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Viel Lärm um Nichts

22.04.2022 • 23:41 Uhr / 10 Minuten Lesezeit
Viel Lärm um Nichts
Alexander Kutzer von den Bulldogs und Michael Lampert von der VEU haben wenig überraschend nicht zueinander gefunden. Klaus Hartinger (2)

Die Hintergründe zu Dornbirns Rückzug aus der ICE-Liga und dem erwartbaren Aus der Allianz mit Feldkirch.

Es war nicht anders zu erwarten. Die wacklige Allianz zwischen Dornbirn und Feldkirch ist bereits wieder Geschichte, weil man schlichtweg auf keinen gemeinsamen Nenner für eine gemeinsame Nennung als Team Vorarlberg gekommen ist. Es ist nicht mal überraschend, dass die Bestrebungen für diese Allianz schon so schnell, nach einer Woche oder exakt 167:15 Stunden, in einer Sackgasse geendet haben. Es fehlte einfach jede Grundlage. Man hätte innerhalb weniger Tage eine gemeinsame Strategie entwickeln müssen, viele organisatorische Hürden bewältigen müssen, ein gemeinsames Budget erstellen müssen – und dabei alles überwinden müssen, was die beiden Vereine trennt. Das war völlig illusorisch. Es bleibt zu hoffen, dass der Grundgedanke einer Allianz weiterverfolgt wird; dass in den kommenden Monaten an einem echten Kräftebündeln gearbeitet wird. Eine echte Allianz, ein echtes Miteinander wäre ein großer Gewinn für das Vorarlberger Eishockey.

Was dieser Tage auf dem Tisch lag, war kaum mehr als ein Etikettenschwindel. Wo Team Vorarlberg draufstand, war eigentlich nur die VEU Feldkirch drin. Denn bei dem nun gescheiterten Schnellschuss ging die Initiative wie berichtet von der VEU aus. Feldkirch ging es dabei vordergründig um die schnelle Aufnahme in die ICE Hockey League. Und das ist eben kein solider Boden für so ein ambitioniertes Projekt, bei dem es viel Feingefühl und noch mehr ein offenes Miteinander braucht. Und nicht zuletzt müssen alle heimischen Profiklubs involviert sein.

Viel Lärm um Nichts
Eine Momentaufnahme von Dornbirns vorläufig letztem Spiel in der ICE Hockey League: Die Bulldogs gewannen 4:3 bei Fehervar. ©Soós Attila (Hydro Fehérvár AV19)

Chronologie

Um zu verstehen, was in den vergangenen Tagen im Vorarlberger Eishockey passiert ist, oder letztendlich eben doch nicht passiert ist, muss man mit der Erzählung am vergangenen Freitag beginnen. An jenem Karfreitag war, mal wieder, Nennschluss in der ICE Hockey League. Kurz vor Fristablauf ging im Ligabüro eine Nennung als Team Vorarlberg ein. Noch am selben Tag verbreitete sich eine Nachricht wie ein Lauffeuer in der Liga, die auch die NEUE erfuhr: Die Nennung wies eine rechtlich relevante Auffälligkeit auf. Inzwischen hat die NEUE von zwei ICE-Klubvertretern in Erfahrung gebracht, um welche Auffälligkeit es sich dabei gehandelt hat: Die Nennung wurde nur von der VEU Feldkirch unterschrieben, nicht aber von Dornbirn. Auch deshalb war die allgemeine Skepsis gleich riesengroß in der Liga. Denn damit war offensichtlich, dass die Dornbirner zumindest zum Zeitpunkt der Nennung nicht sonderlich überzeugt von dem Projekt waren.

Auslöser
Noch ein Schritt weiter zurück in der Chronologie erklärt, warum die Bulldogs wohl so skeptisch waren. Eine Indiskretion war nämlich Auslöser für Feldkirchs waghalsigen Versuch, mit einer Allianz mit Dornbirn innerhalb von wenigen Tagen die heimische Eishockeygeschichte umzuschreiben.
In Feldkirch hatte man vergangene Woche erfahren, dass der DEC unmittelbar vor einem Rückzug aus der ICE Hockey League stand. Wie jetzt klar ist, planten die Dornbirner den Ausstieg, weil Hauptsponsor Rauch das Engagement deutlich reduziert hätte. Und weil ob der vielen Unwägbarkeiten wie der Pandemie und der so hohen Inflation keine seriöse Saisonplanung möglich gewesen wäre. Ein Ligaverbleib als Teil eines Team Vorarlbergs hätte Dornbirns nüchterne Überlegungen auf den Kopf gestellt. Doch gar so viel hätten die Bulldogs zu einem Team Vorarlberg wohl gar nicht beisteuern müssen.
Zumal sie dem Ligaplatz ohnehin das wertvollste Puzzleteil für diese Allianz zu bieten hatten. Dadurch hätten die Feldkircher den langersehnten Sprung in die ICE Hockey League geschafft. Ohne Aufnahmegebühr, ohne Abstimmung. Wobei zur Wahrheit auch gehört: Bei der VEU wollten sie schon auch den EHC Lustenau und den EC Bregenzerwald für diese Allianz gewinnen. Doch beide Vereine hatten kein Interesse daran, einer von Lampert und Groß geleiteten Allianz beizutreten, deren Hauptanliegen es war, in der ICE-Liga zu spielen.

Beweggründe

Als in den vergangenen Tagen endgültig klar wurde, dass sowohl die Lustenauer als auch die Wälder bei ihrem Nein für das unausgegorene Projekt „Team Vorarlberg“ blieben, waren die Träume von einer Allianz für die nahe Zukunft geplatzt. Denn für eine Allianz hätten die Feldkircher eben Mitstreiter gebraucht.
Was zur Frage führt, warum die Bulldogs zunächst Feldkirchs Bewerbung als Team Vorarlberg unterstützten. Unterstützten – denn eine gemeinsame Bewerbung war es genaugenommen gar nicht. Dazu fehlte Kutzers Unterschrift. Was wohl auch die Erklärung dafür ist, dass er eine ganze Woche lang nicht erreichbar war und sich auch gestern wortkarg gab.
Seine Beweggründe für die Unterstützung der VEU kennt wahrscheinlich nur ein sehr kleiner Kreis beim DEC. Vielleicht sogar nur Kutzer selbst. Am wahrscheinlichsten ist, dass er dem Projekt eine Chance geben wollte, möglicherweise, weil er im Vorjahr in Vorarlberg in einer aufgeheizten Stimmungslage als Hauptverantwortlicher dafür ausgemacht wurde, dass die VEU die Mehrheit für die ICE-Aufnahme verpasst hatte. Obwohl der VEU zwei Stimmen zur Aufnahme fehlten – und die wirklichen Verhinderer der VEU-Aufnahme diesseits des Arlbergs zu finden waren.

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Ohne EHC-Lustenau-Boss Herbert Oberscheider ist ein EC Vorarlberg völlig undenkbar. Oberscheider wäre die vermittelnde Kraft. Maurice Shourot

Es bräuchte Zeit
Falls Kutzer nun aus einem falschverstandenen Pflichtgefühl heraus die VEU unterstützt hat, dann hat er hoffentlich aus den Entwicklungen der vergangenen Tage gelernt, dass es so ein bisschen schwanger sein nicht gibt. Entweder man steht hinter einem Projekt oder man lässt es. Vielleicht hat er aber einfach nur gehofft, dass es in Gesprächen mit Lampert und Groß zu einer Annäherung kommt. Doch ein Projekt wie das Team Vorarl­berg braucht viel Zeit. Das hätte eigentlich ihm und allen Beteiligten klar sein müssen.

Viele Fragezeichen

Aus heimischer Sicht bedeutet der ICE-Rückzug der Bulldogs und das Aus des Team Vorarlbergs nichts Gutes für die kommende Saison. Die Sache ist jedenfalls viel komplexer als die einfache Rechnung aufzustellen, dass mit dem Abgang der Bulldogs ein österreichischer Ligaplatz in der ICE Hockey League freigeworden ist; und die VEU daher aufgenommen wird. Die Vorbehalte gegenüber der VEU sind weiterhin groß. Mit der jüngsten Episode sind diese Vorbehalte auch sicher nicht kleiner geworden.
Abgesehen davon käme eine Reduzierung der Ligagröße vielen Klubs gerade recht. Znojmo ist zwar noch nicht so sicher raus aus der Liga wie kolportiert wurde, aber bei einem ersatzlosen Abgang der Bulldogs würde die ICE Hockey League zumindest auf 13 Vereine schrumpfen. Und falls Znojmo tatsächlich ebenfalls aussteigt, könnte man zum favorisierten Zwölferformat samt Zwischenrunde zurückkehren. Noch eine Unwägbarkeit: Sollte Österreich bei der A-WM prompt wieder absteigen, bliebe in der kommenden Saison wohl kaum Zeit für eine vernünftige 14er-Liga. Weil die B-WM zwei Wochen früher beginnt als die A-WM. Deshalb hat die ICE-Liga den Termin für die Generalversammlung neuerlich verschoben, man will Österreichs letztes und wohl entscheidendes Gruppenspiel gegen Großbritannien am 23. Mai abwarten, bevor man über das Ligaformat entscheidet.

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Wenn Österreich bei der A-WM den Klassenerhalt schafft, steigen die Chancen, dass es beim 14er-Format der ICE-Liga bleibt – und dann sich würden auch Feldkirchs Chancen auf eine Aufnahme verbessern. GEPA

Kaderregelung
Ein Problem für die VEU ist auch, dass mit Dornbirns Abgang nur eine Handvoll gestandene österreichische Spieler auf den Markt kommen. Bliebe es bei sieben österreichischen Vereinen, würde sich der Transfermarkt wieder zugunsten der Klubs entwickeln, die zuletzt nach oben ausschlagende Preisspirale für österreichischen Spieler wäre zumindest gestoppt. Auch kein Vorteil für die VEU ist, dass die Vereine mit der Liganennung die Einführung der neuen Kaderregelung angenommen haben. Es müssen zukünftig zwölf österreichische Spieler am Spielberichtsbogen stehen – bei maximal zehn Legionären. Wenige Klubs trauen Feldkirch zu, diese Kriterien zu erfüllen.

Zukunft

Dornbirn wird kommende Saison als Spielgemeinschaft mit dem EC Bregenzerwald bestreiten. Ob dann die Alps Hockey League in der jetzigen Form noch Bestand hat, ist unsicher. Die Italiener drängen so forsch wie noch nie aus der Liga, deshalb zeichnet sich eine Liga mit ausschließlich österreichischen Teilnehmern ab.

In der NEUE am Sonntag: Zur Vorarlberger Eishockey-Zukunft.