Kultur

Liebe, Tod und Neubeginn

30.06.2022 • 19:38 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hans Platzgumer_Songbook
Hans Platzgumer_Songbook

2016 wurde Hans Platzgumer für den deutschen Buchpreis nominiert, nun gibt er mit dem Songbook „Convertible“ sein lyrisches Debüt.

Hannah MacKenna und Hans Platzgumer lernten sich Anfang der 1990er-Jahre in New York kennen. Aus dieser Begegnung entstand eine Freundschaft und in der Folge eine kreative Zusammenarbeit, die bis heute anhält. Gemeinsam schreiben sie an den Texten für die Band Convertible, die Hans Platzgumer 2002 gründete. 2004 erschien das erste selbstbetitelte Album, sieben weiter folgten. Aus diesem umfangreichen Songmaterial schöpften die beiden und präsentieren im vorliegenden Buch eine Art Werkschau in 21 Lieder.

<span class="copyright">Text/Rahmen Verlag</span>
Text/Rahmen Verlag

Im Songbook wurden jedoch nicht nur die englischen Texte abgedruckt, das Besondere daran ist, dass man erstmals deutsche Übersetzungen von Songs wie „Not A Cloud“ oder „House Arrest“ lesen kann. Hans Platzgumer hat die Songs mit viel Feingefühl ins Deutsche übertragen und spart nicht mit Überraschungen.
Weit entfernt von einer Eins-zu-eins-Übersetzung entwickeln sich im deutschen Text neue, vielfältige Bedeutungshorizonte. Sind die englischen Lyrics von Hannah MacKenna extrem reduziert und prägnant, so gibt Platzgumer den Texten mehr Fülle und mäandert förmlich in seinen Liedern. Multitalent Platzgumer, der seit den 2000er-Jahren als Autor kreativ wurde, gibt hier sozusagen sein lyrisches Debüt. Mit seinem Roman „Am Rand“ war er 2016 für den deutschen Buchpreis nominiert.

Unviersiell und privat

Einmal fragil, dann wieder voller Hoffnung beschreiben die Songs Lebenssituationen, die für alle Menschen universell sind: Liebe, Tod und Neubeginn. Die Texte sind intim und privat gehalten, verweisen aber oft auf einen größeren Rahmen. Eine zerbrochene Liebesgeschichte kann auch als Bruch mit einem politischen System gelesen werden, ein wolkenloser Himmel ist mehr als die Ankündigung eines strahlenden Tages. Hinter jeder Textzeile lauert auch die Klippe ins Ungewisse. Bebildert sind die 21 Songs von Georg Gaigl, der mit einer analogen Kamera Fotos aufnahm und diese dann umfangreich digital collagierte. Ganz in schwarzweiß gehalten schmiegen sie sich wie eine zweite Haut an die Songtexte und korrespondieren mit den deutschen und englischen Texten.

Auch Gaigl und Platzgumer kennen und verstehen sich bestens. Seit den Münchner Tagen Mitte der 1990er-Jahren befreundet, als sich Platzgumer auf elektronische Musik spezialisierte, bilden sie ein textliches und visuelles Duo. Gaigl stand als VJ mit Platzgumer auf der Bühne und produzierte einige seiner Musikvideos. Es ist gleichsam die zweite langjährige Zusammenarbeit, die nun sehr befruchtend im Songbook Eingang gefunden hat.
Dank QR-Code im Buch kommt man direkt zur digitalen Playlist der 21 Songs. Ein Special das sich auszahlt, verbinden sich so doch die Songtexte mit der melodischen, orchestralen Musik von Convertible. Es ist ein neuer, lohnenswerter Zugang, zuerst die Texte eingehend zu studieren und danach erst die Songs zu hören.

Der Gedichtband „Convertible Songbook“ ist im Juni 2022 im Text/Rahmen Verlag erschienen.

Von Daniel Furxer