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Düsterer Ausblick: Inflation steigt

22.04.2022 • 15:36 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Inflationsrate liegt in Österreich im März bei 6,8 Prozent - und ist damit so hoch wie seit 1981 nicht mehr
Die Inflationsrate liegt in Österreich im März bei 6,8 Prozent – und ist damit so hoch wie seit 1981 nicht mehr APA/BARBARA GINDL

Die Inflation liegt in Österreich im März bei 6,8 Prozent.

Die Inflationsrate ist im März im Jahresvergleich auf 6,8 Prozent gestiegen. Damit hat die Teuerung laut Statistik Austria den höchsten Wert seit November 1981 erreicht. Damals lag die Inflationsrate bei sieben Prozent. “Das Leben in Österreich hat sich nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine so stark verteuert wie seit über 40 Jahren nicht mehr”, erklärte Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas. Im Februar lag die Inflationsrate noch bei 5,8 Prozent, im Jänner bei fünf Prozent.

Die Preise für Treibstoffe haben sich im März im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte (plus 50,7 Prozent) verteuert, wobei Diesel um 55 Prozent und Superbenzin um 45,3 Prozent teurer wurde. Wohnung, Wasser und Energie kosteten durchschnittlich um 9,7 Prozent mehr. Ausschlaggebend hierfür war ein Preissprung bei Haushaltsenergie (plus 33,5 Prozent) und dabei insbesondere bei Heizöl, das sich mit 118,5 Prozent massiv verteuerte. Daneben legten auch die Gaspreise (plus 71,9 Prozent), die Strompreise (plus 16,5 Prozent) und die Preise für Fernwärme zu (plus 12,2 Prozent).

Inflation im Euroraum erreicht Höchstwert

Im Euroraum wurde im März ein Rekordwert von 7,4 Prozent erreicht, der höchste seit Einführung des Euro im Jahr 1999. Angesichts dessen kommen jetzt auch aus den Reihen der Europäischen Zentralbank (EZB) zahlreiche Signale für einen Zinsschritt im Sommer. “Ich sehe keinen Grund, warum wir unser Programm zum Kauf von Vermögenswerten nicht im Juli auslaufen lassen sollten”, sagte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos am Donnerstag in einem Interview. Deutsche-Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hatte bereits am Mittwoch gesagt, dass die EZB die Zinsen schon im Sommer anheben könnte. Bisher wurde eine solche Zinserhöhung für den Herbst erwartet.

Niedriges Wachstum und hohe Inflation

Angesichts der aktuellen Entwicklungen fällt immer wieder der Begriff der drohenden Stagflation. Darunter versteht man die Kombination aus niedrigem Wachstum und hoher Inflation. Könnte eine solche auch in Österreich drohen, oder ist sie vielleicht schon angekommen? “Sektoral geht es auch in Österreich schon in diese Richtung”, sagt Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (Wifo). Man gehe davon aus, dass “in der Industrie heuer kein Wachstum mehr stattfinden wird”. “Es könnte im zweiten Quartal sogar zu einer Schrumpfung kommen”, sagt der Ökonom. Gleichzeitig würden aber die Erzeugerpreise zweistellige Zuwachsraten aufweisen, was seit Jahrzehnten nicht der Fall gewesen sei.

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Wifo-Chef Gabriel Felbermayr schließt weitere Korrektur der Wirtschaftsprognosen nach unten nicht ausKleine Zeitung

Es seien vor allem die Industrie sowie die industrienahen Dienstleister, die leiden würden. Und es sind in Österreich Tourismus und Gastronomie, die derzeit eine deutliche Erholung nach der Pandemie erleben, und so das Wirtschaftswachstum trotz Stagnation in der Industrie nicht ganz so negativ aussehen lassen, sagt der Experte. Mit ein Grund dafür, warum die Gefahr einer gesamtwirtschaftlichen Stagflation in Österreich nicht so hoch sei, wie beispielsweise gerade in Deutschland, wo die Industrie eine noch größere Rolle spiele, der Tourismus aber nur eine geringe.

Prognosen für Wachstum mit Druck nach unten

Werden also die Prognosen für das Wirtschaftswachstum in Österreich, die seitens des Wifo zuletzt bei 3,9 Prozentpunkten lagen, weiter nach unten korrigiert? “Die Belastungen für die Lieferketten sind nach wie vor da. Und die Verwerfungen, die es derzeit in China gibt, waren bei der letzten Schätzung auch nicht absehbar. In Summe steigt der Druck, die Prognose weiter nach unten zu korrigieren”, erklärt Felbermayr.

Unsicherheitsfaktoren wie die Entwicklung im Ukraine-Krieg, mögliche neuerliche Spritpreiserhöhungen und steigende Preise generell würden die Prognose aber schwierig machen, weil es jederzeit zu Zuspitzungen kommen könne. “Die Lage kann als sehr fragil bezeichnet werden”, sagt Felbermayr, der auch das Thema Angstsparen anspricht. In Deutschland gibt es bereits erste Anzeichen in diese Richtung.

Und auch in Österreich seien erste Tendenzen nicht ganz von der Hand zu weisen. “Die Menschen verschieben aus Angst vor der Zukunft vielleicht nicht ganz so notwendige Einkäufe.” Es sei aber auch nicht so, dass die Konten der Österreicher leer wären. “Im Gegenteil, in den vergangenen zwei Jahren war die Sparquote doppelt so hoch wie normal. Die Frage ist, ob das Geld auch tatsächlich beispielsweise für einen Urlaub oder andere Investitionen ausgeben wird. Das hängt sehr stark mit der Nachrichtenlage zusammen”, ist Felbermayr überzeugt.

OeNB: Hohe Inflation nicht über längeren Zeitraum

Zu einer etwas anderen Einschätzung kommt Gerhard Fenz, Prognoseleiter der Österreichischen Nationalbank. Er sieht derzeit noch nicht die Gefahr einer Stagflation in Österreich, und auch für 2023 keinen Rückgang der Wirtschaft. Eine Stagflation würde eine erhöhte Inflation über einen längeren Zeitraum bedeuten, so Fenz, und das zeichne sich aktuell für Österreich nicht ab.