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Eine Eishockey-Allianz ohne Substanz

18.04.2022 • 23:23 Uhr / 10 Minuten Lesezeit
Eine Eishockey-Allianz ohne Substanz
Hoffentlich wird die gemeinsame Bewerbung von Dornbirn und Feldkirch für die ICE Hockey League kein Eigentor. GEPA

Eigentlich wollen die VEU und Dornbirn die Kräfte bündeln.

Die eigentlich so sinnvolle Idee, die Kräfte im Vorarlberger Eishockey als Team Vorarlberg zu bündeln, droht ein Rohrkrepierer zu werden. Schon die Verlautbarung am Freitag wirkte völlig substanzlos und weckte nicht den Eindruck, dass hier mit Dornbirn und Feldkirch zwei Vereine an einem Strang ziehen, was der NEUE-Artikel vom Samstag „Eine Allianz mit Fragezeichen“ bereits verdeutlichte. Die erste Verlautbarung machte die VEU am Karfreitag um 17.30 Uhr und das nur mit einem sehr allgemeinen Statement der VEU-Macher Michael Lampert und Christian Groß. Es war nur von „Vorarlbergs Eishockeyvereinen“ die Rede, die mit einer Allianz die Kräfte bündeln wollen. Was fälschlicherweise vermuten ließ, dass möglicherweise sogar alle vier heimischen Profivereine, zumindest aber Dornbirn, Feldkirch und Lustenau fusionieren. Kaum aussagekräftiger war später die Aussendung der Dornbirner. Das Bemerkenswerte war jedoch, dass der DEC und die VEU eben nicht gemeinsam an die Öffentlichkeit gingen.

VEU Knights

Und siehe da: Am Osterwochenende drang schon das erste bedenkliche Störfeuer nach außen. Die Feldkircher lancierten, das Team Vorarlberg könnte als VEU Knights an der ICE Hockey League teilnehmen und die Bulldogs könnten in der Alps Hockey League spielen. DEC-Manager Alexander Kutzer ist zwar weiterhin nicht erreichbar, er hebt selbst bei unterdrückter Rufnummer nicht ab, was ein absolutes Novum ist und tief blicken lässt.

Eine Eishockey-Allianz ohne Substanz
Alexander Kutzer auf einer Archivaufnahme. Der DEC-Manager ist seit Tagen nicht mehr erreichbar. Klaus Hartinger

Aber auch ohne eine Stellungnahme von ihm ist es absolut auszuschließen, dass die Dornbirner Teil des Projekts bleiben, wenn die erste Mannschaft unter der Bezeichnung „VEU Knights“ antritt. Denn so wäre das kein Team Vorarlberg – sondern nur ein Vehikel für die Feldkircher, die langjährigen ICE-Träume zu verwirklichen. In Lustenau haben sie der Sache offensichtlich von vornherein nicht getraut, denn beim EHC zeigten sie nach Informationen der NEUE überhaupt kein Interesse an diesem sehr kurzfristigen Projekt. Ein weiterer Aspekt ist, dass auch die Bregenzerwälder nicht an einem Team Vorarlberg interessiert sind; als Kooperationspartner von Dornbirn wären sie aber eigentlich indirekt involviert. Das schließen sie beim ECB allerdings kategorisch aus, da sie mit der Wälderhalle nun endlich ein eigenes Zuhause bekommen und dadurch ihre eigene Identität stärken wollen. Ein Einstieg beim Team Vorarlberg wäre vermutlich gleichbedeutend mit dem Aus für die Wälderhalle.

Gleichzeitig hoffen sie beim EC Bregenzerwald aber, dass sie auch in Zukunft mit Dornbirn auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Die Wälder haben jedenfalls für die Alps Hockey League genannt, Dornbirn nicht. Das Modell, dass die VEU in der ICE und Dornbirn in der Alps Hockey Leauge spielt, scheitert alleine schon daran, dass die Dornbirner, Stand jetzt, für die Alps gar nicht genannt haben.

150.000 Euro

Bei diesem „Team Vorarlberg“ passt also nichts zusammen und es drängt sich immer mehr die Frage auf, ob alle Beteiligten das Projekt mit all seinen Konsequenzen zu Ende gedacht haben. In den kommenden Tagen müssen Kutzer und das Duo Groß/Lampert gemeinsam die Bewerbungsunterlagen für die Liga erarbeiten: Sponsorenzusagen, Bankgarantie, Bekanntgabe des Spielorts, Details zur Organisation.

Eine Eishockey-Allianz ohne Substanz
Es bleibt abzuwarten, ob Michael Lampert und Christian Groß von der VEU auf einen Nenner mit Alexander Kutzer und den Bulldogs kommen. Klaus Hartinger

Es bleibt abzuwarten, ob dabei ein Unterlagenpaket herauskommt, das sowohl Kutzer als auch Groß oder Lampert unterzeichnen – was eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Kandidatur ist. Die Liga wird nämlich nicht nur prüfen, wie seriös die Bewerbung ist, sondern auch, ob es sich wirklich um eine gemeinsame Nennung von Dornbirn und Feldkirch handelt.

Rechtlich genaugenommen muss Dornbirn der Hauptträger der Bewerbung sein, nur dann kann das Team Vorarlberg auf den DEC-Ligaplatz zurückgreifen. Ansonsten wäre es eine Neubewerbung, die anderen Vereine müssten über die Aufnahme des Team Vorarlbergs abstimmen – und es wäre eine Aufnahmegebühr von 150.000 Euro fällig.

Noch so ein Knackpunkt

Die kolportierten Träume von VEU Knights in der ICE Hockey League und Dornbirn in der Alps Hockey League sind daher alles andere als hilfreich. Gleichzeitig stellt sich die Frage, was daran ein Team Vorarlberg sein soll. Das wäre vielmehr eine Kooperation, die eigentlich nur in Sachen Nachwuchsarbeit Bewerbungsrelevanz hätte.

Was auch wieder so ein Knackpunkt ist: Die Nachwuchsarbeit der Dornbirner wird zu einem wichtigen Teil von deren Kooperationspartner EC Bregenzerwald übernommen. Weil die Wälder aber nicht Teil des „Konzepts“ Team Vorarl­berg sein wollen, soweit man das bisher Bekannte überhaupt als Konzept bezeichnen kann, weil also die Wälder außen vor sind, müssten die Dornbirner ihre Nachwuchsarbeit in Zukunft entweder alleine stemmen oder gemeinsam mit der VEU abwickeln.

Beides würde sich nicht zuletzt an den VEU Knights haken: Ohne ein echtes Team Vorarlberg gibt es wohl kein gemeinsames Budget und sicher keine gemeinsame Basis für eine Zusammenlegung der Nachwuchsausbildung. Meldet Dornbirn doch noch für die Alps Hockey League nach und wird aufgenommen, brauchen die Bulldogs dementsprechend ein eigenes Budget für den Alps-Spielbetrieb. Den Sponsoren nach zehn Oberhaus-Jahren eine Halbprofi-Liga schmackhaft zu machen, würde schwer genug.

Hauruck-Aktion

Es darf daher bezweifelt werden, dass beim DEC ausreichend Geld übrigbliebe, die gesamte Nachwuchsförderung zu stemmen, also auch den Teil, den man ein Jahrzehnt lang an den EC Bregenzerwald ausgelagert hat. Und überhaupt: Wieso sollten sich die Dornbirner darauf einlassen? Feldkirch hätte alle Vorteile, Dornbirn alle Nachteile. Außerdem, und damit schließt sich der Kreis wieder, würde bei dieser Konstellation die Nennung von der ICE-Liga als Neubewerbung ausgelegt werden; was eigentlich nicht im Sinne dieser „Allianz“ sein kann.

Darüber hinaus ist klar, dass es für die Wälder ohne die Dornbirner Kooperationsspieler schwierig würde. Nein, so wirklich durchdacht scheint das alles nicht. Und da greift auch nicht das Argument, dass man am Freitag kurzfristig nennen musste. Die wichtigsten Eckpunkte wird man doch hoffentlich bereits besprochen haben. Stattdessen wirkt alles wie eine Hauruck-Aktion.

Eine Eishockey-Allianz ohne Substanz
Christian Feichtinger streut der gemeinsamen Bewerbung von Dornbirn und Feldkirch zwar Rosen, doch der Geschäftsführer der ICE Hockey League hat keine Entscheidungsgewalt. APA

Alternativen

Spannend ist, dass sowohl Dornbirn als auch Feldkirch unabhängig voneinander durchaus eine Alternative zur gemeinsamen ICE-Nennung haben. Sollte das Team Vorarl­berg nicht zustande kommen, könnten die Bulldogs, weil dann ohne der VEU im Rücken, als Kooperationspartner der Bregenzerwälder in der Alps Hockey League spielen. Dornbirn hat keine grundsätzlichen finanziellen Probleme, sondern bekommt vermutlich einfach nur die anstehende ICE-Saison nicht seriös ausfinanziert. Und noch so eine Saison, in der man wie im zurückliegenden Winter eigentlich nur Sparringspartner für die Gegner ist, wäre reine Geldverbrennung. Dornbirn hat jedenfalls nicht als eigenständiger Verein für die ICE-Liga genannt, dass man das nachholen würde, wenn die Allianz mit der VEU scheitert, ist nicht zu erwarten. Sonst hätte man ja gleich auch als DEC nennen können.

Konsequenzen

Feldkirch dagegen hat die eigenständige ICE-Bewerbung nicht zurückgezogen. Scheitert die Nennung als Team Vorarlberg, wären die Feldkircher nahezu sicher Dornbirn fürs Erste los, was der VEU grundsätzlich in die Karten spielen würde. Denn dann hätte man nicht nur keinen Konkurrenten mehr in Vorarlberg, sondern auch das Liga-Argument würde nicht mehr stechen, dass der dünne österreichische Spielermarkt keinen weiteren rot-weiß-roten ICE-Verein verträgt. Doch zu sicher sollten sie sich bei der VEU trotzdem nicht sein, dass bei einem Scheitern des Team Vorarlbergs ihre eigenständige Bewerbung angenommen wird.

Denn die Vorbehalte gegenüber der VEU sind nicht kleiner geworden. Zumal bei einem möglichen Ligaabgang der Bulldogs gar nicht so viele gestandene Österreicher auf den Markt kämen. Jannik Fröwis wechselt zum EHC Winterthur, Felix Beck und Simeon Schwinger werden wohl auch in der Schweiz landen, David Madlener wird nach seiner Katastrophen-Saison zumindest als Einser-Goalie kaum mehr in der ICE-Liga unterkommen. Bleiben eigentlich nur die beiden DEC-Legenden Stefan Häußle und Kevin Macierzynski sowie Sam Antonitsch, Philipp Pöschmann und die Verteidiger Moritz Matzka und Tyler Cuma. Also sechs Spieler. Dornbirns junge Österreicher wie Adem Kandemir oder Marcel Zitz werden es eher nicht in den Fokus der ICE-Klubs schaffen; zumindest nicht als Stammkraft.

Supergau

Nicht zu unterschätzen ist auch, dass durch den Abgang von Znojmo und bei einem ersatzlosen Abgang der Bulldogs die Liga plötzlich wieder die Option hätte, zur Zwölferliga zurückzukehren, was eine Einführung der Zwischenrunde ermöglichen würde.

Es wäre der Supergau für Vorarlbergs Eishockey, wenn die kommende ICE-Saison ohne Vorarlberger Vertreter stattfinden würde. Das können die Dornbirner und Feldkircher nur dann ganz sicher vermeiden, wenn sie an einem Strang ziehen und beide Seiten bei der Allianz gewinnen. Und danach sieht es beim besten Willen nicht aus.