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Post-Entlassung: General Pölzl als Zeuge beantragt

27.01.2022 • 21:47 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Generaldirektor Georg Pölzl fühlt sich in seiner Ehre verletzt. <span class="copyright">APA/ROLAND SCHLAGER</span>
Generaldirektor Georg Pölzl fühlt sich in seiner Ehre verletzt. APA/ROLAND SCHLAGER

Entlassener Paketzusteller erhielt Vergleichsabgebot. Verhandlung vertagt.


Im Rechtsstreit um die „Fristlose“ des Postmitarbeiters Peter K. hat gestern am Arbeits- und Sozialgericht die erste Tagsatzung stattgefunden.

Wie die NEUE exklusiv berichtete, ist der 37-jährige wegen eines als ehrverletzend empfundenen Kommentars über den Postgeneraldirektor Georg Pölzl im Dezember 2021 fristlos entlassen worden. Der Kläger hatte sich in einer privaten Facebookgruppe von aktiven und ehemaligen Paketzustellern über eine vorweihnachtliche Prämienaktion der Post beschwert. Wörtlich meinte er: „Die Gutscheine soll der ­Pölzl in seinen Arsch stecken. Er soll einfach mehr Gehalt geben. Ihm ist ja scheißegal, was die Mitarbeiter verdienen (…)“

Peter K. war damals nicht der einzige Mitarbeiter, der seinen Unmut äußerte. Mehrere Gruppenmitglieder fühlten sich ungerecht behandelt, da nur jenen Postmitarbeiter, die über ein Konto bei der hauseigenen bank99 verfügen, 100 Euro überwiesen wurden. Jene Zusteller, die kein Konto beim Arbeitgeber eröffnet hatten, mussten sich mit einem Gutschein für den ebenfalls hauseigenen Online-Marktplatz „shöpping“ zufriedengeben.

Klagsvertreter Sanay Doshi. <span class="copyright">hartinger</span>
Klagsvertreter Sanay Doshi. hartinger

„Treuepflicht massiv verletzt“

Wie sich nun herausstellte, war der „inkriminierte“ Kommentar nicht die erste Unmutsäußerung über seinen Arbeitgeber, die der Kläger via Facebook veröffentlichte. Auch seinen direkt Vorgesetzten und die Arbeitnehmervertretung hatte er offenbar schon mit unflätigen Äußerungen bedacht. Bei dem „inkriminierten“ Kommentar handelt es sich laut Beklagtenvertreterin „um bewusste Provokationen des Klägers, mit dem Ziel das Ansehen und die soziale Wertschätzung des Generaldirektors (…) durch Geringschätzung herabzusetzen und auf diese Weise den Ruf des Generaldirektors und des gesamten Unternehmens zu schädigen.“ Der Kläger, so heißt es im Vorbringen der Post, unterstreiche seine Verbalaggression zusätzlich mit „Kotz“-Emojis, „Kothaufen“-Emojis und „Wut“-Emojis. Zudem habe der Kläger seine Treuepflicht gegenüber seinem Arbeitgeber massiv verletzt und das Vertrauen unwiderruflich geschädigt. Die Post kann sich deshalb „unmöglich vorstellen“, den ehemaligen Mitarbeiter weiter zu beschäftigen.

Paketzusteller bekämpft seine Entlassung. <span class="copyright">APA/PHILIP STOTTER</span>
Paketzusteller bekämpft seine Entlassung. APA/PHILIP STOTTER

Der entlassene Zusteller möchte allerdings unbedingt wieder in seinen alten Job zurück. „Die Flexibilität, die diese Arbeit bietet, lässt sich gut mit der 100-prozentigen Behinderung meines Mandanten vereinbaren“, sagt Klagsvertreter Sanjay Doshi. Allerdings möchte der 38-Jährige künftig wieder in Vorarlberg arbeiten, da hier das Arbeitsklima besser sei. Wie berichtet, zog Peter K. im Jahr 2020 aus privaten Gründen nach Eisenstadt. Zuvor hatte er sieben Jahre Pakete in Vorarlberg zugestellt. Doshi beantragte am Donnerstag die Einvernahme des Postgeneraldirektors als Zeugen. Der Feldkircher Anwalt bezweifelt nämlich, dass der Post-Chef überhaupt von dem Facebook-Kommentar Kenntnis hatte.

Vergleichsangebot

Die Beklagtenvertreterin unterbreitete dem entlassenen Mitarbeiter ein Vergleichsangebot in der Höhe von viereinhalb Monatsgehältern. Ob der Kläger das Angebot annimmt, ist noch unklar. Die Verhandlung wurde vertagt.