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Altacher Freudentaumel

20.05.2022 • 23:32 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Nach dem Schlusspfiff brachen alle Dämme im Schnabelholz. <span class="copyright">GEPA/Lerch</span>
Nach dem Schlusspfiff brachen alle Dämme im Schnabelholz. GEPA/Lerch

Altacher 2:1-Sieg sorgt für Klassenerhalt und für Volksfeststimmung in der Cashpoint-Arena.

Um punktgenau 20.52 Uhr war es so weit. Der SCR Altach lieferte den überlebenswichtigen Sieg gegen die WSG Tirol ab und bleibt daher in der Bundesliga. Am Ende war es trotz einer 2:0-Führung ein Zittersieg, denn Bakary Nimaga sah in der 67. Minute die Ampelkarte und die Tiroler kamen kurz darauf auf 1:2 heran. Dabei blieb es und damit war der zweite Heimsieg (!) der gesamten Saison auch entscheidend. Somit sind nach 22 Jahren Pause in der kommenden Saison wieder zwei Vorarlberger Vertreter in der obersten Spielklasse.  

Bei den zum Siegen verdammten Hausherren war eigentlich klar, dass Cheftrainer Ludovic Magnin nach dem 3:0 bei Admira Wacker kaum einen Grund hatte seine Startformation zu ändern. Doch überraschend musste Mittelfeldakteur Gianluca Gaudino auf der Ersatzbank Platz nehmen. Für ihn rückte Stefan Haudum nach.

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Die Stimmung in der Cashpoint Arena war schon vor dem Anpfiff am Siedepunkt. APA

WSG mit sieben Neuen

Die mit Spannung erwartete Aufstellung des Gegners, der am Montag sein erstes Europa-Cup-Play-off-Spiel gegen den Fünften der Meistergruppe bestreitet, wies hingegen eine enorme Veränderung im Vergleich zum letzten Spiel gegen Hartberg (Anm.: 4:2-Sieg) auf. Coach Thomas Silberberger schickte gleich sieben neue Spieler ins Rennen, zwei davon saßen zuletzt nicht einmal auf der Ersatzbank. Und mit Goalgetter Giacomo Vrioni (16 Treffer) und Thomas Sabitzer (8) war ein Duo in der Warteschleife, das zusammen mehr Tore erzielte wie der SCR Altach zuvor in der gesamten Saison.

Klingt nach einem Riesenvorteil für die Rheindörfler, doch gerade diese Umstellungen machten die Tiroler – Silberberger versprach die Party in der Cashpoint-Arena zu crashen – unberechenbar. So oder so war von den Magnin-Schützlingen von Beginn an Einsatz pur gefragt. Und nach nur 30 Sekunden holte Johannes Tartarotti, der an diesem Abend zur Höchstform auflief, einen Freistoß heraus. Er selbst beförderte den Ball in die Mauer, von dort landete das Spielgerät über Christoph Monschein bei Bakary Nimaga (3.), der mit einem abgefälschten Schuss WSG-Keeper Benjamin Ozegovic bezwang.

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Als der Klassenerhalt geschafft war, fielen sich Altach-Trainer Ludovic Magnin und Teammanager Mario Mayer in die Arme. GEPA/Lerch

Das Glück strapaziert

Dieser Blitzstart beeindruckte die Tiroler aber überhaupt nicht. Nach zwei Halbchancen der Gäste strapazierte das Ländle-Team in Minute zehn das Glück. Nach einem Ogrinec-Versuch von der Strafraumgrenze verhinderte die rechte Stange den Ausgleich. In der nächsten Viertelstunde gaben aber wieder die Altacher den Ton an. Nimaga servierte aus der eigenen Hälfte auf Monschein (21.), der im 1:1-Duell mit Ozegovic den Kürzeren zog. Und nach einer erneuten Nimaga-Traumflanke verfehlte ein Kopfball von Atdhe Nuhiu (26.) um Zentimeter sein Ziel. Damit hatten die Kontrahenten zumindest bis zur Pause ihr Pulver verschossen, beidseits war an der Strafraumgrenze Endstation.

Die zweite Halbzeit entwickelte sich vor 8026 (!) Zuschauern zu einem wahren Krimi. Und das, obwohl die Gastgeber in Minute 52 ihren Vorsprung ausbauten. Dem früh attackierenden Felix Strauss sprang der Ball ins Gesicht, er lief aber trotzdem weiter, versetzte auf dem Weg zum Tor Raffael Behounek und traf zum 2:0.

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Felix Strauss bejubelt sein 2:0. Das Tor war jedoch keine Vorentscheidung. GEPA/Lerch

Ein Hexenkessel

Dann überschlugen sich die Ereignisse. Wie anfangs erwähnt musste Nimaga vorzeitig unter die Dusche und kurz darauf verkürzte der eingewechselte Vrioni (74.) auf 1:2. Im „Hexenkessel“ Schnabelholz ging es nun hin und her. So verfehlte Haudum (75.) knapp, auf der Gegenseite scheiterte Vrioni (79.) und der neu ins Spiel gekommene Dominik Reiter (85.) verpasste freistehend alles klar zu machen. Als aber die letzte Aktion der Gäste in der fünfminütigen Überzeit erfolglos blieb, brachen alle Dämme.