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Wie eine Kampagne die Pflegemisere lindern soll

09.06.2022 • 19:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kampagne soll junge Menschen und Berufumsteiger für den Pflegeberuf begeistern.<span class="copyright">Adobe STock</span>
Kampagne soll junge Menschen und Berufumsteiger für den Pflegeberuf begeistern.Adobe STock

Videos, Welcome-Center und Ausbildungsförderung: Land präsentierte Maßnahmen, um dringend benötigte Pflegefachkräfte zu gewinnen.


Sie haben dieselben Schulen besucht, dieselbe Ausbildung absolviert, am gleichen Tag geheiratet und arbeiten beide seit über 20 Jahren als diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen am Landeskrankenhaus Feldkirch. Die Zwillingsschwestern Julia Meusburger und Barbara Ghesla gehören zu einer ganzen Reihe von Markenbotschafterinnen und -botschaftern, die jungen Menschen und Umsteigern den Pflegeberuf schmackhaft machen sollen. Die beiden Schwes­tern bemühen sich im Video zwar redlich – ob die gestern vorgestellte Kampagne den eklatanten Pflegenotstand tatsächlich zu lindern vermag, bleibt allerdings abzuwarten.

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Kampagne vorgestellt

Die zuständigen Landesrätinnen Katharina Wiesflecker (Soziales) und Martina Rüscher (Gesundheit) sowie der Geschäftsführer der Landeskrankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), Gerald Fleisch, zeigten sich am Donnerstag von der Kampagne überzeugt, gleichzeitig wiesen sie auf die finanziellen Verbesserungen hin, die die vom Bund angekündigte Pflegereform mit sich bringen wird. Wie berichtet werden dafür in den nächsten drei Jahren 225 Millionen Euro zur Verfügung stehen, weitere 75 Millionen steuern die Länder bei.

Pflegekampagne "Mein Job fürs Leben" wurde am Donnerstag präsentiert. <span class="copyright">VLK</span>
Pflegekampagne "Mein Job fürs Leben" wurde am Donnerstag präsentiert. VLK

Die Kampagne läuft unter dem Titel „Mein Job fürs Leben“ und wird von den Landekrankenhäusern und dem Vorarlberger Sozialfond getragen. Nach Ansicht von Spitalsdirektor Gerald Fleisch bringt der Slogan auf gelungene Weise zum Ausdruck, was Pflege bedeutet. Es gehe vorranging darum, die vielfältigen Pflege- und Betreuungsberufe vorzustellen und deren Vorzüge hervorzuheben: „Die enorm sinnstiftende Arbeit, die hohe Zukunftssicherheit, große Jobvielfalt und Karrieremöglichkeiten, die flexiblen Jobmodelle und auch die gute Bezahlung sollen ins rechte Licht gerückt werden, ohne dabei die täglichen Herausforderungen und Anstrengungen schön färben zu wollen“, erläuterte Fleisch.

Die Kampagne soll nun im gesamten deutschsprachigen Raum ausgerollt werden, um zusätzliche Pflegefachkräfte nach Vorarlberg zu locken. „Wir wollen die vielfältigen Berufsbilder, Ausbildungswege und Karrierechancen aufzeigen und die nötigen Anreize schaffen, um aufgrund des steigenden Bedarfs dringend benötigte Pflegekräfte für Vorarlberg zu gewinnen“, sagte Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher

EIn Sujet der Pflegekampagne. <span class="copyright">VLK</span>
EIn Sujet der Pflegekampagne. VLK

Ausbildungsförderung

Dass die Pflegeausbildungen attraktiver gestalte werden müssen, betonte auch Sozial-Landesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne). Sie zeigte sich erfreut, dass es nach langjährigen Bemühungen und coronabedingt verzögert gelungen sei, in das Pflegepaket des Bundes einen Ausbildungsfonds zu verhandeln. Wer eine Pflegeausbildung absolviert, erhält ab September 2022 eine Ausbildungsförderung von 600 Euro monatlich. Insgesamt werden damit für eine einjährige Pflegeassistenzausbildung 7200 Euro, für eine zweijährige Pflegefachassistenzausbildung 14.400 Euro und für eine dreijährige Diplom- oder Bachelorausbildung 21.600 Euro über den jeweiligen Ausbildungsträger ausbezahlt. Personen, die die Förderbedingungen der connexia Implacementstiftung Betreuung und Pflege erfüllen, erhalten zusätzlich zur derzeitigen Unterstützung 200 Euro im Monat, die laufende Unterstützung erhöht sich also auch für diese Zielgruppe um 2400 Euro jährlich.

Welcome-Center

Zudem wurde beim Kooperationspartner Connexia ein Welcome Center für interessierte Berufsein- und umsteiger eingerichtet. Eine gute Beratung zu den verschiedenen Ausbildungsangeboten sei ungemein wichtig, hielt Wiesflecker fest. Die Angliederung an die Connexia Implacementstiftung sei naheliegend, da dadurch keine neue Struktur geschaffen werden musste, sondern die bewährten Beratungsangebote der connexia erweitert und für Synergien genutzt werden können. Die Informations- und Beratungstätigkeit des Welcome Centers erstreckt sich laut Wiesflecker auf praktisch alle Berufsgruppen im Gesundheits- und Sozialbereich.