Österreich

17-Jährige starb nach Messerstichen

31.05.2022 • 20:47 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Hängebrücke Highline 179
Hängebrücke Highline 179 APA / ZOOM.TIROL

Es handelt es sich um den siebenten vollendeten mutmaßlichen Femizid, begangen durch (Ex-)Partner, in diesem Jahr.

Ein 18-jähriger Deutscher soll am Montag seine 17-jährige Freundin, eine Tirolerin, in einem Auto auf einem Parkplatz im Tiroler Außerfern mit Messerstichen in die Brust getötet haben. Der Mann nahm sich nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) wenig später das Leben, indem er von der 114 Meter hohen Hängebrücke Highline 179 gesprungen ist. Die junge Frau wollte sich, wie Befragungen ergaben, von ihrem Freund trennen, sagte LKA-Leiterin Katja Tersch zur APA.

Dem gewaltsamen Tod dürfte unmittelbar zuvor ein Streit voraus gegangen sein, sagte Tersch. Die beiden waren seit einem Jahr in einer Beziehung, hatten jedoch nicht zusammengelebt. Es kam in dieser Zeit zu keinen Streitigkeiten, die der Polizei bekannt gewesen seien, hieß es. “Es liegt weder eine polizeiliche Vormerkung, noch ein Betretungsverbot oder eine Wegweisung vor”, berichtete die LKA-Leiterin. Beide seien “einer geregelten Arbeit” nachgegangen.

Obduktion durchgeführt

Am Dienstag wurde bei den beiden Leichen eine Obduktion durchgeführt. Es wurde dabei bestätigt, dass die 17-Jährige an den Folgen mehrerer Messerstiche am Oberkörper verstorben war. Der Mann starb an den Folgen des Sturzes.

Das Opfer stamme aus dem Bezirk Imst, auch ihr Freund habe dort gelebt. Ersten Ermittlungen zufolge habe der 18-Jährige seine Freundin am Montag zwischen 17.00 und 18.00 Uhr von der Arbeit abgeholt und sei mit ihr Richtung Reutte gefahren. Wohin die beiden wollten, war vorerst nicht bekannt.

Die junge Frau wurde laut Polizei mit mehreren Messerstichen in der Brust tot im Auto aufgefunden. Tersch ging davon aus, dass dort auch der tödliche Messerangriff verübt worden sei. Die Polizei stellte im Auto ein Klappmesser sicher. Dabei soll es sich um die Tatwaffe handeln.

Mehrere Passanten waren am Montagabend im Bereich der Highline unterwegs. Der junge Mann sei beobachtet worden, wie er “alleine auf der Brücke hin und herging”, so die LKA-Leiterin. Die Polizei war auf die Tat durch eine Passantin aufmerksam gemacht worden, die am Montag gegen 20.30 Uhr den Suizid des jungen Mannes gemeldet hatte. Daraufhin sei die Leiche der 17-Jährigen in dem Pkw gefunden worden.

Bei dem tödlichen Messerangriff auf die 17-Jährige handelt es sich laut APA-Zählung in diesem Jahr um den siebenten vollendeten mutmaßlichen Femizid, begangen durch (Ex-)Partner. Sieben weitere Frauen wurden heuer getötet, zwei von ihren Söhnen, zwei von anderen Frauen, drei durch Personen ohne Naheverhältnis. Außerdem starb ein sechsjähriges Mädchen durch seinen Vater, der anschließend Suizid beging.

Laut der Leiterin des Frauenhaus Tirol, Gabriele Plattner, wird ein Femizid selten im Affekt begangen, wie sie im APA-Gespräch ausführte. Zumeist lägen auch “gewaltförmige Beziehungsmuster” vor. Femizide seien “lediglich die Spitze des Eisbergs”, wenn es um Gewalt an Frauen gehe. Es bestehe “großer Aufholbedarf” in puncto Geschlechtergerechtigkeit und Gewaltschutz. Bei den Femiziden liege Österreich “im traurigen europäischen Spitzenfeld”, hielt Plattner fest.

Die Tiroler Gewaltschutzexpertin pochte auf “ausgebaute Kooperation und Vernetzung zwischen Frauenorganisationen und Unterstützungseinrichtungen sowie Zusammenarbeit mit Polizei und Gerichten”. Die Schaffung von Geschlechtergerechtigkeit und den Abbau von Abhängigkeitsverhältnissen sah sie als “dringende Aufgabe der Politik”. Aus dem Umstand, dass es sich um zwei sehr junge Menschen handelte, leitete Plattner die Forderung ab, mehr in Präventionsarbeit für Teenager zu investieren, etwa in Form von Informationsveranstaltungen an Schulen.

Die Tat führte auch zu weiteren Reaktionen und Forderungen. SPÖ-Frauenvorsitzende Abg. Eva-Maria Holzleitner forderte in einer Aussendung erneut einen Krisengipfel mit Frauenorganisationen und Gewaltschutzeinrichtungen. “Kein Tag vergeht, ohne dass einer Frau Gewalt angetan wird”, kritisierte sie. Die Bundesregierung sei bei der Umsetzung der Istanbul-Konvention säumig. Holzleitner mahnte 228 Millionen Euro und 3.000 zusätzliche Vollzeitstellen angesichts der offensichtlichen “Lücken im Gewaltschutz” ein. Selbiges forderte der Österreichische Frauenring (ÖFR), die Dachorganisation österreichischer Frauenvereine.

Hilfe für Frauen

In Österreich finden Frauen, die Gewalt erleben, Hilfe und Informationen bei der Frauen-Helpline unter:

  • 0800-222-555 (kostenlos und rund um die Uhr), www.frauenhelpline.at;
  • beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) unter www.aoef.at;
  • der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie: www.interventionsstelle-wien.at
  • beim 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien: 01-71719 sowie beim Frauenhaus-Notruf unter 057722

Wer hilft, wenn man nicht mehr weiter weiß?

Wenn Sie oder ein Angehöriger sich in einer scheinbar ausweglosen Situation befinden, zögern Sie nicht, Hilfe anzunehmen bzw. anzubieten – oft ist eine Situation gar nicht so ausweglos, wie sie scheint. Links, Adressen und Kontaktmöglichkeiten finden Sie hier:

Kriseninterventionsteam
Telefonberatung: 01 / 406 95 95 von Montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr.

Persönliche Erstgespräche können nach telefonischer Rücksprache von Montag bis Freitag 10 bis 16 Uhr in der Lazarettgasse 14A, 1090 Wien geführt werden.

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