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Zum 60. Geburtstag von Hubert Strolz

26.06.2022 • 02:46 Uhr / 19 Minuten Lesezeit
Zum 60. Geburtstag von Hubert Strolz
Hubert Strolz mit einem fast schon poetischen Blick in die Ferne. Klaus Hartinger

Olympiasieger Hubert Strolz feiert in Warth seinen 60. Geburtstag.

Was macht es mit Ihnen, dass Sie den 60. Geburtstag feiern?
Hubert Strolz (lächelt): Da ich gesund bin und keine Beschwerden habe, ich jeden Tag mit Kraft angehen kann, würde ich sagen, geht es mir gut. Ich wunder’ mich aber schon: Ja gibt’s denn das, bin ich wirklich schon 60? Es fühlt sich überhaupt nicht so an für mich.

Das heißt aber, Sie haben sich schon mit dieser Zahl, mit Ihrem 60. Geburtstag auseinandergesetzt?
Strolz: Natürlich. Der 60. Geburtstag ist kein Geburtstag wie jeder andere. So langsam wird der Ruhestand ein Thema, und vor allem beginnen einen Aspekte des Lebens zu beschäftigen, mit denen ich mich bislang nicht so intensiv auseinandergesetzt habe. Wie geht es mit der nächsten Generation weiter? Ist das, was man selbst gemacht und erschaffen hat, in der Zukunft noch wertvoll? Es geht um eine Weichenstellung, die über das eigene Leben hinausgeht, es geht um eine Weichenstellung für die ganze Familie.

Zum 60. Geburtstag von Hubert Strolz
In der Natur fühlt sich Hubert Strolz wohl. Klaus Hartinger

Sie sprechen von Werten?
Strolz: Es geht um eine gewisse Haltung, ein Verständnis, und, ja, um Werte, die ich von meinen Eltern vermittelt bekommen habe und die ich an Johannes und Anna-Maria, also die nächste Generation der Familie Strolz, weitergeben möchte. Jede Generation geht ihre eigenen Wege, die Jugend steht für Aufbruch, für Neues. Das ist gut so. Wenn ich nur an die 60 Jahre denke, in denen ich auf der Welt bin, wie sich in dieser Zeit das Leben verändert hat. Man kann sich das heute gar nicht mehr vorstellen, mit welch einfachen Mitteln mein Vater unsere Landwirtschaft geführt hat. Genauso werden sie wohl in 60 Jahren darüber staunen, wie wir heute gelebt und gearbeitet haben. Die nächste Generation blickt immer nach vorn, will neue Errungenschaften feiern, will die Welt weiterentwickeln, strebt den Wandel an. Doch bei allem Fortschritt ist es wichtig, eine Wertebasis zu haben, als ein Fundament, auf dem das eigene Leben beruht und ausgerichtet ist.

Was gerade in der schnelllebigen digitalen Welt von heute so wichtig ist?
Strolz: Es gilt, so gut man kann, mit der Zeit mitzugehen, wobei die Jugend von heute natürlich einen ganz anderen Zugang zur digitalisierten Welt hat – die Jungen sind in diese Zeit hineingeboren und mit diesen technischen Möglichkeiten aufgewachsen. Für die junge Generation ist das heutige Tempo ganz normal, wie dass Nachrichten in Sekundenschnelle bis ans andere Ende der Welt verschickt werden können. Ich verschicke auch Nachrichten am Handy, aber während ich an einer Nachricht herumtippe, schreiben Johannes und Anna-Maria zehn Nachrichten. Jede Zeit hat ihren eigenen Charakter. Immer wichtig bleibt, dass man Eigenverantwortung für sein Leben übernimmt. Wir in Mitteleuropa haben die Voraussetzungen dafür und haben das Glück, dass es bei uns einen sozialen Ausgleich gibt und zumindest prinzipiell alle Kinder Zugang zu einer sehr guten Bildung haben. Das wird heute bei uns als selbstverständlich angesehen, aber das war noch vor wenigen Generationen völlig illusorisch, und das ist es noch heute in vielen Regionen dieser Welt. Meinen Eltern ist es sehr wichtig gewesen, mir und meiner Schwes­ter die bestmögliche Bildung zu bieten. Ich durfte 1972 mit zehn Jahren in die neu eröffnete Skihauptschule nach Schruns gehen. Das war der Grundstein dafür, dass ich meine Fertigkeiten perfektionieren konnte, und somit die Basis für meine späteren sportlichen Erfolge, ohne die wir jetzt nicht miteinander dieses Interview über meinen 60. Geburtstag führen würden. Im Leben hängt sehr vieles zusammen, leider blenden das viel zu viele Entscheidungsträger völlig aus.

Was meinen Sie konkret damit?
Strolz: Es gibt momentan in der Politik auf vielen Ebenen eine Schieflage. Ich habe das Gefühl, dass heutzutage alles nur mehr auf Kurzfristigkeit ausgelegt ist, viele Politiker kreisen nur mehr um ihre eigenen Probleme und schaffen damit neue Probleme. Weil sie aus Eigennutz handeln, sich nicht an Gesetze halten – deshalb braucht es eine völlig neue Transparenz. Die aktuellen Krisen zeigen das im Kleinen und im Großen auf. Der Krieg in der Ukraine zum Beispiel. Ich habe nicht das Gefühl, dass das russische Volk diese kriegerische Auseinandersetzung will, sondern dass ein erschreckend kleiner Kreis über das Schicksal von so vielen Menschen bestimmt. So entsetzlich dieser Krieg ist, so schwer diese neue Realität zu ertragen ist, vielleicht führt dieser grausame Wahnsinn dazu, dass es in Russland eines Tages eine Gewaltentrennung gibt, weil sich die Menschen das Grundrecht auf Selbstbestimmung zurückholen. Michail Gorbatschow hatte das schon erkannt. Er begriff, dass man Menschen nicht unterdrücken darf. Ich habe das selbst miterlebt, was diese psychische Eingesperrtheit mit einem macht.

Zum 60. Geburtstag von Hubert Strolz
Strolz zeigte sich in dem fast zweistündigen Gespräch sehr reflektiert und stellte große Zusammenhänge her. Klaus Hartinger

Wann war das?
Strolz:
Das war ganz zu Beginn meiner Karriere bei einem Weltcuprennen in Jasna, in der damaligen CSSR hinter dem Eisernen Vorhang im Ostblock. Ich erinnere mich noch an das bedrückende Gefühl beim Grenzübertritt. Es war augenscheinlich, dass wir uns ab sofort in einem Überwachungsstaat befanden. Das war emotional eine enorme Belas­tung. In Jasna sind dann einige Einheimische zu uns in den Skiraum gekommen, um Sachen mit uns zu tauschen. In der Tschechoslowakei konnte man nämlich nicht in ein Sportgeschäft gehen und Lederhandschuhe kaufen, die gab es dort nicht, schon gar nicht gegen tschechische Kronen. Die Menschen gaben uns Bleikristallvasen und wollten dafür Waren aus dem Westen, die es bei ihnen nicht gab. Einer der Tschechoslowaken verhielt sich geheimnisvoll. Als alle anderen weg waren, fragte er mich und meinen Servicemann Hannes Rinderer, ob wir für ihn zwei Erbstücke, zwei Silberfüchse, über die Grenze bringen könnten. Der Mann wollte flüchten und die Erbstücke im Sommer auf dem Weg nach Zürich bei uns abholen. Wir haben die Silberfüchse mitgenommen und vereinbart, dass er sie bei Hannes in Hohenems abholen kann. Eines Tages stand er wirklich vor der Tür, er hatte es über die grüne Grenze in den Westen geschafft. Ich habe den Mann jahrelang auf dem Rückweg von Val d’Isere und Adelboden besucht, wir haben auch heute noch Kontakt. Dieses eine Einzelschicksal allein zeigt schon auf, wie sehr unterjochte Menschen nach der Freiheit drängen. Ich begreife nicht, wie Putin glauben kann, dass sich das ukrainische Volk nach der Sowjetunion zurücksehnt. Die Ukrainer werden bis zum letzten Atemzug kämpfen, weil sie ihre Freiheit verteidigen wollen. Ihre Freiheit, die Freiheit ihrer Kinder und Kindeskinder.

Sie kämpfen um eine lebenswerte Zukunft.
Strolz:
Ja, ich will es aber noch allgemeiner ausdrücken: Die Jugend muss überall dort gegensteuern, wo Schieflagen entstehen. Die Inflation oder die horrenden Grundstückpreise machen das Leben so teuer, dass sich selbst die Fleißigsten kein Eigenheim mehr leisten können. Das ist ungerecht. Oder die Klimaveränderungen. Die Natur unterliegt gewissen Gesetzmäßigkeiten, zum Beispiel bei der Bewirtschaftung. Beutet man einen Boden mit industrieller Landwirtschaft aus, wird er eines Tages keine Nährstoffe mehr aufnehmen. Überall, wo die Menschen zu extrem werden, schlägt das Pendel in die andere Richtung aus. Und damit komme ich auf Ihre Frage nach den Werten zurück. Gerade in unserer digitalisierten, schnelllebigen Zeit braucht es als Ausgleich auch Traditionen, Entschleunigung, Naturverbundenheit.

Sind Sie ein gläubiger Mensch?
Strolz:
Ja. Die Wertehaltung, die ich habe, und der Glaube tragen mich und Birgit durchs Leben. Die christlichen Grundwerte sind sehr wertvoll, und die versuchen wir auch an unsere Kinder weiterzugeben. Wobei es wichtig ist zu verstehen, dass die großen Weltreligionen alle Werte vermitteln, die ihre Gläubigen durchs Leben tragen. Jede Weltreligion, auch das Christentum, hatte ihre Irrwege, aber die waren und sind von meist einer kleinen Gruppe Menschen verursacht. Es ist wichtig, dass negative Strömungen wie diese gerade von den jungen Menschen kritisch hinterfragt werden, das ist auch eine wichtige Aufgabe des Journalismus. Das ist bestimmt nicht immer einfach und bequem, aber es braucht Menschen, die Kritik äußern, unangenehme Fragen stellen und den Mut haben, anzuecken. Wenn eine Person, eine Organisation oder eine Regierung nicht mit Kritik umgehen kann, auf was für Grundwerten basiert diese Einstellung dann? In Russland gibt es offiziell nur eine Meinung, weil Andersdenkende nicht toleriert werden. So lässt sich kein Leben miteinander gestalten. Die christlichen Grundwerte wie Glaube, Liebe, Hoffnung, Gerechtigkeit sind ein Kompass im Leben, die mir helfen, die schweren Momente zu überstehen. Jeder von uns hat Lebensphasen, in denen er sich neu orientieren muss, und die auch als Familie schwierig sind. In diesen Zeiten kann man als Mensch und auch als Gemeinschaft reifen.

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, in der Zeit zurückzugehen und dem jungen Hubert Strolz einen Rat zu geben – gäbe es da markante Punkte in Ihrem Leben?
Strolz:
Natürlich. Ich habe genauso Schattenseiten wie jeder andere Mensch, ich habe Fehler gemacht, und ich mache Fehler, weil ich Schwächen habe. Es braucht ja keiner glauben, dass bei mir alles golden ist. Jetzt bin ich 60 und muss nach wie vor intensiv an mir arbeiten. Ich bin zum Beispiel jemand, der Unangenehmes immer aufschiebt, ich bin meiner Frau Birgit sehr dankbar, wenn sie Dinge anspricht, die ich totschweigen würde. Sie sagt dann immer: „Du kehrst alles unter den Teppich, bis nichts mehr Platz hat“. Das Leben besteht nicht nur aus Sonnenschein, und ich bin immer froh, wenn wir Belastendes aussprechen und aus der Welt schaffen.

Zum 60. Geburtstag von Hubert Strolz
Hubert Strolz mit seiner Frau Birgit und Tochter Anna-Maria am 10. Februar 2022 – wenige Stunden, nachdem Sohnemann Johannes in Peking Olympiagold in der Kombination eroberte. Klaus Hartinger

Welche Bedeutung haben Ihre sportlichen Erfolge, aber auch Misserfolge heute noch für Sie?
Strolz:
Meine Zeit als Skirennläufer war eine ungemein spannende Epoche in meinem Leben und bleibt auch in der Nachbetrachtung eine sehr intensive und wichtige Lebensphase. Es begann wie gesagt damit, dass ich mit zehn Jahren in das Internat der Skihauptschule nach Schruns durfte, ich hatte manchmal so Heimweh, dass ich es fast nicht ausgehalten habe. Doch ich lernte, damit umzugehen. Danach durfte ich nach Stams und habe meinen Weg gemacht. Im Nachhinein hat man natürlich einen anderen Blick auf die Dinge, würde manches anders machen, weil ich da und dort Fehler gemacht habe. Aber so ist das Leben. Wenn ich heute in Albertville am Start stehen würde, wo ich 1992 meinen Olympiasieg von Calgary in der Kombination wiederholen hätte können, würde ich den Lauf anders angehen. Ich hätte im Schneepflug runterfahren können – so groß war mein Vorsprung. Als ich drei oder vier Tore vor dem Ziel ausgeschieden bin, hatte ich drei Sekunden Vorsprung. So ärgerlich das ist: Solche Dinge passieren.

Wie sind Sie eigentlich mit Ihrer Bekanntheit umgegangen, die Sie auch heute noch haben?
Strolz:
Ich bin den Menschen immer auf Augenhöhe begegnet. Klar, ich habe im Sport was erreicht, weil ich in einem ganz kleinen Teilgebiet des Lebens ein Spezialist war, aber viele Menschen sind in ihren Spezialgebieten sehr gut – nur sind die eben nicht so exponiert, wie ich es als Spitzensportler war. Mich hat die Wertschätzung für meine Leistungen immer gefreut, ich hätte mich aber nie als jemand besonderer gefühlt. Es ist wichtig, seine Erfolge einzuordnen und mit den Füßen am Boden zu bleiben. Als ich 1994 aufgehört habe, sagten viele Leute, dass ich unbedingt aus meinem Namen etwas machen soll. Ich war auf der Suche nach meiner Verantwortung, stand als Familienvater vor einem Spagat. Weil ich zwei Seelen in meiner Brust hatte. Auf der einen Seite hatten meine Eltern eine kleine Pension und eine Landwirtschaft, mein Vater war Jagdaufseher. Auf der anderen Seite sollte ich mich vermarkten.

Hubert Strolz als PR- und Marketingfigur – schwer vorstellbar.
Strolz:
Ich hätte damals jedes Wochenende bei einem Golfturnier teilnehmen können, bin da und dort zu Veranstaltungen eingeladen worden. Eine gewisse Zeit lang habe ich das mitgemacht, bis mich das innerlich zerrissen hat. Das war nicht meine Welt. Im Leben geht es auch darum, seinen Platz zu erkennen. Mein Platz nach meiner Karriere war und ist in Warth, ist die Familie, die Landwirtschaft, unsere Pension.

An beruflichen Möglichkeiten im Skirennsport hätte es Ihnen bestimmt nicht gemangelt?
Strolz:
Natürlich nicht. Aber ich war damals bereits zweifacher Familienvater, und da rücken andere Lebensbereiche in den Vordergrund. Wobei ich schon dazu sagen muss, dass ich meinen Weg erst finden musste. Im Herbst 1994 habe ich für Kästle Verkäuferschulungen durchgeführt, zusammen mit Heinz Häfele habe ich von Wien bis Bregenz alle Sportgeschäfte abgeklappert. Wir präsentierten nach Ladenschluss auf einer großen Leinwand die Vorteile von Kästle gegenüber den anderen Marken. Mir ging es nicht gut dabei, denn die anderen Skifirmen hatten auch hervorragende Produkte, und wir redeten ja nicht vom Rennsport, wo Nuancen entschieden. Nein, das war nicht ich, aber solche Erfahrungen bleiben einem nicht erspart – letztendlich muss man die Weichen für sein Leben selbst stellen. Mein Vater hat immer zu mir gesagt: „Du musst nicht die Erwartungen der anderen erfüllen“. Seine Haltung war, dass es eine gewisse Zufriedenheit braucht im Leben; und dafür muss man sich wohl fühlen dabei, was man tut. Egal ob man Landwirt ist oder sonst einen Beruf ausübt. Man muss in sich hineinspüren, um herauszufinden, was sich für einen selbst richtig anfühlt. Wir leben in einer sehr oberflächlichen Zeit, in der die sogenannten Influencer mit ihren Fotos am Pool und von Partys einen künstlichen Standard schaffen, wie das Leben der jungen Leute heute zu sein hat, und damit enormen Druck erzeugen. Dabei ist vieles davon nur Schein, das Leben ist nicht so.

Zum 60. Geburtstag von Hubert Strolz
Eine Aufnahme aus dem Jahr 2012: Hubert Strolz mit seinem im Vorjahr verstorbenen Vater Ewald. Klaus Hartinger

Wie können Sie sich diese Entwicklung erklären?
Strolz:
Die Lobbyisten haben viel zu viel Macht, in den sozialen Medien, aber auch in der Politik. Es braucht heute viel Charakterstärke, um sich nicht beeinflussen zu lassen: als junger Mensch, der seine Selbstbestimmung sucht, ebenso wie im Großen die Politiker, denen bei gewissen Entscheidungen persönliche Vorteile winken. Im Grunde genommen wollen dir heute alle etwas verkaufen. Entweder ein Produkt oder ihre Weltsicht, die zumeist nur Schwarz oder Weiß kennt. Da mache ich nicht mit.

Inwieweit hat Sie Ihr Unfall beim Heueinführen im Juni 2013 geprägt?
Strolz:
Anna-Maria war damals nach ihrer bestandenen Matura mit Birgit für ein verlängertes Wochenende in New York. Es war ein Bilderbuchtag. Ich weiß noch, wie ich fünf Minuten vor dem Unfall dachte, wie schön die Welt doch ist. Ich war fast schon übertrieben euphorisch. Einige Augenblicke später habe ich einen Felsabsatz übersehen. Danach ging alles so schnell, ich hatte keine Chance abzuspringen und bin mit dem Heuladewagen umgekippt. Mein großes Glück war, dass nur meine Füße eingeklemmt wurden. Deshalb bin ich mit einem Schienbeinbruch und einem angerissenen Wadenbein davongekommen. Wenn ich mit dem ganzen Körper unter den Karren gekommen wäre, hätte ich keine Chance gehabt. Ich bin nach diesem Unfall vorsichtiger geworden, und ich glaube, der Unfall hat auch meinen Blick aufs Leben geschärft.

Was sind Ihre stärksten Erinnerungen an Ihren Olympiasieg in Calgary 1988?
Strolz:
Ich erinnere mich an sehr viele Details. Vom zweiten Slalomlauf sehe ich den langen Zug im oberen Streckenteil vor mir, da hätte ich fast eingefädelt, das weiß eigentlich niemand. Ich bin mit der Skispitze genau auf die Stange gefahren, da haben Millimeter darüber entschieden, ob der Ski außen oder innen vorbeiging. Ich wusste sofort, was für ein Glück ich hatte, es hat mir innerlich regelrecht einen Stich gegeben. Ich dachte mir: Konzentrier’ dich! Eine eindrückliche Erinnerung ist auch, wie fokussiert ich war. Ich habe mir damals in Calgary an den Nachmittagen eine bewusste Ruhephase gegönnt, ich habe mich hingelegt und losgelassen – und danach war ich wieder am Punkt. Das war auch bei Hannes in Peking so. Als er abfuhr, spürte ich, es passt; dass es so gut laufen würde, konnte natürlich keiner ahnen.

Zum 60. Geburtstag von Hubert Strolz
Zwei Olympiasieger: Hubert und Johannes Strolz, Vater und Sohn. Hubert gewann 1988 in Calgary Gold in der Kombination und Silber im Riesentorlauf, Johannes gewann 2022 in Peking ebenfalls Gold in der Kombination, Silber im Torlauf sowie eine weitere Goldmedaille im Teambewerb. AFP

Ist Ihnen zum Schluss unseres Gesprächs noch etwas wichtig?
Strolz:
Ohne Birgit hätte ich meinen Weg nie so gehen können. Sie ist die Seele unserer Familie, und sie hat uns durch die schönen und die schwierigen Zeiten getragen. Dafür bin ich ihr von Herzen dankbar.