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FFP2, 2G und Co.: Die Maßnahmen auf dem Prüfstand

28.01.2022 • 20:31 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Die Maskenpflicht im Freien wurde erst vor Kurzem eingeführt.
Die Maskenpflicht im Freien wurde erst vor Kurzem eingeführt. APA/ROLAND SCHLAGER

Andere Staaten heben Coronaregeln auf, Österreich wartet noch ab. Welche Gründe gibt es noch für Maske, 2G, Sperrstunde und Co?

Wie geht es weiter mit den Corona-Maßnahmen? Während die Infektionszahlen so hoch wie nie zuvor sind – rund 38.600 Neuinfektionen binnen 24 Stunden – ist eine Überlastung des Gesundheitssystems derzeit nicht absehbar. Andere europäische Staaten verzichten nun weitgehend auf Maßnahmen.

In Österreich laufen am Montag die Ausgangsbeschränkungen für Ungeimpfte aus, ansonsten bleiben die Coronaregeln vorerst gleich. Auf Empfehlung der Gecko will die Regierung weiter abwarten. Widerstand kommt aus mehreren Ländern: Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) etwa drängte am Freitag auf Lockerungen, Handel und Gastro fühlen sich durch 2G-Kontrollen „vorgeführt“, die Wirtschaftskammer fordert ein sofortiges Ende von 2G im Handel.

Gesundheitsexpertinnen und -experten sehen die Maßnahmen differenziert. Man könne angesichts der niedrigen Spitalszahlen über Öffnungsschritte reden, sagt Gecko-Mitglied Peter Klimek (MedUni Wien). Klar sei aber: „Überall dort, wo sich Menschen treffen, kann man sich anstecken“. Generell gilt das Schweizer-Käse-Modell: Einzelne Maßnahmen haben ähnlich große Effekte, bieten dem Virus aber Schlupflöcher. Erst wenn man mehrere Maßnahmen gleichzeitig anwendet, sinkt die Ansteckungswahrscheinlichkeit deutlich.

FFP2-Maskenpflicht

In geschlossenen Räumen und wenn auch im Freien kein Abstand gehalten werden kann, muss FFP2-Maske getragen werden. Generell seien strenge Maskenregeln wirksam, sagt der Komplexitätsforscher Peter Klimek. Sie würden die Reproduktionszahl des Virus um zehn bis 15 Prozent senken – wenn die Maske richtig getragen wird. „Die Maske ist effektiv und sollte weiter bleiben“, betont Infektiologe Robert Krause (Med Uni Graz).

Entscheidend sei auch die Umgebung, sagt Klimek. Das Coronavirus breitet sich über Tröpfchen und Aerosole aus. Vor der Ansteckung durch Tröpfchen schütze die FFP2-Maske sehr gut, vor angesammelten Viren in der Luft weniger. Daher sei es wichtig, Innenräume regelmäßig zu lüften, so der Komplexitätsforscher.

Sperrstunde

Um 22 Uhr geht das Licht aus, dann ist Sperrstunde in der Gastronomie und bei Veranstaltungen. Klar sei, dass die Gastronomie zu den Corona-Hotspots gehöre, sagt Komplexitätsforscher Klimek. Eine Gastro-Schließung senke die Reproduktionszahl des Virus um rund 15 Prozent, die geschlossene Nachtgastronomie um weitere zehn Prozent. Wie viel Sperrstunden, Kapazitätsgrenzen und Co bringen, sei schwerer zu beurteilen, so Klimek.

Klar ist: Durch eine Sperrstunde um 22 Uhr kann im Restaurant zu Abend gegessen werden, längere (alkoholische) Nächte gehen sich aber nicht mehr aus. Bei Neuinfektionszahlen im fünfstelligen Bereich bleibt aber ein großes Risiko: „Ich würde nicht in ein volles Restaurant gehen, ich habe keine Lust auf Quarantäne“, sagt Klimek.

Veranstaltungen und Versammlungen

Je mehr Personen sich versammeln, desto strenger sind die geltenden Maßnahmen. Grundsätzlich müsse man unterscheiden, sagt Komplexitätsforscher Klimek. Veranstaltungen mit zugewiesenen Sitzplätzen wären keine wesentlichen Infektionstreiber, auch in Innenräumen nicht. In der Regel schaue man nach vorne, bewege sich wenig und rede kaum, außerdem sei die Kontrolle von Begleitmaßnahmen wie Maskenpflicht, Abstand, Test- oder Impfpflicht einfach.

Veranstaltungen ohne zugewiesenen Sitzplätzen könnten aber trotz Begleitmaßnahmen zu Superspreader-Events werden, sagt der Komplexitätsforscher. So hätten sich etwa in England während der Fußball-Europameisterschaft statistisch auffällig viele junge Männer angesteckt.

2G-Regel

Wer weder geimpft noch genesen ist, darf die meisten Geschäfte nur zu Abholung betreten und Lokale, körpernahe Dienstleistungen und Freizeiteinrichtungen wie Kinos nur von außen betrachten.

Das schütze vor allem die Ungeimpften: Auch wenn Omikron bei Geimpften und Genesen vorrangig milde Verläufe verursacht, „haben Ungeimpfte immer noch ein höheres Risiko, schwer zu erkranken“, sagt Lungenspezialist Bernd Lamprecht (Uniklinikum Linz). Man kann noch nicht abschließend beurteilen, ob Omikron bei Ungeimpften wirklich milder verläuft.

Obwohl Impfung und Genesung gegen die Variante weniger schützen als vor Delta, würden Ungeimpfte auch weiter überproportional stark zum Infektionsgeschehen beitragen, sagt Klimek.