International

Schulmassaker: Fehler der Polizei eingeräumt

29.05.2022 • 15:21 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Begleitet wurde der Auftakt des Jahrestreffens der National Rifle Association (NRA) von Protesten
Begleitet wurde der Auftakt des Jahrestreffens der National Rifle Association (NRA) von Protesten APA/AFP/PATRICK T. FALLON

Angreifer sprach in Gruppenchats bei Instagram über den Waffenkauf.

Die texanischen Behörden haben nach dem Schulmassaker in der Kleinstadt Uvalde mit 21 Todesopfern Fehler der Polizei eingeräumt. Der Leiter der Behörde für öffentliche Sicherheit des US-Bundesstaates, Steven McCraw, sagte am Freitag, es sei die “falsche Entscheidung” gewesen, das Klassenzimmer, in dem der Schütze sich befand, nicht früher zu stürmen. “Im Nachhinein war es natürlich nicht die richtige Entscheidung”, sagte McCraw. “Dafür gibt es keine Entschuldigung.”

US-TEXAS-SCHOOL-CRIME
McCrawAPA

In den USA werden Polizisten ausgebildet, bei Amokläufen oder Schusswaffenangriffen an Schulen so schnell wie möglich den Täter auszuschalten, um weitere Todesopfer zu verhindern. Ein anderes Vorgehen wird beispielsweise bei Geiselnahmen angewandt.

19 Kinder und zwei Lehrerinnen erschossen

Der 18-jährige Schütze hatte am Dienstag in der Volksschule Robb Elementary School in Uvalde 19 Kinder und zwei Lehrerinnen erschossen. In der Folge wurde zunehmende Kritik an der Polizei laut. Den Einsatzkräften wird vorgeworfen, nicht schnell und entschieden genug eingegriffen zu haben. Die Behörden gerieten auch wegen falscher und unpräziser Angaben zu dem Schulmassaker in die Kritik.

Behördenchef McCraw machte nun detaillierte Angaben zum zeitlichen Ablauf des Schulmassakers. Demnach drang der Angreifer am Dienstag um 11.33 Uhr in die Schule ein und feuerte umgehend “mehr als 100 Schüsse” ab. Nur zwei Minuten später, um 11.35, betraten die ersten drei Polizisten die Schule. Zwei von ihnen wurden leicht verletzt, als der Schütze auf sie feuerte.

In der Folge trafen immer mehr Polizisten ein, um 12.03 waren bis zu 19 Beamte im Schulgang, wie McCraw sagte. Die ersten Mitglieder eines Sondereinsatzkommandos trafen um 12.15 Uhr ein. Erst um 12.50 Uhr stürmten die Einsatzkräfte schließlich das Klassenzimmer und erschossen den Angreifer.

In der Zwischenzeit hatten Schulkinder aus zwei miteinander verbundenen Klassenzimmern mehrfach den Notruf gewählt. Um 12.03 Uhr rief eine Schülerin bei der Polizei ein und sagte, sie befinde sich in Klassenzimmer 112. Um 12.10 Uhr rief das Mädchen erneut an und sagte, es gebe zahlreiche Tote. In einem weiteren Anruf um 12.16 Uhr sagte die Schülerin, dass acht bis neun Mitschüler am Leben seien.

Um 12.43 Uhr und 12.47 Uhr bat eine Schülerin über den Notruf, “bitte jetzt die Polizei zu schicken”, wie McCraw sagte. Um 12.50 Uhr sind demnach auf der Aufnahme Schüsse zu hören, um 12.51 Uhr ist dann zu hören, wie Polizisten die Kinder aus dem Klassenzimmer bringen.

Tat nicht vorher öffentlich angekündigt

Die Behörden korrigierten zudem Angaben über Veröffentlichungen des Schützen auf Facebook. “Ich möchte etwas richtig stellen, was zu Beginn der Ermittlungen gesagt wurde”, betonte McCraw. So habe der 18 Jahre alte Schütze seine Tat nicht kurz vorher öffentlich auf Facebook angekündigt. Stattdessen habe er private Nachrichten über einen Messenger-Dienst abgesetzt.

Jahrestreffen der US-Waffenlobbygruppe NRA

Nur drei Tage nach dem Grundschulmassaker hat die mächtige US-Waffenlobbyorganisation NRA ihr dreitägiges Jahrestreffen begonnen. Tausende Besucher strömten am Freitag in die Veranstaltungshalle in der texanischen Großstadt Houston. Während für den Nachmittag eine Rede von Ex-Präsident Donald Trump geplant war, gab es mehrere prominente Absagen.

Auch Country-Star Don McLean (“American Pie”) sagte ab. McLean erklärte, es wäre “respektlos und verletzend”, bei einem für Samstagabend geplanten Konzert aufzutreten. Medienberichten zufolge sagten auch andere Country-Musiker wie Lee Greenwood und Larry Gatlin ab.

Zuvor hatte bereits der Waffenhersteller Daniel Defense, aus dessen Produktion das bei dem Grundschulmassaker verwendete Sturmgewehr stammte, angekündigt, nicht an dem NRA-Jahrestreffen teilzunehmen. “Wir glauben, dass diese Woche nicht der richtige Zeitpunkt ist, um auf der NRA-Tagung in Texas für unsere Produkte zu werben”, erklärte das Unternehmen.

Bei dem Jahrestreffen stellen zahlreiche Hersteller ihre Waffen aus. Ein etwa 60-jähriger Mann zeigte sich am Freitag begeistert von einem Gewehr des Herstellers Hellion. Auf die Frage, ob er bereits Waffen besitze, sagte er lachend: “Ich habe in jedem Zimmer meines Hauses Schusswaffen.”

Begleitet wurde der Auftakt des Jahrestreffens der National Rifle Association (NRA) von Protesten. Vor dem Veranstaltungsort versammelten sich Demonstranten, die unter anderem Fotos der in Uvlade getöteten Kinder zeigten. Eine Frau hielt ein Plakat mit der Aufschrift “Nein zu Waffen” hoch.