdings nicht.

Tiefsee

Pountney, der schon mal losgeschrieben hatte, sah wohl bei Brennans Klängen einen Oktopus herankriechen – und da kreative Köpfe mit Assoziationen oder Zufällen spielen, passt das zum Dritten im Bunde: Der Künstler Canoilas liebt das Meer, die Tiefsee, will auf ihre Gefährdung durch Überwärmung aufmerksam machen, wechselt in seiner künstlerischen Arbeit gern die Perspektiven zwischen Vertikale (Wand) und Horizontale (Boden). „Weißt du, wie das wird?“ fragen die Nornen in Wagners „Götterdämmerung“ – am 9. August kann man mit Mitgliedern des SOV einen weiteren Einblick ins Opernatelier bekommen.

Katharina von Glasenapp