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Bonität der Gemeinden unter dem Schnitt

06.07.2022 • 20:09 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Fußach hatte in den vergangenen Jahren finanziell einiges aufzuarbeiten. Bei der Bonität steht die Bodenseegemeinde nun aber besser da als die meisten. <span class="copyright">Steinlechner</span>
Fußach hatte in den vergangenen Jahren finanziell einiges aufzuarbeiten. Bei der Bonität steht die Bodenseegemeinde nun aber besser da als die meisten. Steinlechner

Zwei Drittel der Kommunen im Ländle stehen im Bundesvergleich schlechter da.

Das Zentrum für Verwaltungsforschung KDZ veröffentlicht jährlich ein Bonitätsranking der 250 kreditwürdigsten unter den insgesamt 2095 Gemeinden Österreichs, in dem Vorarlberg heuer mit acht Kommunen vertreten war. Im Vergleich zu 2021 fielen Rankweil (damals Platz 241) und Hittisau (223) aus der Aufstellung, neu hinzu stieß dafür Lorüns.

Dass keine der Städte an der Bonitätsspitze steht, ist im nationalen Vergleich nicht ungewöhnlich: Kleinere Gemeinden haben seltener mit außergewöhnlichen Belastungen zu kämpfen und erfüllen keine Zentrumsfunktion, weshalb ihre Haushalte vor allem von regelmäßigen Aufwendungen bestimmt werden. Das bedeutet allerdings nicht, dass nicht auch kleine Gemeinden vergleichsweise schlechtere Bonitäten ausweisen können. Von den 132 Kärntner Gemeinden schafften es beispielsweise nur zwei unter die bundesweit besten 250. Insgesamt gehört ein Viertel der Kärntner Gemeinden zu den bundesweit zehn Prozent mit der schlechtesten Bonität. Daneben macht sich die niedrigere Bonität der wirtschaftlich gebeutelten Obersteiermark bemerkbar. Aber auch in Vorarlberg befindet sich ein Drittel der Gemeinden im Bundesvergleich im untersten Fünftel. Sieht man sich die Hälfte der österreichischen Gemeinden mit der schlechtesten Bonität an, finden sich darin zwei Drittel der Vorarlberger Gemeinden wieder. Deutlich besser sind die Werte in Salzburg und Oberösterreich.

Reiche sind kreditwürdiger

Zu schaffen machen den Vorarlberger Kommunen vor allem die hohen Transferzahlungen an das Land. Während sie 560 Euro pro Einwohner für die Spitalsversorgung abführen müssen, sind es in der Steiermark nur 308 Euro.
Die österreichweit beste Bonität wies erneut die oberösterreichische Gemeinde Sattledt (2693 Einwohner) auf, die von der Ansiedlung mehrerer Großbetriebe profitiert.
Das passt ins Gesamtbild: „Wenn man sich die ersten zehn Gemeinden im aktuellen Ranking anschaut, dann sind dort diesmal fast ausschließlich finanzstarke Gemeinden zu finden“, so KDZ-Geschäftsführer Peter Biwald.

Kein Pranger

Welche Gemeinden mit einer schlechten Bonität kämpfen, will man beim KDZ aber nicht veröffentlichen. Dass nur die 250 Gemeinden mit der höchsten Bonität namentlich bekanntgegeben werden, liege daran, dass man niemanden an den Pranger stellen wolle, heißt es. Die Bonität aller österreichischen Gemeinden bewege sich aber im Schulnotensystem bei mindestens Genügend.
Im Trägerverein des KDZ sitzen hauptsächlich Gemeindevertreter. Präsident ist der Bürgermeister von St. Pölten.

Acht Gemeinden voran

In Vorarl­berg führt Reuthe das Ranking an. Die Gemeinde hat sich im Vergleich zu 2021 von Rang 123 auf den bundesweit 41. Platz verbessert. Auf den weiteren Rängen folgen die Gemeinden Röthis (77), Lorüns (97), Stallehr (138), Viktorsberg (165) und Bizau (185). Die beiden größten Gemeinden im Bonitätsranking sind Schwarzach (121) und Fußach (147) mit je knapp 4000 Einwohnern. Besonders für Fußach, das in den letzten Jahren mit den Nachwehen vergangener Haushaltsexzesse zu kämpfen hatte, ist die Entwicklung erfreulich: Es konnte sich in Sachen Kreditwürdigkeit von Platz 171 im Jahr 2021 gleich um 24 Ränge verbessern.