International

Sieben gegen Putin und China

27.06.2022 • 22:25 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
„Ich bin sehr zuversichtlich, dass vom Gipfel ein ganz klares Signal der Geschlossenheit ausgeht“, sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen.
„Ich bin sehr zuversichtlich, dass vom Gipfel ein ganz klares Signal der Geschlossenheit ausgeht“, sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. (c) APA/AFP/POOL/LUDOVIC MARIN (LUDOVIC MARIN)

G7-Gipfel in Elmau bringt, neben Witz und Heiterkeit, erstes Ergebnis.

Es herrschte Kanzlerwetter am Sonntag auf Schloss Elmau. Bayerns Himmel leuchtete kräftig blau und weiß. Der gastgebende Bundeskanzler Olaf Scholz gab sich am Sonntag zum Auftakt des G7-Gipfels im bayerischen Elmau betont leger, er erschien ohne Krawatte, den obersten Knopf des weißen Hemdes geöffnet. Doch geht’s für ihn um viel. Für Scholz bietet der Gipfel die Bühne, seine angezweifelte Führungsstärke zu beweisen.

Witze über Putin

Andere waren gelassener und witzelten gar am ersten Tag des Treffens. Kanadas Regierungschef Justin Trudeau regte einen “Ausritt auf dem Pferd mit nackter Brust” an. Eine Anspielung auf die virilen Auftritte des russischen Staatschefs Wladimir Putin. Auch der britische Premier Boris Johnson witzelte: Der Gipfel müsse zeigen, “dass wir tougher sind als Putin”. US-Präsident Joe Biden wirkte vor dem ersten Gruppenbild vor bayerischer Bergkulisse sachlicher: “Wir werden aus der Krise rauskommen”, sagte er. “Und zwar sehr viel stärker.”

Westen will globalen Süden gewinnen

Die Lage ist ernst: Aus Kiew mahnte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj neue Sanktionen an. Der Gipfel ließ es zunächst bei Beratungen über weitere Schritte. Aber er verständigte sich nach einer ersten Arbeitsrunde am Sonntag auf erste Ergebnisse: ein globales Infrastrukturprogramm in nachhaltige Energie für die Länder des globalen Südens über mehrere Hundert Millionen Euro. Die EU hat bereits ein solches Programm aufgelegt: Global Gateway – frei übersetzt: Tor zur Welt. Die Stoßrichtung ist klar: Es geht darum, Chinas Einfluss in der Welt einzudämmen und ein Gegengewicht zur chinesischen Seidenstraßeninitiative aufzulegen.

Gegen die Klimakrise und China

Der Westen ist in der Defensive – militärisch gegenüber Russland. Wirtschaftlich gegen das aufstrebende China. “Ich bin sehr zuversichtlich, dass vom Gipfel ein ganz klares Signal der Geschlossenheit ausgeht”, sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Darum geht’s in Elmau: Demokratie und Kapitalismus waren seit zweihundert Jahren ein ziemlich erfolgreiches Jahr. Angesichts von Klimakrise und autoritären Herausforderungen müssen sich nun beide beweisen. Das ist die eigentliche Herausforderung des Treffens in den Alpen.