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Weniger bekannt, aber oho

05.06.2022 • 13:15 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Harald Rammel</span>
Harald Rammel

Amerikanische Gemüsearten, um kulinarischen Horizont zu erweitern.

Tomaten, Paprika, Kartoffel, Mais usw. sind fixer Bestandteil unserer Esskultur. Ursprünglich stammen all diese Pflanzen aus Amerika. Sie wurden über die Jahrhunderte in Europa angesiedelt und haben sich als wertvolle Nahrungsmittel etabliert. Aus Amerika stammen noch weitere spannende Gemüsearten, die ich Ihnen heute vorstellen möchte. Wir haben verschiedene Kulturen in den letzten Jahren ausprobiert und die anbauwürdigsten in unser Gemüsesortiment aufgenommen.

Tomatillo

Eng mit den Tomaten verwandt ist die Tomatillo. Sie stammt aus Mexiko und bildet dort die Grundlage der wichtigen Salsa verde, einer Grundsauce für die verschiedensten Gerichte. Die Früchte der Tomatillo sind je nach Sorte grün, gelb, lila oder rötlich gefärbt. Meist sind sie von einem dünnen, trockenen Lampion umhüllt. Nicht nur im Aussehen ähnelt sie der Tomate, auch der Anbau ist vergleichbar. Gepflanzt wird Ende Mai, idealerweise im Gewächshaus. Ab Ende Juli lassen sich von den tischhohen Pflanzen runde, etwa golfballgroße Früchte ernten. Ausgereift werden die Früchte heller. Dann entwickelt sich ein süßsäuerlicher Geschmack. In der Küche verarbeitet man die Früchte zu Salsa verde, aber auch gegrillt, in Olivenöl gebraten oder für Eintöpfe und Suppen nimmt man sie.

Tomatillo. <span class="copyright">Harald Rammel</span>
Tomatillo. Harald Rammel

Chayote

Spannend finde ich die aus Mexiko stammende Chayote. Diese Kletterpflanze ist ausdauernd, aber nicht frostfest. Gezogen wird die Pflanze mit den großen, stacheligen Früchten ähnlich einer Gurke. Sie brauchen es etwas wärmer als die Tomatillo, wodurch wir sie stets im Gewächshaus pflanzen. Die stacheligen Früchte selbst werden knapp ein Kilo schwer. Sie schmecken roh wie ein zarter Kohlrabi und lassen sich auch gekocht oder gedünstet genießen. Sogar die Blätter sind essbar und schmecken wie Bohnen. Mit den Früchten ist im Spätsommer zu rechnen. Warme Septembertage tun der Pflanze merkbar gut.

Chayote. <span class="copyright">Harald Rammel</span>
Chayote. Harald Rammel

Yakon

Ein ertragreiches Knollengemüse ist Yakon. Die Pflanze ähnelt von Wuchshöhe und Knollenform einer Dahlie, blüht aber nicht so schön. Es geht ja auch um die Knollen, die je nach Sorte, weiß bis rötlich sind. Die Pflanzen werden aus Sprossentrieben weitervermehrt und Ende Mai gepflanzt. Es bilden sich an den mannshohen Büschen große, weiche, pfeilförmige Blätter. Der Freilandanbau beginnt nach den Eismännern. Wurzelsprosse werden dazu schon im April im Gewächshaus vorgetrieben und mit einem Vegetationsvorsprung Ende Mai gepflanzt. Da wir die großen Knollen ernten, haben sich breite Dämme bewährt. Nach dem ersten Frost stirbt die Pflanze oberirdisch ab. Die Wurzelknollen werden dann wie Dahlien vorsichtig gerodet und getrocknet. Damit Yakon schön süß schmeckt, müssen die Knollen einige Tage der Sonne ausgesetzt werden. Im kühlen Keller mit ausreichend Luftfeuchtigkeit erfolgt die Aromabildung etwas langsamer. Yakon-Knollen sind roh, gedünstet oder gebacken genießbar. Die Verarbeitung zu Chips ist ebenfalls möglich, genauso das Entsaften. Dünne Knollenscheiben lassen sich auch gut dörren und als Knabberzeug reichen.

Yakon. <span class="copyright">Harald Rammel</span>
Yakon. Harald Rammel

Süßkartoffel

Seit einigen Jahren nimmt der Anbau von Süßkartoffeln in Europa Fahrt auf. In wärmeren Gegenden zählt die Süßkartoffel zu den wichtigsten Stärkelieferanten. Löst man sich gedanklich etwas von der Kartoffel, findet man in der Süßkartoffel ein nahrhaftes, süßlich schmeckendes Gemüse, das sich braten, frittieren, grillen oder zu Stampf verarbeiten lässt. Im Anbau liebt es die Süßkartoffel warm. Sie gedeiht in den Vorarlberger Tallage durchaus auch im Freien. Gepflanzt wird Ende Mai. Ab Mitte September ist mit der Ernte der großen Knollen zu rechnen. Dabei ist es wichtig, die gerodeten Knollen einige Tage bei Zimmertemperatur zu lagern, damit Ernteverletzungen ausheilen können. Danach lagert man die Süßkartoffel bei rund 15 Grad Celsius über mehrere Monate. Sinkt die Temperatur am Lager, leiden Festigkeit und Geschmack.

Wir haben diese vier Gemüsearten in den letzten Jahren mehrfach ausprobiert und bieten sie ab ihrer Erntereife ab Hof oder am Wochenmarkt in Dornbirn an. Die neuen Geschmacksrichtungen sind nicht nur für experimentierfreudige und ernährungsbewusste Menschen eine Bereicherung. Tolle Rezepte im Internet helfen mit, unseren kulinarischen Horizont zu erweitern.

Süßkartoffel. <span class="copyright">Harald Rammel</span>
Süßkartoffel. Harald Rammel

Gertrud Baumgartner, Gertruds Garten, Dornbirn